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Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 09.01.07

Forschungszentrum Magnetresonanz am Start

"Ich muss in die Röhre." Wer das von sich sagt, dem steht in der Regel eine ärztliche Untersuchung in einem Tomographen bevor. Handelt es sich dabei um ein Magnetresonanz-Gerät, dann kann der Arzt damit nicht nur Bilder von inneren Organen des Körpers, sondern auch Aufschluss über deren Funktion oder Stoffwechsel erhalten. Außerdem hat das Verfahren den Vorteil, dass es ohne Röntgenstrahlung auskommt.

Das Forschungszentrum Magnet-Resonanz-Bayern e.V. am Hubland-Campus. Im Hintergrund die Physik.
Foto: Florian Fidler

Prof. Dr. Peter Jakob
Foto: MRB e.V.

In Sachen Magnetresonanz ist in den vergangenen 15 Jahren am Physikalischen Institut der Uni Würzburg ein international beachteter Schwerpunkt entstanden. Treibende Kraft dabei war Professor Axel Haase, der 1989 den Lehrstuhl für Experimentelle Physik V (Biophysik) übernahm. Seit Haase 2003 zum Präsidenten der Universität gewählt wurde, vertritt Professor Peter Jakob den Lehrstuhl.

Aus den Reihen der Physiker heraus entstand Ende 2005 das Forschungszentrum Magnet-Resonanz-Bayern (MRB) e.V., das vom Freistaat mit 5,3 Millionen Euro gefördert wird. Es befindet sich in einem unlängst fertig gestellten Neubau auf dem Hubland-Campus, zwischen Physik und Rechenzentrum. Jakob und Haase sind die Vorsitzenden des Zentrums, in dem bislang acht neue Arbeitsplätze entstanden sind. In den kommenden Jahren soll die Zahl der Mitarbeiter auf über 20 wachsen.


Feierlich eröffnet wird das MRB nun am Donnerstag, 11. Januar, mit einer öffentlichen Veranstaltung. Sie beginnt um 15.00 Uhr im Max-Scheer-Hörsaal im Hörsaalbau der Naturwissenschaften am Hubland. Grußworte sprechen Karl Mannheim, Prodekan der Fakultät für Physik und Astronomie, sowie Unipräsident Haase. Die Festansprache hält der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber.

Peter Jakob stellt dann das neue Forschungszentrum vor. Die Feier endet mit einem Festvortrag von Peter Boesiger, Professor am Institut für Biomedizinische Technik der ETH Zürich. Er spricht über Herausforderungen und Chancen der Hochfeld-Magnetresonanz-Tomographie. Im Anschluss können die Räume des MRB besichtigt werden.

Das neue Forschungszentrum ist als Drehscheibe zwischen Wissenschaft und Wirtschaft konzipiert: Es soll vor allem kleinen und mittleren Unternehmen hoch spezielles Wissen über die Magnetresonanz zugänglich machen. Sein Leistungsspektrum umfasst Prüf- und Gutachtertätigkeiten, Forschung und Entwicklung sowie Technologietransfer.

Unter anderem sollen am MRB neue, besonders schnelle Messverfahren entwickelt werden, die in der klinischen Routine rasche und zuverlässige Diagnosen erlauben. Dabei setzt das Zentrum auch auf die bewährte Kooperation mit der Medizinischen Universitätsklinik I. Deren Herz-Kreislauf-Experten forschen schon seit Jahren gemeinsam mit den Biophysikern.

Ein anderer Arbeitsbereich sind Testmethoden, mit denen die Hersteller von Implantaten frühzeitig erkennen sollen, ob ihre Produkte magnetresonanztauglich sind. Träger von Herzschrittmachern oder künstlichen Gelenken zum Beispiel können wegen der starken Magnetfelder bislang nicht "in der Röhre" untersucht werden. Ein anderes Team des MRB befasst sich mit neuartigen Kontrastmitteln für spezielle Einsatzbereiche.

Die Magnetresonanz-Tomographie und ihre Anwendungen in der Medizin sind den meisten Menschen bekannt. Aber auch Physiker, Chemiker, Biologen und Materialwissenschaftler verwenden Techniken, die auf Magnetresonanz basieren. Sie vermessen damit zum Beispiel die Struktur von Enzymen und Arzneistoffen oder analysieren die Eigenschaften von Werkstoffen. Weil diese Technik in der Forschung so weit verbreitet ist, will das MRB künftig auch Schulungen für Wissenschaftler anbieten.

Weitere Informationen: Forschungszentrum Magnet-Resonanz-Bayern (MRB) e.V., Prof. Dr. Peter Jakob, T (0931) 888-3060, Fax (0931) 888-4680, E-Mail: info@mr-bavaria.de Internet: http://www.mr-bavaria.de

Würzburg: Kompetent für Magnetresonanz

Schon vier Jahre, bevor er den Würzburger Lehrstuhl für Experimentelle Physik V (Biophysik) übernahm, stellte Axel Haase die bis heute gebräuchliche FLASH-Technik vor: Mit ihr ließen sich Magnetresonanz-Bilder erstmals in wenigen Sekunden aufnehmen - zuvor hatte diese Prozedur Stunden gedauert. Jüngster Höhepunkt im Aufbau der Würzburger Magnetresonanz-Forschung: Seit 2001 betreiben die Physiker einen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Labormagneten mit einer Feldstärke von 17,6 Tesla. Mit diesem Gerät habe die Gruppe um Haase "in Pionierarbeit wichtige Hard- und Softwareprobleme gelöst", die bei Magnetresonanz-Anwendungen mit derart hohen Feldstärken auftreten. Zu diesem Urteil kamen erst vor einigen Monaten internationale Gutachter im Auftrag der DFG. Den Experten zufolge nehmen die Würzburger mit den Forschungsaktivitäten, die um das Gerät herum in Gang gekommen sind, eine weltweit führende Stellung ein. Der Biophysik-Lehrstuhl im Internet: http://bio.physik.uni-wuerzburg.de/


Robert Emmerich, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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