Hilfe: Sie befinden sich auf...

Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 25.03.08

Ergänzend zum Artikel

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.
Sie können auf die Schlagworte zum Artikel klicken, um (andere) Artikel zu den jeweiligen Schlagworten anzuzeigen.
Auf der rechten Seite finden Sie ebenfalls Artikelinks und weitere Informationen zu den Schlagworten dieses Artikels.
Sie können auf die im Artikel enthaltenen Bilder klicken, um eine größere Version des Bildes angezeigt zu bekommen.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 25.03.08

Falsch gefaltet: Forscher erklären Polypenbildung im Darm von Kindern

Die Juvenile Polyposis ist eine Erkrankung, bei der sich schon im Kindes- und Jugendalter Polypen im Darm bilden. Diese unkontrollierten Wucherungen können später Darmkrebs auslösen. Wissenschaftler vom Biozentrum der Universität Würzburg haben jetzt nachgewiesen, dass die Krankheit durch mutationsbedingte Strukturveränderungen eines Proteins hervorgerufen werden kann. Ihre Erkenntnisse sind im "Journal of Biological Chemistry" publiziert.

So sieht das Protein BMPR-IA aus, das als Rezeptor eine wichtige Rolle im Organismus spielt. Bei der Krankheit Juvenile Polyposis ist das Protein an drei Stellen mutiert (rot, schwarz und blau markiert).
Bild: Thomas D. Müller

Schon im Jahr 2004 wurden bei Patienten mit Juveniler Polyposis mehrere Mutationen in einem Gen identifiziert, das den Bauplan für das Protein BMPR-IA enthält. Dieses Protein erfüllt in der Darmschleimhaut eine wichtige Funktion: Es sorgt dafür, dass gealterte Zellen auf bestimmte Signale von außen richtig reagieren - indem sie absterben. Dieser Mechanismus ist sinnvoll, denn die Darmschleimhaut erneuert sich ständig. Sie würde ins Uferlose weiterwachsen, wenn sie nicht gleichzeitig ältere Zellen entsorgen würde, und zwar in einem geordneten Prozess, dem programmierten Zelltod.


Bei vielen Patienten mit Juveniler Polyposis allerdings funktioniert das Protein BMPR-IA nicht mehr richtig. "Wir haben gezeigt, dass zwei der bekannten Mutationen die Faltung und damit die biologische Aktivität des Proteins stark beeinträchtigen", erläutert Thomas D. Müller vom Würzburger Julius-von-Sachs-Institut für Biowissenschaften. Die falsch gefalteten Proteine können sich nicht mehr mit ihrem molekularen Partner verbinden, einem Protein namens BMP-2 (Bone Morphogenetic Protein-2). So wird dessen Signal, das den programmierten Zelltod auslösen soll, nicht ins Innere der Zelle übertragen. In der Folge bildet die Darmschleimhaut unkontrolliert Polypen.

Für eine Therapie haben diese Erkenntnisse momentan noch keine Konsequenzen. "Wenn man so ins Erbgut der Patienten eingreifen könnte, dass wieder ein korrekt gefaltetes Protein entsteht oder wenn man dieses direkt in den Körper einschleusen könnte, müsste sich der Defekt korrigieren lassen", meint Müller. "Allerdings ist die Gentherapie immer noch mit großen Risiken verbunden und daher in nächster Zukunft in diesem Fall noch nicht anwendbar."

Müller und seinem Team geht es aber auch nicht darum, einen Therapieweg bei Juveniler Polyposis zu finden. Vielmehr wollen sie ganz allgemein die Struktur von Proteinen und von Protein-Protein-Komplexen aufklären. Im Zusammenhang mit den jetzt veröffentlichten Ergebnissen hatten sich die Würzburger mit BMP-2 beschäftigt. Dieses Protein wurde ursprünglich über seine Eigenschaft entdeckt, das Knochenwachstum in Gang zu bringen. Es übt jedoch noch zahlreiche weitere Funktionen aus, nämlich während der Embryonalentwicklung und, bei Erwachsenen, im Rahmen der Aufrechterhaltung von Gewebe- und Organfunktionen.

Zunächst wollten die Forscher klären, weshalb BMP-2 mit zwei seiner Rezeptoren (BMPR-IA und BMPR-IB) gleichermaßen in Wechselwirkung treten kann, obwohl sich die beiden in rund 50 Prozent ihrer Aminosäuren unterscheiden. Die Strukturuntersuchung brachte Klarheit: Die Wissenschaftler zeigten, dass sowohl die Rezeptoren als auch BMP-2 an ihren Berührungsflächen sehr flexibel sind und sich dadurch mit kleinen Strukturveränderungen aneinander anpassen können. Trotz der deutlichen Unterschiede in der Aminosäure-Zusammensetzung kann BMP-2 so an beide Rezeptoren binden. Der bei Juveniler Polyposis mutierte Rezeptor ist dagegen so sehr beeinträchtigt, dass die Bindung nicht mehr klappt.

Alexander Kotzsch, Joachim Nickel, Axel Seher, Kai Heinecke, Laura van Geersdaele, Thomas Herrmann, Walter Sebald und Thomas D. Müller: "Structure analysis of BMP-2 type I receptor complexes reveals a mechanism of receptor inactivation in juvenile polyposis syndrome", The Journal of Biological Chemistry, Vol. 283, Issue 9, Seiten 5876-5887, 28. Februar 2008

Weitere Informationen: Prof. Dr. Thomas D. Müller, T (0931) 888-6146, mueller@botanik.uni-wuerzburg.de


Robert Emmerich, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
TGN1412 - Neue Erkenntnisse helfen, das Scheitern der klinischen Studie im März 2006 in London besser zu verstehen 
 Neue Erkenntnisse zur Herzinsuffizienz

Klicken Sie auf die Schlagworte um weitere Links oder Infos dazu angezeigt zu bekommen

Wikipedia Logo
Der BMP 2 ist ein amphibischer Schützenpanzer aus sowjetischer Produktion. Die Abkürzung steht für "Bojewaja Maschina Pechoty 2", was soviel wie „Gefechtsfahrzeug der Infanterie - Typ 2“ bedeutet. Wikipedia


 
Weitere Artikel zu "Darm"

Wikipedia Logo
Der Darm (lateinisch intestinum, altgriech.: έντερον, enteron) ist der wichtigste Teil des Verdauungstraktes von höheren vielzelligen Tieren einschließlich des Menschen. Im engeren Sinne erstreckt er sich nur vom Magenpförtner bis zum After. Er ist beim erwachsenen Menschen zirka 8 Meter lang und besitzt wegen der feinen Darmzotten eine Oberfläche von etwa 400 m² (Angaben sind hier sehr vage, da die Darmoberfläche mit der Körpergröße des Menschen variiert; je nach Quelle werden auch bis 500 m² genannt). Die davor liegenden Abschnitte sind die Mundhöhle, die Speiseröhre und der Magen. Wikipedia


 

Wikipedia Logo
Das juvenile Polyposis-Syndrom (JPS), kurz auch als juvenile Polyposis bezeichnet, ist eine autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung, bei der einzelne Polypen (Hamartome) meist im Bereich des Enddarms lokalisiert sind. Wikipedia


 
Weitere Artikel zu "Protein"

Wikipedia Logo
Proteine, umgangssprachlich auch Eiweiße genannt, sind Makromoleküle, die aus Aminosäuren aufgebaut sind. Proteine gehören zu den Grundbausteinen aller Zellen. Sie verleihen der Zelle nicht nur Struktur, sondern sind die molekularen „Maschinen“, die Stoffe transportieren, Ionen pumpen, chemische Reaktionen katalysieren und Signalstoffe erkennen. Wikipedia


 

Archiv

Themen

Schlagworte

Anzeigen