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Universitätsklinikum Heidelberg, 10.03.03

Das geschwächte Herz vom Stress befreien

Internationale Studie zeigt Wirksamkeit der Betablocker bei Herzinsuffizienz / Medizinische Universitätsklinik Heidelberg hat Federführung in Deutschland

Manche Arzneimittel setzen sich in der klinischen Praxis nur langsam durch, obgleich ihre Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen ist. Dies gilt auch für die sogenannten Betablocker. Bei Patienten, die an einer Herzschwäche leiden, sollte auf jeden Fall die Behandlung mit einem derartigen Präparat in Betracht gezogen werden, denn sie profitieren davon - sowohl in einem frühen als auch einem späten Stadium ihrer Erkrankung.

Dies geht aus einer großen Patientenstudie hervor, die an 334 medizinischen Zentren in 21 verschiedenen Ländern durchgeführt worden ist. Federführend in Deutschland ist Prof. Dr. Hugo Katus, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pulmologie an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. Wegweisende Ergebnisse dieser Studie mit dem Namen COPERNICUS wurden kürzlich im "Journal of the American Medical Association" (JAMA) veröffentlicht (Band 289, Nr. 6, S. 712 - 718).


In Deutschland leiden etwa zwei Millionen Menschen an einem schwachen Herzen (Herzinsuffizienz). Dass ihr Herzmuskel mit verminderter Kraft pumpt, ist häufig Folge eines hohen Blutdrucks oder Herzinfarkts. Die Patienten müssen regelmäßig Medikamente einnehmen. Trotz verbesserter Therapie sterben nach wie vor etwa 25 Prozent der Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz innerhalb eines Jahres. Eine Herztransplantation bekommen, wegen des großen Mangels an Spenderorganen, nur etwa 500 Patienten pro Jahr. Fortschritte in der Arzneimittelbehandlung sind deshalb von großer Bedeutung.

Risiken der Betablocker wurden überschätzt / Erholungsphase für das Herz

"Lange Zeit galten Beta-Blocker für Patienten mit einer Herzinsuffizienz als gefährlich, insbesondere wenn die Patienten eine sehr schlechte Pumpleistung haben oder zuckerkrank sind und erhöhte Blutfette haben", erklärt Prof. Katus. Denn Beta-Blocker besetzen Andockstellen (Rezeptoren) auf den Zellen für die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Dadurch entfalten sie ein vielfältiges Spektrum an Wirkungen in Kreislauf und Stoffwechsel, die nicht alle günstig erschienen.

Bei der Herzschwäche überwiegen eindeutig die Vorteile. Denn die Beta-Blocker verhindern, dass Stresshormone das Herz - zur Kompensation seiner geschwächten Pumpkraft - zum Rasen bringen. Früher befürchtete man, dass gerade der verlangsamte Puls die Versorgung des Körpers mit Blut und Sauerstoff zusätzlich gefährdet.

Heute weiß man dagegen, dass die Betablocker dem Herzen eine Erholungspause verschaffen und so den Teufelskreis von Stress und Herzschwächung durchbrechen. Außerdem scheinen Beta-Blocker zu verhindern, dass die Herzmuskelzellen durch Überlastung absterben.

In der COPERNICUS-Studie (Carvedilol Prospective Randomized Cumulative Survival Trial) wurden seit 1997 insgesamt knapp 2.300 Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz behandelt. Die Hälfte von ihnen erhielt die übliche medikamentöse Therapie (u.a. mit sogenannten ACE-Hemmern und Diuretika) und dem Betablocker Carvedilol, die andere Hälfte statt Betablocker ein unwirksames Placebo.

Studie wurde aus ethischen Gründen vorzeitig abgebrochen

"Der Betablocker erwies sich als so wirksam, dass die Studie von der Ethik-Kommission vorzeitig abgebrochen wurde, da man den unbehandelten Patienten das Medikament nicht vorenthalten wollte", berichtet Prof. Katus. Deutlich weniger Patienten in der Carvedilol-Gruppe starben oder mussten ins Krankenhaus aufgenommen werden. Ihr Krankenhausaufenthalt war kürzer, sie benötigten weniger zusätzliche Behandlungen und Medikamente. "Außerdem fühlten sich diese Patienten deutlich besser", sagt Prof. Katus.

"Bemerkenswert an dieser Studie ist, dass auch Patienten mit schwerster Herzinsuffizienz von Carvedilol profitieren," sagt der Heidelberger Herzspezialist. Gerade bei schwerkranken Patienten sei zu befürchten gewesen, dass sich ihr Zustand durch die Beta-Blocker-Therapie verschlechtern könnte. Positive Therapieergebnisse wurden jedoch sogar schon in der Anfangsphase der Behandlung gesehen, wie die Wissenschaftler in JAMA berichten.

Die frühe Phase der Therapie sei immer als kritisch bewertet worden und habe viele Ärzte bewogen, die überaus wirksame Therapie nicht zu beginnen, sagt Katus. Jetzt seien diese Zweifel ausgeräumt: Schon nach acht Wochen konnten Komplikationen am Herzen von 14,4 auf 12,3 Prozent reduziert werden. Am Ende der Studie hatten sie sogar um 35 Prozent abgenommen. Damit sei überzeugend belegt worden, dass Beta-Blocker auch bei sehr schwer kranken Patienten sicher sind und alle Patienten nach einer ersten stabilisierenden Therapie mit diesen Medikamenten behandelt werden sollten.

Literatur:
Krum H., Roecker, E.B., Katus H.A. et al.: Effects of Initiating Carvedilol in Patients With Severe Chronic Heart Failure - Results From the COPERNICUS Study, Journal of the American Medical Association, 12. Februar 2003, Vol. 289, Nr. 6, S. 712 - 718.
Hinweis für Redaktionen und Journalisten: Den Artikel können Sie bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg anfordern unter: contact@med.uni-heidelberg.de


Dr. Annette Tuffs, Universitätsklinikum Heidelberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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