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Universität Bern, 13.07.02

HIV-Infektion: Rechtzeitig behandeln!

Sperrfrist: 12. Juli 2002, 24:00 Uhr!!!

Eine frühzeitige Anti-Retroviren-Therapie verhindert den Ausbruch von AIDS und verbessert die Überlebenschancen von HIV-Patienten.

Die Autoren einer gross angelegten internationalen Studie weisen nach, dass eine frühzeitige hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) die Dreijahresprognose für Menschen mit einer HIV-1-Infektion beträchtlich verbessert. Die Resultate dieser Studie werden am 13. Juli in der medizinischen Zeitschrift THE LANCET veröffentlicht.


In den Ländern der westlichen Welt wird die HAART-Therapie seit 1996 verbreitet angewendet. Doch fehlten bisher ausreichende Daten von Einzelstudien, welche Voraussagen über den Gesundheitszustand und die Chancen der so behandelten Patienten zuliessen. Diese Informationslücke zu füllen, war das Ziel der ART Cohort Collaboration unter der Leitung von Matthias Egger, Professor für Epidemiologie und öffentliche Gesundheit am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern.

Dreizehn Forschergruppen analysierten Daten von über 12'000 erwachsenen Patienten in Europa und Nordamerika. Diese Patienten hatten zuvor keine antiretrovirale Behandlung erfahren und begannen nun ihreHAART-Therapie mit einer Kombination von mindestens drei Medikamenten. Im Verlaufe der Studien erkrankten 870 Patienten an AIDS und 344 Patienten starben.

War die Krankheit zu Beginn der Studie schon weiter fortgeschritten - was sich in ein einer tiefen Zahl von CD4-Zellen, d. h. von weissen Blutkörperchen, die als Killerzellen agieren, äusserte -, waren AIDS- und Todesfallrisiko trotz der Behandlung markant höher. Gegenüber jenen Patienten, deren CD4-Zellen-Wert zu Beginn der Behandlung unter 50 pro Mikroliter betrug, bestand für diejenigen mit Werten zwischen 50 und 99 CD4-Zellen pro Mikroliter ein verringertes AIDS- oder Todesrisiko von rund 25%; bei jenen mit Werten zwischen 100 und 199 war das Risiko um 50% geringer, während bei Patienten mit Anfangswerten von über 200 CD4-Zellen pro Mikroliter eine Risikoverringerung von rund 80% festgestellt wurde.

Ebenfalls im Zusammenhang mit einem AIDS- oder Todesfallrisiko stand die Zahl der HIV-Viren im Blut bei Beginn der Therapie. Betrug diese über 100'000 pro Milliliter, war die Wahrscheinlichkeit, an AIDS zu erkranken oder zu sterben, höher. Weitere unabhängige Faktoren für eine ungünstigere Prognose waren höheres Alter, HIV-Infektion durch Spritzen beim Drogenmissbrauch oder eine zuvor diagnostizierte AIDS-Erkrankung.

Übers Ganze gesehen, betrug die Wahrscheinlichkeit, im Laufe von drei Jahren an AIDS zu erkranken oder zu sterben, zwischen 3% für Patienten mit den geringsten Risikofaktoren und bis zu 50% für jene mit den höchsten Risikofaktoren.

Matthias Egger schätzt die Bedeutung der Untersuchung folgendermassen ein: "Die Studie ist deshalb von Bedeutung, weil sie mithilft, den genauen Zeitpunkt zu definieren, an dem im Verlaufe der Infektion die HAART-Therapie einzusetzen hat. Leider setzte in unseren Untersuchungen bei beinahe 60% der Patienten die Behandlung zu spät ein, was sich in Werten von unter 200 CD4-Zellen pro Mikroliter oder einem Virenanteil von über 100'000 pro Milliliter bei Behandlungsbeginn äusserte. Bei all diesen Patienten wäre die Therapie wirkungsvoller gewesen, hätte sie früher begonnen. Wir müssen uns nun den Gründen zuwenden, die für die verspätete Behandlung verantwortlich waren, damit die Möglichkeiten der antiretroviralen Therapie in Zukunft optimal genutzt werden können."

Kontakt:
Prof. Dr. Matthias Egger ist erreichbar:
Vom 10. - 12. Juli:
Department of Social Medicine
University of Bristol
Canynge Hall
Whiteladies Road
Bristol BS8 2PR, UK
Telefon: +44 (0)117 928 73 87
Fax: +44 (0)117 928 7325
Telefon privat: +44 (0) 117 962 85 76
E-Mail: egger@ispm.unibe.ch

Ab 13. Juli:
Universität Bern
Institut für Sozial- und Präventivmedizin
Finkenhubelweg 11
CH - 3012 Bern
Telefon: +41 (0)31 631 35 01
Fax: +41 (0)31 631 35 20
Telefon privat: +41 (0)31 371 52 58
E-Mail: egger@ispm.unibe.ch


Prof. Dr. Annemarie Etter, Universität Bern
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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