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Universitätsklinikum Heidelberg, 16.07.03

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Universitätsklinikum Heidelberg, 16.07.03

Gleichklang im Herzen

Im Universitätsklinikum wurde weltweit erstmalig ein Schrittmacher implantiert, der beide Herzkammern synchronisiert und zu Hause überwacht werden kann

CardioMessenger (r): Das mobile Patientengerät kann am Gürtel getragen und/oder nachts neben dem Bett aufbewahrt werden. Das Gerät ist einfach zu bedienen, denn es sendet Informationen, ohne dass der Patient etwas tun muss. / Foto: Biotronik

Gestern, am 15. Juli 2003, wurde an der Medizinischen Universitätsklinik weltweit erstmalig ein neuartiger Herzschrittmachertyp erfolgreich implantiert. Er sorgt dafür, dass beide Kammern des geschwächten Herzens wieder im richtigen, aufeinander abgestimmten Rhythmus schlagen und verbessert dadurch die Pumpfunktion des Herzens. Neu ist vor allem: Seine Funktionstüchtigkeit kann mittels moderner Mobilfunktechnik zu Hause, aber auch an allen anderen Aufenthaltsorten des Patienten überwacht werden ("Home Monitoring Service").


Die Daten werden über ein mit einem Sender ausgestattetes Patientengerät an die Servicezentrale des Herstellers Biotronik übermittelt und bei Bedarf und Anfrage dem Arzt per Fax übermittelt. "Wir werden rechtzeitig informiert, wenn sich die Herzfunktion des Patienten ändert. Wenn etwa die Herzfrequenz im Trend zunimmt und sich möglicherweise eine Dekompensation abzeichnet, können wir den Patienten rechtzeitig einbestellen", erklärte Prof. Dr. Wolfgang Schöls, leitender Oberarzt der Abteilung für Kardiologie, Pulmologie und Angiologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Hugo Katus)

Heidelberger Patient litt seit Jahren an Herzschwäche und Rhythmusstörungen

Der Heidelberger Patient, ein 72jähriger Rentner, hat die Implantation des Schrittmachers, die in der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg durchgeführt wurde, gut überstanden. Er litt seit vielen Jahren an einer Herzschwäche, die seine Leistungsfähigkeit stark einschränkte, sowie einer Störung des Herzrhythmus. "Bei diesem Patienten war eine sogenannte Resynchronisations-Therapie erforderlich," erklärte Prof. Schöls. "Ein Schenkel des Reizleitungssystems, das die elektrischen Impulse zur Kontraktion der Kammermuskulatur übermittelt, ist bei ihm blockiert. Deshalb schlugen die beiden Herzkammern unkoordiniert. Bei der bestehenden Herzmuskelschwäche hatte dies eine weitere Verminderung der Pumpleistung zur Folge."

Der Dreikammerschrittmacher sorgt nun für den Gleichklang im Herzen. Das etwa 29 g schwere und im Durchmesser 5 cm große Gerät wurde unter lokaler Betäubung in eine Hauttasche unter dem linken Schlüsselbein vernäht. Drei Elektroden wurden über die Venen ins Herz gelegt: in den rechten Vorhof und die rechte Herzkammer sowie in eine spezielle Vene, die von der linken Herzkammer kommend in den rechten Vorhof mündet. Die Elektrode im Vorhof stellt sicher, dass die Herzfrequenz nicht unter einen programmierbaren, möglichst günstigen Wert abfallen kann. Die beiden Kammerelektroden sorgen für einen abgestimmten Erregungs- und Pumpablauf - und damit für eine bessere Herzleistung und Sauerstoffversorgung des Körpers.

Amerikanische Studie: Weniger Todesfälle nach Resynchronisierung

"Diese Resynchronisierung des Herzens ist eine recht neue Therapie, die erst seit wenigen Jahren in großen Zentren praktiziert wird", sagte Prof. Schöls. "Sie wird derzeit bei etwa 10 bis 15 Prozent der Patienten mit Herzinsuffizienz eingesetzt. Voraussetzung ist allerdings, dass sie auf eine medikamentöse Therapie nicht ausreichend ansprechen und eine Blockade im Reizleistungssystem der linken Herzkammer haben." Eine große kontrollierte Studie in den USA (Companion Study) hat jüngst vielversprechende erste Ergebnisse geliefert: Die Zahl der Todesfälle sowie die Krankenhauseinweisungen konnte durch die spezifische Schrittmachertherapie gesenkt werden. Die Heidelberger Klinik nimmt derzeit an einer Studie teil, die untersucht, welche Auswirkungen das Home Monitoring, also die engmaschige telemetrische Überwachung des Patienten, auf den individuellen Krankheitsverlauf hat.

Noch mehr Sicherheit für Patient und Arzt verspricht eine Weiterentwicklung des Home Monitorings, die voraussichtlich noch in diesem Jahr eingeführt werden wird. Der Arzt kann dann jederzeit an jedem Ort über einen geschützten Internetzugang auf die Patientendaten zugreifen, diese auswerten und ggf. Therapiemaßnahmen einleiten. Bei besonderen Ereignissen wird er nicht mehr nur per Fax, sondern zusätzlich per E-Mail oder SMS informiert.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Wolfgang Schöls:
Wolfgang_Schoels@med.uni-heidelberg.de (Email),
06221 / 568676 (Sekretariat)

Weitere Informationen:
Biotronik: http://www.biotronik.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/

Weitere Informationen:


Dr. Annette Tuffs, Universitätsklinikum Heidelberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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