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Friedrich-Schiller-Universität Jena, 23.08.99

Diagnostik für Gebärmutterhalskrebs kann entscheidend verbessert werden

Die Vorsorgeuntersuchung für Gebärmutterhalskrebs sollte durch einen gentechnischen Nachweis von humanen Papillomviren ergänzt werden, fordert der Jenaer Molekularbiologe Prof. Dr. Matthias Dürst. Ergebnisse aus dem Forschungsschwerpunkt an der Jenaer Universität stellen Dürst und sein Team am kommenden Mittwoch, dem 25. August, bei einem Workshop in Jena vor.

Jena. (23.08.99) Klein, kompakt und hinterlistig, siedeln viele humane Papillomviren (HPV) dort, wo es ihrem menschlichen Wirt am peinlichsten ist: im Genitalbereich. Rund 20 von über 100 bekannten Typen fühlen sich in den intimsten Körperregionen am wohlsten, einige verursachen harmlose Genitalwarzen, manche - sogenannte high-risk-HPV - sind jedoch an der Entstehung von Krebs beteiligt. Der Nachweis ist inzwischen eindeutig: Prof. Dr. Matthias Dürst von der Universität Jena weiß, dass bei nahezu allen Gebärmutterhalskrebsen eine HPV-Infektion vorausging. Etwa 7.000 Frauen in Deutschland erkranken jährlich neu; weltweit ist das Zervixkarzinom mit 500.000 Fällen im Jahr der zweithäufigste Krebs bei Frauen. Jede 13. deutsche Frau, schätzt Dürst, und eine noch nicht näher definierte Anzahl Männer sind mit high-risk HPVs infiziert und tragen daher eine "Zeitbombe" in sich.


Mit Hochdruck arbeitet Dürsts elfköpfiges Wissenschaftlerteam in einem DFG-geförderten Schwerpunktprojekt daran, eine zuverlässige Diagnostik und HPV-spezifische Behandlungsformen zu entwickeln. Parallel dazu ver-suchen die Jenaer Forscher die genauen Mechanismen der Krebsentstehung aufzuklären. Denn nicht jede Infektion mit high-risk-Papillomviren, führt unweigerlich zur Krebsentstehung. Eng arbeitet Dürsts Team aus Molekularbiologen, Virologen und Biochemikern dabei mit den Ärzten der Jenaer Universitätsfrauenklinik zusammen, um die Laborergebnisse stets an der "klinischen Wirklichkeit" zu überprüfen. Fortgeschrittene Ergebnisse stellen die Forscher auf einer Fachtagung am 25. August in Jena vor.

Erheblich verbessert werden kann in absehbarer Zeit die Vorsorge. Den Abstrich und die kolposkopische Untersuchung beim Frauenarzt möchte Matthias Dürst gern durch einen HPV-Test ergänzt sehen. Gemeinsam mit seinem klinische Kollegen Prof. Dr. Achim Schneider, dem Direktor der Jenaer Klinik für Frauenheilkunde, kommt Dürst zu dem Schluss, dass Frauen, deren Arzt bei der Standarduntersuchung nichts festgestellt hat, die aber einen high-risk-Typ des Virus in sich tragen, unbedingt weiterhin jedes Jahr zu Vorsorge gehen sollten. Hingegen könnten jene mit HPV-negativem Befund den Vorsorge-Zyklus eventuell verlängern. Der einzige Haken: Es gibt noch viel zu wenige Speziallabors in Deutschland, die zuverlässig den HPV-Test mit Hilfe einer gentechnischen Methode durchführen können.

Grund zur Panik gibt es aber selbst dann nicht, wenn der Frauenarzt Krebs-Vorstufen entdeckt. "Im Augenblick ist es das sicherste, die schwergradigen Krebsvorstufen immer zu entfernen", erklärt Prof. Schneider. "Derzeit können wir noch nicht differenzieren, welche dieser schwergradigen Formen zu einem Gebärmutterhalskrebs führen und welche nicht." Genau daran arbeitet Dürsts Gruppe fieberhaft. Dazu muss man verstehen, nach welchen Mechanismen die Krankheit entsteht. Die Forscher wissen, dass das Virus Wirtszellen befällt und zunächst einige Zeit ,schlummert'. Damit sich das Virus vermehren kann, müssen virale Gene einige biochemische Abläufe in der Zelle umprogrammieren; dabei können auch genetische Schäden in der Zelle entstehen.

Diese tragen, je nach Konstellation, zur Krebsentstehung bei. Aus Studien an Zellkulturen vermutet Dürst, dass ein bedeutender Gen-Defekt auf Chromosom 10 lokalisiert ist. "Falls sich das in unseren klinischen Studien bestätigt, haben wir ein noch feineres Diagnose-Instrument in Händen", hofft er. Vielen Frauen würde damit eine Operation erspart bleiben.

Inzwischen entwickeln mehrere Pharmafirmen auch Impfstoffe gegen die gefährlichen Papillomviren. Dieser ist gegen Zellen gerichtet, die sich dem Immunsystem durch Bestandteile von viralen Proteinen an der Zelloberfläche verraten. Klinische Studien für diese Impfstoffe werden an der Jenaer Frau-enklinik durchgeführt. "Allerdings wird es noch lange dauern, bis die Effektivität eines vorbeugenden Krebsimpfstoffes bewiesen werden kann", meint Dürst. Denn man müsste junge Mädchen noch vor dem ersten Sexualkontakt impfen, um zu ermitteln, ob in dieser Gruppe die Krebshäufigkeit nach 20 bis 30 Jahren auch tatsächlich geringer ausfällt.

Weitaus schneller wird ein therapeutischer Effekt des Impfstoffes nachgewiesen werden können, schätzt Dürst. Es ist geplant, Frauen mit fortgeschrittenen Krebsvorstufen zu impfen. Dadurch könnte ein operatives Vorgehen vermieden werden. Außerdem sollen bei Frauen nach einer Gebärmutterhals-Operation HPV-infizierte Restzellen ebenfalls durch Impfen beseitigt werden, um ein Fortschreiten der Krankheit zu verhüten.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Matthias Dürst oder Prof. Dr. Achim Schneider
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Jena
Tel. 03641/933720 oder 933063
Fax: 934272 oder 933064
e-mail: duerst@bach.med.uni-jena.de oder aschneider@bach.med.uni-jena.de

Friedrich-Schiller-Universität
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Wolfgang Hirsch
Fürstengraben 1
07743 Jena
Tel.: 03641/931031
Fax: 03641/931032
e-mail: h7wohi@sokrates.verwaltung.uni-jena.de


Dr. Wolfgang Hirsch, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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