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Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 22.04.05

Herz-OP live im Internet

Eine Herzklappenoperation live im Internet zeigt die Herzchirurgische Klinik des Universitätsklinikums Erlangen (Klinikdirektor Prof. Dr. Michael Weyand) am Mittwoch, 27. April 2005, von 16 bis ca. 18 Uhr. Technische Voraussetzung für Interessierte ist lediglich ein Internetanschluss (Modem/ISDN bzw. DSL) und eine Media-Player-Software. "Mit der Live-OP möchten wir neben Ärzten und Studenten auch Betroffenen und Angehörigen umfassende Einsicht in das Geschehen rund um einen chirurgischen Eingriff am offenen Herzen bieten", sagt Projektleiter Prof. Dr. Theodor Fischlein. Dem Nutzer werden zwei verschiedene Live-Bildquellen aus dem OP und ergänzendes Einspielmaterial, wie Ultraschallaufnahmen und Grafiken, angeboten. Fundierte Kommentare eines Moderators und des OP-Teams ergänzen die Bilder.

Die Operation wird sowohl über das Internet, als auch in den Hörsaal der Chirurgischen Klinik des Uni-Klinikums übertragen. Hier haben Interessierte die Möglichkeit, interaktiv Fragen direkt an das Operationsteam zu richten. Bei der geplanten Live-OP wird bei einem Patienten eine stark verengte Herzklappe (Aortenklappenstenose) durch eine neuartige Bio-Herzklappe ("Perikard Stentless-Bioprothese") ersetzt. Im Unterschied zu bislang verwendeten sogenannten "gerüstlosen" Herzklappen-Bioprothesen aus Schweineherzen besteht die im Universitätsklinikum Erlangen verwendete Prothese aus Rinderperikard. Dieses Material ist ausgesprochen dünnwandig und flexibel. In Verbindung mit einem speziellen Operationsverfahren kann die Bio-Prothese schneller und damit schonender für den Patienten implantiert werden. "Die ersten postoperativen Ergebnisse sind sehr erfolgsversprechend", berichtet Prof. Fischlein.

Mit der Live-OP will die Herzchirurgische Klinik nicht nur Kollegen aus aller Welt über das neue OP-Verfahren informieren, sondern auch die Bevölkerung. Angesichts der deutschen Spitzenposition bei Herzoperationen in Europa sei es wichtig, Betroffene umfassend aufzuklären, erklärt Prof. Fischlein. Sinnvoll aufbereitete Informationen würden das Verständnis für Herzoperationen erhöhen und helfen, Risiken einzuschätzen und Ängste abzubauen. Im europaweiten Vergleich liegt Deutschland bei der Zahl kardiologischer Eingriffe an der Spitze. Nach dem "Herzbericht 2002" des niedersächsischen Sozialministeriums werden nirgendwo sonst in Europa so viele Herzkatheteruntersuchungen (2002 etwa 650.000) oder Ballonaufweitungen verengter Herzkranzgefäße (ca. 200.000) durchgeführt und so viele Bypässe verlegt (rund 70.000) wie in Deutschland.

Von 1956 bis 2004 haben die Erlanger Herzchirurgen ca. 50.900 Patienten mit und ohne Herz-Lungen-Maschine operiert. 7.700 davon waren Herzklappenoperationen. Allein 2004 wurden 1.900 Herzoperationen mit der Herz-Lungen-Maschine und davon 498 Herzklappenkorrekturen (darunter 181 Kombinationseingriffe) durchgeführt. 1962 konnte in Erlangen mit Hilfe von Albert Starr die erste Prothese für eine Aortenklappe implantiert werden.

Weitere Informationen:


Ute Missel, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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