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Universität des Saarlandes, 14.04.05

Diskussionsrunde "Hyperhomocysteinämie - Von der Wissenschaft zur Praxis"

Mit der Bitte um Vorankündigung:

Die interessierte Bevölkerung und die Vertreter der Medien sind herzlich eingeladen zur

Diskussionsrunde "Hyperhomocysteinämie - Von der Wissenschaft zur Praxis"

am Samstag, 16. April 2005, von 13.00 bis 15.00 Uhr,
in der Congress-Halle Saarbrücken.

Die Diskussion wird von Prof. Dr. Wolfgang Herrmann (Direktor der Klinischen Chemie u. Laboratoriumsmedizin des Universitätsklinikums des Saarlandes) moderiert.

Unter den international ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet der Hyperhomocysteinämie wird auch ein praktizierender Arzt (Dr. med. Michael Schmidt, Gynäkologe und Endokrinologe aus Saarbrücken) vertreten sein, der seine praktischen Erfahrungen bzgl. Diagnostik und Therapie erläutert und für Fragen zur Verfügung steht.

Homocystein wird in Fachkreisen auch als das "neue Cholesterin" bezeichnet. Ist der Homocystein-Wert im Blut erhöht, steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Thrombosen, Schlaganfall, für atherosklerotische Gefäß- und neurodegenerative Erkrankungen, wie kognitive Störungen, Depressionen oder Alzheimer Demenz, aber auch für Komplikationen in der Schwangerschaft. Hyperhomocysteinämie kann darüber hinaus mit einem erhöhten Tumorrisiko assoziiert sein.

Beim Homocystein handelt es sich um eine schwefelhaltige, nicht in der Nahrung vorkommende Aminosäure. Sie entsteht als Zwischenprodukt des Zellstoffwechsels beim Abbau von Methionin zu Cystein. Ist der Methionin-Stoffwechsel aufgrund eines Enzym- und/oder Vitaminmangels (Folsäure, Vitamin B12, B6) gestört, reichert sich Homocystein verstärkt im Blutplasma an und auch im Urin ist eine erhöhte Ausscheidung des Oxidationsproduktes Homocystin feststellbar: Die Folge nennt man Hyperhomocysteinämie.

Die Homocysteinkonzentration nimmt generell mit dem Alter zu und Männer haben im jüngeren Alter normalerweise höhere Werte als Frauen. Besonders ältere Menschen weisen aufgrund eines häufigen Vitaminmangels eine Tendenz zur Hyperhomocysteinämie auf, die jedoch durch eine entsprechende Vitamingabe leicht zu therapieren ist.

Erhöhte Konzentrationen von Homocystein werden bei 5 bis 10 Prozent der Allgemeinbevölkerung und bei bis zu 40 Prozent der Patienten mit Gefäßerkrankungen gemessen. Eine Konzentration von bis zu 10 µmol/l (mikro-Mol pro Liter) gilt als unbedenklich, bis zu 12 µmol/l sind bei ansonsten gesunden Menschen noch tolerierbar. Steigt der Wert aber über 12 µmol/l, sollte eine Therapie erfolgen.

Bei seltenen schweren Defekten von Enzymfunktionen, die genetisch bedingt sind, entwickeln Betroffene unbehandelt bereits im jugendlichen Alter neben anderen Symptomen schwere atherosklerotische Gefäßveränderungen, geistige Retardierung und Knochendeformationen. Häufig erleiden diese Patienten schon vor dem 25. Lebensjahr einen Herzinfarkt und ihre Lebenserwartung liegt bei unter 50 Jahren.

Neben einem Mangel an Folat, Vitamin B12 und B6 oder einem Enzymmangel kann auch eine Niereninsuffizienz Ursache für erhöhte Homocystein-Werte sein. Weiterhin beeinflussen zahlreiche Wirkstoffe, Medikamente, Erkrankungen (u.a. Diabetes) und Lebensstilfaktoren (Vegetarier, Schwangerschaft, Alkoholmissbrauch, Rauchen) den Homocystein-Stoffwechsel.

Zur Vorbeugung eines Folatmangels wird empfohlen, fünf Portionen frisches Obst und Gemüse am Tag zu sich zu nehmen. Diese Empfehlung ist allerdings nur schwer zu praktizieren und ist letztlich auch nicht erfolgreich, da aufgrund des modernen Umgangs mit den "Grünprodukten" wie auch mit der Essenzubereitung ein großer Teil des Folats verloren geht, so dass bei unserer Bevölkerung ein Folatmangel besteht, der über die Einnahme von Vitamin-Ergänzungen auszugleichen ist. In den USA werden beispielsweise Getreideprodukte mit Folsäure künstlich angereichert, um dadurch den Folatmangel auszugleichen und damit bei Frauen das Risiko für Schwangerschaften mit Neuralrohrdefekten zu reduzieren. Der genügenden Aufnahme von Vitamin B-12 ist ebenfalls Beachtung zu schenken, beispielsweise entwickeln ältere Menschen oder Vegetarier leicht einen Vitamin B-12 Mangel. Tierische Nahrungsmittel (Fleisch, Eier, Milchprodukte) oder Fisch sind gute Vitamin B12-Quellen. Vitamin B6 kommt besonders in Fleisch, Milch, Getreide, Kartoffeln, Obst und Gemüse vor.

Programmpunkte:

13.00 - 13.10 Uhr Einführung zu Hyperhomocysteinämie und Risikofaktoren
(O. Stanger)
13.10 - 13.20 Uhr Hyperhomocysteinämie bei Risikogruppe I (Alter/Demenz, Nierenerkrankung, Thrombose, Vegetarismus)
(W.Herrmann)
13.20 - 13.30 Uhr Hyperhomocysteinämie bei Risikogruppe II (Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall)
(O. Hess)
13.30 - 13.40 Uhr Epidemiologie der Hyperhomocysteinämie
(K. Pietrzik)
13.40 - 13.50 Uhr Interventionsstudien zur Hyperhomocysteinämie
(J. Schneede)
13.50 - 14.00 Uhr Richtlinien der D.A.CH.-Liga Hyperhomocysteinämie e.V. (Behandlung und Prophylaxe)
(J. Geisel)
14.00 - 14.10 Uhr Empfehlungen der D.A.CH.-Liga Hyperhomocysteinämie e.V. zur Präanalytik, Analytik und Stufendiagnostik
(B. Fowler)
14.10 - 14.20 Uhr Homocystein in der Praxis
(M. Schmidt)
14.20 - 14.30 Uhr Diskussion

Für weitere Fragen steht Ihnen gerne zur Verfügung:
Prof. Dr. Wolfgang Herrmann, Tel. (06841) 16 30700, Fax (06841) 16-30703,
E-Mail: prof.wolfgang.herrmann@uniklinikum-saarland.de

Redaktion:
Marion Ruffing
Universitätsklinikum des Saarlandes
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Gebäude 11
66421 Homburg
Tel. (06841) 16-23162
Fax: (06841) 16-22008
marion.ruffing@uniklinikum-saarland.de
http://www.uniklinikum-saarland.de


Saar - Uni - Presseteam, Universität des Saarlandes
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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