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Universitätsklinikum Ulm, 04.07.07

GesundheitsministerInnen der Länder informieren sich über Modellprojekt zur Vorbeugung von Kindesvernachlässigung und Kindesmisshandlung

Das Projekt "Guter Start ins Kinderleben" wird von den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Thüringen gefördert, die Evaluation vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert. Die GesundheitsministerInnen der beteiligten und weiterer Länder sowie Vertreter des Bundesgesundheitsministeriums informierten sich heute über erste Projekt-Ergebnisse.

Die LänderministerInnen bei der Vorstellung des Projekts "Guter Start ins Kinderleben" am Universitätsklinikum Ulm
Foto: Uniklinikum Ulm

"Kinderschutz muss schon mit der Geburt anfangen. Dazu will ich günstige Voraussetzungen schaffen, um den Kreislauf von Überforderung und Vernachlässigung zu unterbrechen", sagte die Kinderbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung und Gesundheitsministerin, Dr. Monika Stolz. Land und Kommunen hätten das Ziel, den Schutz von Kindern auch gemeinsam zu verbessern. "Wir ziehen an einem Strang. Der Schutz und die frühe Förderung von Kindern hat in allen baden-württembergischen Städten und Gemeinden einen hohen Stellenwert."


Das Modellprojekt greift die Tatsache auf, dass im ersten Lebensjahr mehr Kinder in Folge von Vernachlässigung und Misshandlung sterben als in jedem späteren Lebensalter. Seit Jahren sind Risikofaktoren wie psychische Erkrankungen der Eltern oder Mehrfachbelastungen junger Mütter bekannt. Dennoch gelingt es nur unzureichend, die Erkenntnisse von Hebammen, Kinderärzten oder aus der Erwachsenen-Psychiatrie für das Jugendhilfesystem nutzbar zu machen.

Beides soll durch das Projekt 'Guter Start ins Kinderleben' zunächst in ländlichen und städtischen Modellstandorten der vier Länder (Ostalbkreis, Pforzheim; Traunstein, Erlangen; Trier, Ludwigshafen; Kyffhäuser Kreis, Gera) umgesetzt werden. "Eines der Ziele ist, den mit mehreren Risikofaktoren belasteten Eltern frühzeitig gezielt Hilfe anzubieten", erklärt Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie / Psychotherapie, und Leiter des Projektes. "Nur wenn wir überforderte Eltern rechtzeitig erreichen, können wir das Risiko von Vernachlässigung und Misshandlung senken."

"Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen und sie vor Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung zu schützen, ist zuvorderst eine Aufgabe der Eltern", betonte die rheinland-pfälzische Familienministerin Malu Dreyer. "Aber wir haben es hier auch mit einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung zu tun, zu der wir alle unseren Beitrag leisten können und müssen. Das Projekt 'Guter Start ins Kinderleben' ist ein zentraler Baustein zur Förderung der Erziehungs- und Familienkompetenz meines familienpolitischen Programms 'Viva Familia'. Es trägt dazu bei, dass möglichst alle Kinder in unserem Land gesund und geschützt aufwachsen", so die Ministerin.

Der Übergang von dezenten Hinweisen auf Risiken bis zur akuten Gefährdung eines Kindes ist oft abrupt. Die Pilotphase des Projektes zeigte, dass Kommunikation und Zusammenarbeit von Gesundheits-system und Jugendhilfesystem noch besser aufeinander abgestimmt werden müssen. "Angesichts der gravierenden Fälle von Kindesvernachlässigung, angesichts des tragisches Todes mehrerer Kinder sind weitere Initiativen aller Verantwortlichen zum verbesserten Schutz von Kindern unverzichtbar", erklärte Dr. Klaus Zeh, Minister für Soziales, Familie und Gesundheit in Thüringen. "Ein wichtiger Beitrag im Rahmen unseres Frühwarnsystems ist das Modellprojekt 'Guter Start ins Kinderleben', an dem sich Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Thüringen beteiligen. Unser gemeinsames Ziel ist es, den Schutz von Kinder aus besonders belasteten Familien vor Vernachlässigung und Misshandlung zu verbessern - insbesondere durch die Stärkung der Erziehungskompetenz ihrer Eltern und durch die Einleitung früher Hilfen", so Zeh weiter.

Neben den MinisterInnen und MinisteriumsvertreterInnen der bereits beteiligten Länder nutzten auch die zuständigen MinisterInnen aus Brandenburg, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein, VertreterInnen des Bundesgesundheitsministeriums und weiterer Landesministerien die Möglichkeit, sich über das Projekt, seine Ziele und Möglichkeiten zu informieren.

Das Deutsche Institut für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF) arbeitet für das Projekt 'Guter Start ins Kinderleben' relevante sozial- und datenschutzrechtliche Fragestellungen heraus. Die Pilotphase wurde im April dieses Jahres abgeschlossen, die Hauptphase erstreckt sich bis Dezember 2008, dem schließt sich bis April 2010 die Evaluationsphase an.

Im Anhang finden Sie ein Foto der heutigen Veranstaltung.

Informationen zur Bildunterschrift:
Die LänderministerInnen bei der Vorstellung des Projekts "Guter Start ins Kinderleben" an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie / Psychotherapie in Ulm. (v.l.): Dr. Klaus Zeh (Minister für Soziales, Familie und Gesundheit in Thüringen), Dr. Gerlinde Kuppe (Ministerin für Arbeit, Frauen, Gesundheit und Soziales in Sachsen-Anhalt), Birgit Schnieber-Jastram (Zweite Bürgermeisterin und Senatorin, Präses der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz in Hamburg), Prof. Dr. Jörg M. Fegert (Ärztlicher Direktor Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie / Psychotherapie Ulm), Dr. Monika Stolz (Ministerin für Arbeit und Soziales in Baden-Württemberg), Dr. Gitta Trauernicht (Ministerin für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren in Schleswig Holstein), Prof. Dr. Reinhard Marre (Leitender Ärztlicher Direktor Universitätsklinikum Ulm)

Mit freundlichen Grüßen,

Petra Schultze

Universitätsklinikum Ulm
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Einstein-Allee 29
89081 Ulm

Tel: 0731 - 500 43025
Fax: 0731 - 500 43026
E-Mail: petra.schultze@uniklinik-ulm.de

Weitere Informationen:


Petra Schultze, Universitätsklinikum Ulm
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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