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Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 24.05.00

HIV: Infizierte T-Zellen reißen gesunde mit in den Tod

Der AIDS-Erreger HIV zerstört im Körper des Menschen wichtige Zellen der Immunabwehr, die T-Helferzellen. Bringt man im Laborversuch eine von HIV befallene mit einer gesunden T-Helferzelle zusammen, dann endet dieser Kontakt für beide Zellen tödlich, wie Würzburger Wissenschaftler herausgefunden haben. Jetzt wollen sie untersuchen, ob dieser Vorgang auch im Körper von HIV-Infizierten abläuft.

Die vom HI-Virus hervorgerufene Immunschwächekrankheit AIDS hat sich seit ihrer Entdeckung vor fast 20 Jahren weltweit ausgebreitet. Bis jetzt wurden mehr als 50 Millionen Menschen infiziert. Im Körper der Betroffenen versucht das Immunsystem vergeblich, die sich vermehrenden Viren zu zerstören. Fast immer gewinnt das Virus die Oberhand und vernichtet die Immunabwehr. Dabei zerstört es diejenigen Zellen, die eine zentrale Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern spielen und die wichtige Abläufe der Immunantwort koordinieren: die T-Helferzellen.


In einem Infizierten findet ein ständiges Sterben von T-Helferzellen statt. Mit der Zeit ist der Organismus immer weniger in der Lage, diesen Verlust zu ersetzen. Dadurch haben zahlreiche andere Krankheitserreger leichtes Spiel, was für den Menschen schließlich mit dem Tod endet.

Schon lange wird erforscht, auf welche Weise die T-Helferzellen zerstört werden. Im Labor von PD Dr. Christian Jassoy am Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg wird gemessen, wie sich die HIV-Infektion auf einzelne T-Helferzellen auswirkt: "Unsere Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Kontakt von infizierten mit nicht infizierten Zellen tödlich für beide Zellen ist. Das hat fatale Folgen, denn dabei werden auch intakte Zellen zerstört." Der Mechanismus, durch den die Zellen zu Grunde gehen, ist kompliziert. Zunächst verschmelzen die infizierten mit den nicht infizierten Zellen. Anschließend läuft vor allem in bereits zuvor geschädigten Zellen ein geordneter Prozess des Sterbens ab, die so genannte Apoptose.

Dr. Jassoy: "Die Frage ist nun, ob das, was im Labor beobachtet werden kann, auch in infizierten Patienten stattfindet." Dies soll an Blutproben von HIV-Infizierten untersucht werden. Ziel dieses von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts ist es, den Mechanismus des Zellsterbens besser zu verstehen. Mit diesem Wissen könnte man möglicherweise neue Behandlungsmöglichkeiten finden, die den Tod der T-Helferzellen verhindern.

Weitere Informationen: PD Dr. Christian Jassoy, T (0931) 201-3442, Fax (0931) 201-3934, E-Mail:
jassoy@vim.uni-wuerzburg.de

Kurzfassung:
Der AIDS-Erreger HIV zerstört im Körper des Menschen wichtige Zellen der Im-munabwehr, die T-Helferzellen. Bringt man im Laborversuch eine von dem HI-Virus befallene mit einer gesunden T-Helferzelle zusammen, dann endet dieser Kontakt für beide Zellen tödlich, wie das Team des Virologen PD Dr. Christian Jassoy von der Universität Würzburg herausgefunden hat: Zunächst verschmelzen die infizierten mit den nicht infizierten Zellen. Anschließend kommt es vor allem in bereits zuvor geschädigten T-Zellen zu einem geordneten Prozess des Sterbens, der so genannten Apoptose. Jetzt wollen die Wissenschaftler an Blutproben untersuchen, ob dieser Vorgang auch im Körper von Infizierten abläuft. Ihr Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Seit der Entdeckung der Immunschwächekrankheit AIDS vor fast 20 Jahren wurden weltweit mehr als 50 Millionen Menschen infiziert.


Robert Emmerich, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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