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Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und..., 11.04.03

Hämolytisch-Urämisches-Syndrom: Kleiner Fehler - fatale Wirkung

Jena, den 11.04.03 Das familiäre Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS) ist eine vererbte Erkrankung, die zu schwerwiegenden Schädigungen der Blutgefäße, Blutzellen und der Nieren führt. Sie tritt in den betroffenen Familien gehäuft auf und ist mit vielen Rückfällen und einer hohen Sterblichkeit verbunden. Bisher können nur die Symptome gelindert, nicht aber die Ursachen der Krankheit bekämpft werden.

Prof. Dr. Peter F. Zipfel und seiner Mitarbeiterin Frau Dr. Tamara Manuelian ist es jetzt gelungen, die Ursachen dieser Erkrankung aufzuklären. Sie konnten in den Genen von HUS-Patienten jene Mutationen aufzuspüren, die zu dem schweren Krankheitsbild beitragen. Sie zeigen mit ihren Arbeiten, die jetzt in der hochrangigen Fachzeitschrift "Journal of Clinical Investigation" erschienen sind, erstmalig den Zusammenhang zwischen bestimmten Punktmutationen und den im Rahmen des HUS auftretenden Funktionsstörungen auf. "Unsere Ergebnisse haben unmittelbar Eingang gefunden in neue Diagnostikverfahren und neue Therapiemethoden", betont der Leiter der Abteilung Infektionsbiologie am HKI die Bedeutung seiner Untersuchungen.


Schon seit längerem ist bekannt, dass Faktor H, ein Eiweiß des menschlichen Immunsystems aus dem Blutplasma, eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung der familiären Form des HUS spielt. Das Protein hat im gesunden Organismus die Aufgabe, körpereigenes Gewebe vor dem Angriff durch das eigene Immunsystem zu schützen und trägt zum Beispiel dazu bei, dass im Rahmen einer Entzündung nicht zu viele Zellen des Körpers geschädigt werden.

Menschen, die aufgrund einer genetischen Störung gar keinen Faktor H im Blut haben, leiden häufig an Nierenversagen, weil das Gewebe dort im Gegensatz zu den meisten anderen Körperzellen, über keinen anderen Schutz als den durch Faktor H verfügt.

Patienten mit der familiären Form des HUS haben zwar Faktor H im Blut, doch häufig nicht in ausreichender Menge oder in nicht funktionsfähiger Form. Zipfel und Manuelian konnten nun in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Freiburg, Bergamo und Helsinki nachweisen, dass der Verlust der Funktionsfähigkeit auf drei einzelne Mutationen zurückzuführen ist. "Es ist im Gebäude des Faktor H-Proteins an diesen Stellen jeweils nur ein einzelner Baustein ausgetauscht", erläutert Prof. Zipfel, "aber dieser scheinbar nur geringfügige Fehler führt dazu, dass Faktor H für die Zellen lebenswichtige Aufgaben nicht mehr voll erfüllen kann - das empfindliche Gleichgewicht zwischen der notwendigen Immunabwehr und dem Schutz körpereigenen Gewebes gerät in der Niere aus den Fugen und der Mensch wird krank."

Diese Erkenntnisse haben schon unmittelbar dazu geführt, dass neue Verfahren für die Diagnose entwickelt wurden, und die Patienten sinnvoller behandelt werden können. So hat man bisher Betroffenen eine neue Niere eingesetzt, um das geschädigte Organ zu ersetzen. Dies brachte aber nur kurzfristige Erfolge, weil damit die Ursache der Nierenschädigung nicht behoben werden konnte. In jüngster Zeit ist man aufgrund der neuen Erkenntnisse dazu übergegangen, zusätzlich Lebergewebe zu transplantieren. Denn in diesem Organ wird Faktor H produziert und der Patient hat so die Chance, mit dem neuen Organ auf Dauer auch funktionsfähigen Faktor H zu erhalten.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Peter Zipfel
Abteilung Infektionsbiologie
Tel.: 03641/ 65 69 00, Fax: 03641/ 65 69 02
E-Mail: zipfel@pmail.hki-jena.de

Die Originalpublikation erscheint am 15.4.2003 im Journal of Clinical Investigation:
Tamara Manuelian, Jens Hellwage, Seppo Meri, Jessica Caprioli, Marina Noris, Stefan Heinen,, Mihaly Jozsi, Hartmut P. H. Neumann, Giuseppe Remuzzi and Peter F. Zipfel:
"Mutations in factor H reduce binding affinity to C3b and heparin and surface attachment to endothelial cells in hemolytic uremic syndrome."
Journal of Clinical Investigation, April 2003, Volume 111, Nummer 8.

Weitere Informationen:


Susanne Liedtke, Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI)
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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