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Deutsche Röntgengesellschaft e.V., 21.11.05

Gleichstromstimulation des Gehirns bei Schlaganfallpatienten - Klein-Vogelbach-Preis 2005 verliehen

Der diesjährige Klein-Vogelbach-Preis - benannt nach der Begründerin der Funktionellen Bewegungslehre Susanne Klein-Vogelbach - geht an den Tübinger Neurowissenschaftler Dr. Friedhelm Hummel für seine Arbeit zur Wirkung von Gleichstromstimulation des Gehirns bei Schlaganfallpatienten. Das Team um Dr. Hummel konnte nachweisen, dass mit Hilfe der Stimulation eine kurzzeitige Verbessserung der motorischen Leistung bei Schlaganfallpatienten erzielt werden konnte. Die Studie wurde in der hochangesehenen Fachzeitschrift BRAIN publiziert. Sie überzeugte die Jury aus der großen Zahl der eingereichten Arbeiten vor allem durch ihre möglichen klinischen Implikationen.

Jedes Jahr erleiden in Deutschland bis zu 400 000 Menschen einen Schlaganfall. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für Behinderungen. Diese führen bei 2/3 der Patienten zum Verlust der Selbstständigkeit oder mindestens zu dramatischen Einschnitten im Berufs- und sozialen Leben. Der Bedarf an der Entwicklung von innovativen Strategien in der Neurorehabilitation ist gross. Wie kann es gelingen, Patienten nach Schlaganfall wieder den Eintritt in ein normales Berufs- und Privatleben zu ermöglichen? Idealerweise sollte eine solche therapeutische Strategie

sicher, nebenwirkungsarm, im klinischen oder ambulanten Bereich leicht anwendbar und nicht zu kostenintensiv sein.

Eine Methode, um Gehirnfunktionen in einer solchen Weise zu beeinflussen, ist die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS). Bei dieser Methode wird über 2 Elektroden, die auf die Kopfhaut aufgeklebt werden, für wenige Minuten ein schwacher Gleichstrom (1 mA, ähnlich der Stärke einer 9V-Batterie) appliziert. Ein Wissenschaftler-Team um Dr. Friedhelm Hummel (Neurologie, Tübingen, D; National Institutes of Health,USA) hat erstmals untersucht, ob Hirnstimulation mit tDCS zu einer Verbesserung motorischer Funktionen der gelähmten Hand bei Schlaganfallpatienten führt (publiziert BRAIN 03/2005). Patienten mussten verschiedene Tests, die Aktivitäten des täglichen Lebens ähnlich waren, wie z.B. das Benutzen eines Löffels, so schnell und akkurat wie möglich mit ihrer gelähmten Hand ausführen. Dann wurde in 2 verschiedenen Untersuchungssitzungen entweder die geschädigte motorische Hirnrinde, also der Bereich, der für die Steuerung der Hand zuständig ist, mit Gleichstrom (für 20 min) stimuliert oder eine "Schein-Stimulation" (Placebo-Stimulation) verabreicht.

Die Stimulation der motorischen Hirnrinde mit tDCS führte bei jedem Patienten dazu, dass sie/er die Aufgaben schneller ausführen konnte. Dieser Effekt einer motorischen Leistungsverbesserung hielt noch für mehr als 30 Minuten nach Ende der Stimulation an. "Diese Ergebnisse, allein betrachtet, helfen den Patienten natürlich noch nicht sehr viel, aber Gleichstromstimulation in Kombination mit Training oder Krankengymnastik über einen längeren Zeitraum (z.B. 2 Wochen oder mehr) könnte letztlich die Erholung nach Schlaganfall entscheidend verbessern", so Dr. Hummel.

Der "Susanne Klein-Vogelbach-Preis zur Erforschung der menschlichen Bewegung" wird jährlich verliehen. Er zeichnet wissenschaftliche Arbeiten aus, die sich in den Neurowissenschaften, in der Orthopädie oder in der Anatomie in hervorragender Weise den Grundlagen der menschlichen Bewegung im weitesten Sinne und ihrer Rehabilitation nach traumatischen Schädigungen bzw. neurologischen Erkrankungen widmen. Der Preis ist mit einem Geldbetrag von 10.000 Schweizer Franken ausgestattet.

Adresse des Autors:
Friedhelm Hummel, MD
Zentrum für Neurologie, Neurologische Klinik
Hertie-Institut für klinische Hirnforschung
Eberhard-Karls University Tuebingen,
Hoppe-Seyler-Str.3
72076 Tuebingen, Germany
Tel.: 49 - 7071 - 298 6525

Weitere Informationen:


Bernhard Lewerich, Deutsche Röntgengesellschaft e.V.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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