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Universitätsklinikum Heidelberg, 12.11.04

Gemeinsam das gestörte Immunsystem in den Griff bekommen

Am Universitätsklinikum werden Autoimmunerkrankungen fachübergreifend behandelt / "Tag der Klinischen Immunologie" am 13. November präsentiert neue Forschungs- und Therapie-Ergebnisse

Professor Dr. Hanns-Martin Lorenz, Leiter der Sektion Rheumatologie an der Abteilung Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg.
Foto: Medienzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg.

Die Liste der so genannten Autoimmunerkrankungen ist lang: Rheumatische Erkrankungen, Multiple Sklerose, Schuppenflechte und entzündliche Darm- oder Augenerkrankungen sind nur einige Beispiele. Ursache ist ein gestörtes Immunsystem, das sich gegen körpereigene Strukturen richtet. Chronische Entzündungen, die sich häufig auf mehrere Organe ausbreiten, sind die Folge. Am Universitätsklinikum Heidelberg arbeiten deshalb Experten aus verschiedenen Disziplinen eng zusammen, um den betroffenen Patienten eine optimale Diagnose, Therapie und Langzeitbehandlung zu bieten sowie Ergebnisse aus der Grundlagenforschung und aus klinischen Studien schnell zur Anwendung zu bringen.


Antikörper hemmen die Entzündung im Körper

Einen Überblick über die neusten Entwicklungen gibt die Vortragsveranstaltung "Tag der Klinischen Immunologie" am 13. November in der Sektion Rheumatologie (Abteilung V für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie, Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Anthony D. Ho). "Die Klinische Immunologie hat in den letzten Jahren Fortschritte wie kein anderes Fach gemacht", erklärt Professor Dr. Hanns-Martin Lorenz, Leiter der Sektion Rheumatologie. "Besonders die Behandlung mit so genannten monoklonalen Antikörpern, z.B. dem TNF-alfa-Antikörper und dem CD-20-Antikörper, zeigt bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen gute Ergebnisse." Diese Eiweißstoffe binden gezielt an entzündungsfördernde Stoffe im Körper des Patienten und bremsen so den Krankheitsverlauf. "Wir werden bald weitere Antikörper anwenden können, die chronische Entzündungen hemmen und ebenso wenige Nebenwirkungen haben. Dies zeigen viel versprechende klinische Studien."

Interdisziplinäre Sprechstunden verbessern Diagnose und Therapie

So beteiligt sich die Abteilung IV für Gastroenterologie (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Wolfgang Stremmel) im Moment an einer multizentrischen Studie zu TNF-alpha-Antikörpern bei Patienten, die an den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen leiden und keine Besserung durch klassische Therapieformen erreichen. "Bei einigen Patienten mit therapierefraktärem Morbus Crohn schlägt die Behandlung mit TNF-alpha-Antikörpern zumindest für eine gewisse Zeit gut an", erklärte die Leiterin der Studie, Dr. Claudia Veltkamp. "Ziel der Studie ist es herauszufinden, wie die Langzeitbehandlung mit dem Antikörper wirkt und welche Gründe dazu führen, dass die Therapie abgebrochen werden muss." In der Spezialambulanz für chronisch entzündliche Darmerkrankungen bietet die Abteilung außerdem interdisziplinäre Sprechstunden mit Experten aus der Chirurgie an.

Ein fachübergreifende Zusammenarbeit findet auch im Uveitiszentrum am Otto-Meyerhof-Zentrum des Heidelberger Klinikums statt: Augenärzte und Rheumaspezialisten bieten gemeinsam eine Uveitis-Sprechstunde an. Die Uveitis ist eine chronische Augenentzündung, die unbehandelt zur Erblindung führen kann. Bei etwa einem Drittel der Patienten ist sie Bestandteil einer rheumatischen Erkrankung. "Unsere gemeinsame Sprechstunde bietet viele Vorteile", bilanzierte Privatdozent Dr. Matthias Becker, Oberarzt an der Universitätsaugenklinik. "Überflüssige Tests und zusätzliche Arzttermine werden vermieden. Die Therapie kann besser auf die vielfältigen Beschwerden des Krankheitsbildes abgestimmt werden."

Einen Brückenschlag zwischen den Disziplinen unternehmen auch die Herzspezialisten der Abteilung III für Kardiologie (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Hugo A. Katus). "Bei Patienten mit rheumatologischen Erkrankungen ist das Risiko, eine Arteriosklerose zu entwickeln, um das fünf- bis zehnfache erhöht", erklärte Privatdozent Dr. Thomas Dengler, Oberarzt der Abteilung. "Daher werden wir in Zukunft mit den Experten aus der Rheumatologie eine Kooperationssprechstunde "Herz und Rheuma" anbieten."

"Die Klinische Immunologie ist ein Paradebeispiel dafür, dass die einzelnen Gebiete der Inneren Medizin immer stärker zusammenwachsen", fasste der Veranstaltungsleiter Professor Dr. Lorenz zusammen. "Kein Fachgebiet kann sich im Kampf gegen Autoimmunerkrankungen nur auf ein Organ beschränken. Auch die Ergebnisse der Grundlagen- und klinischen Forschung werden in neue interdisziplinäre Therapieformen einfließen. Davon werden Patienten mit unterschiedlichen Krankheitsformen profitieren." Ähnliche Kooperationen sind zwischen Rheumatologen und Nephrologen (Leitung: Prof. Martin Zeier) sowie Dermatologen (Leitung: Prof. Alexander Enk) initiiert.

Ansprechpartner:
Professor Dr. Hanns-Martin Lorenz
Leiter der Sektion Rheumatologie an der Abteilung Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie
der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg
E-Mail: Hannes_Lorenz@med.uni-heidelberg.de

Das Programm finden Sie im Internet als PDF unter:
http://www.med.uni-heidelberg.de/...wnloads/immunologie_131104.pdf

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/

Weitere Informationen:


Dr. Annette Tuffs, Universitätsklinikum Heidelberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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