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Philipps-Universität Marburg, 10.03.03

Dokumentensicherung mit biologischen Farbpigmenten

Marburger Physikochemiker können Pässe und Banknoten mit Bakteriorhodopsin - einem biologischen Farbpigment - auch für Laien fälschungssicher machen. Sie zeigen ihre Innovation vom 12. bis 19. März auf der CeBIT 2003 in Hannover

Technisch aufwendig gestaltete Sicherheitsdokumente können heute dank hochwertiger Farbkopierer, Scanner und Drucker leicht reproduziert und damit auch gefälscht werden. Immer neue Schutzverfahren werden eingesetzt - zumindest für Dokumente höchster Sicherheitspriorität wie Pässe und Banknoten. Bei den neuen Euro-Banknoten beispielsweise wurde eine Vielzahl verschiedener Echtheitselemente vereinigt, um Fälschern das Handwerk zu erschweren. Viele dieser Merkmale sind aber für den Laien nicht leicht erkennbar, sie setzen Erfahrung oder technische Hilfsmittel zur Identizifierung voraus.


Marburger Physikochemiker haben Bakteriorhodopsin - ein biologisches Farbpigment - als neuartige Funktionsplattform für Anwendungen im Bereich der Sicherheitstechnik entdeckt. Das evolutionär hoch optimierte photochrome Retinalprotein zeigt einen licht-induzierten kontrastreichen und reversiblen Farbwechsel (= Photochromie) zwischen violett und gelb. Dieser Farbwechsel ist mit dem Auge leicht erkennbar und erfordert zur Sichtbarmachung nur etwas Licht - es genügt beispielsweise Tageslicht oder eine Schreibtischlampe. Durch chemische Modifikationen - Ankopplung nicht photochromer Farbstoffe - ist ein weiter Bereich im Farbraum (Gamut) mit diesen Druckfarben adressierbar.

Die photochromen Eigenschaften des Materials verhindern das farbtreue Scannen oder Kopieren eines damit geschützten Dokuments, da das dafür notwendige Licht noch während des Scan-Vorgangs die Farbe des Materials ändert. Um das Biomaterial auf zu schützende Dokumente aufbringen zu können, wurden bereits Druckfarben für z.B. Sieb- und Tampondruck entwickelt.

Die Funktionalität des Biomaterials ist damit noch nicht ausgeschöpft: Dasselbe Pigment kann auch für die optische Datenspeicherung verwendet werden. Auf einer Kreditkarte lassen sich z.B. mehrere Megabyte Daten problemlos speichern und - für den Nutzer ebenso von Bedeutung - optisch zuverlässig verschlüsseln.

Durch die Kombination des photochromen Farbwechsels und die Möglichkeit zur optischen Datenspeicherung ist eine völlig neuartige Funktionsplattform entstanden, die gegenwärtig als konkurrenzlos zu bezeichnen ist. Während der Farbwechsel vom Nutzer unmittelbar erkennbar ist, können die optisch gespeicherten Datenmengen nur mittels geeigneter Terminals geschrieben bzw. gelesen werden.

Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes am Fachbereich Chemie der Philipps-Universität Marburg wird mit den Industriepartnern AGFA-Gevaert und MIB - Munich Innovative Biomaterials - der Einsatz dieses Biomaterials in Ausweissystemen pilothaft erforscht und die technische Umsetzung vorbereitet. Aktuell laufen erste Feldstudien, um die Praxistauglichkeit des Systems zu verifizieren.

Die Arbeitsgruppe von Professor Norbert Hampp demonstriert die Möglichkeiten der Dokumentensicherung und optischen Datenspeicherung mit Bakteriorhodopsin auf der diesjährigen CeBIT in Hannover, Halle 11, Stand D41 (Gemeinschaftsstand der hessischen Hochschulen).

Kontakt:
Prof. Dr. Norbert Hampp, Marburg, Tel.: 06421 / 2825778
Standtelefon/Messestand Hannover: 0511 / 22-65092 oder 22-65093


Klaus Walter, Philipps-Universität Marburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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