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Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes..., 06.10.04

Deutscher Schmerzkongress 2004: Schneller zu Hause nach der Fast-Track-OP

Drei Tage nach einer größeren Bauch-Operation schon wieder nach Hause - das sog. Fast-Track-Konzept macht es möglich. Umfassende Aufklärung des Patienten, eine vorab geplante, lückenlose Schmerztherapie, schonende Schnitt-Techniken und nach dem Eingriff möglichst wenig Schonung lautet die Devise. "Seit Anfang 2004 führen wir alle Darm-OPs nach diesem Konzept durch", so Prof. Dr. Wolfgang Schwenk (Universitätsklinik für Chirurgie, Charité Berlin) beim Deutschen Schmerzkongress in Leipzig. "Unabhängig von ihrem Alter sind die Patienten nach drei bis fünf Tagen wieder zu Hause - früher blieben sie elf bis 17 Tage. Das allgemeine Komplikationsrisiko sank von 20 bis 30 auf unter zehn Prozent." Auf ganz Deutschland übertragen könnten jährlich bei 5.000 bis 10.000 Patienten Komplikationen vermieden und dadurch 500.000 Pflegetage eingespart werden, schätzt er.

Leipzig, Deutscher Schmerzkongress, 6. bis 10. Oktober 2004

Schneller zu Hause mit Fast-Track-Konzept
Bessere OP-Ergebnisse und eine enorme Kostenreduktion

Drei Tage nach einer größeren Bauch-Operation schon wieder nach Hause - das sog. Fast-Track-Konzept macht es möglich. Umfassende Aufklärung des Patienten, eine vorab geplante, lückenlose Schmerztherapie, schonende Schnitt-Techniken und nach dem Eingriff möglichst wenig Schonung lautet die Devise. "Seit Anfang 2004 führen wir alle Darm-OPs nach diesem Konzept durch", so Prof. Dr. Wolfgang Schwenk (Universitätsklinik für Chirurgie, Charité Berlin) beim Deutschen Schmerzkongress in Leipzig. "Unabhängig von ihrem Alter sind die Patienten nach drei bis fünf Tagen wieder zu Hause - früher blieben sie elf bis 17 Tage. Das allgemeine Komplikationsrisiko sank von 20 bis 30 auf unter zehn Prozent." Auf ganz Deutschland übertragen könnten jährlich bei 5.000 bis 10.000 Patienten Komplikationen vermieden und dadurch 500.000 Pflegetage eingespart werden, schätzt er.


Ausgeklügelter Plan

Der Fast-Track-Plan beginnt schon vor dem eigentlichen Krankenhausaufenthalt mit der Untersuchung möglicher Risikofaktoren und Begleiterkrankungen und der umfassenden Infor-mation der Patienten. "Er sollte möglichst früh auf die Bedeutung seiner aktiven Mitarbeit hingewiesen werden", so Prof. Schwenk. Bis zu zwei Stunden vor der Operation dürfen die Patienten noch trinken. Bei der Narkose setzen die Mediziner auf schonende Medikamente, um Übelkeit und Erbrechen nach dem Aufwachen zu vermeiden und wenden Schnitt-Techniken an, die mit möglichst wenig post-operativen Schmerzen einhergehen. Unverzichtbar ist eine zusätzliche örtliche Betäubung schon während des Eingriffs über einen Periduralkatheter, durch den Betäubungsmittel in die Nähe des Rückenmarks geleitet werden.

Essen noch am selben Tag, aufstehen am nächsten Morgen

Diesen Katheter behalten die Patienten nach dem Eingriff noch zwei Tage. "Diese örtliche Betäubung verhindert während des Eingriffs Stressreaktionen im Körper, die die Heilung ver-zögern können. Nach der Operation lindert sie den Wundschmerz", so Prof. Schwenk. Und das ist nicht nur angenehmer für den Patienten, sondern senkt auch nachweislich die Häufigkeit von Komplikationen. Lungenentzündungen kommen z. B. weit seltener vor, denn wer schmerzfrei ist, kann durchatmen und seine Lungen gut belüften: Keime haben keine Chance. Die Betäubung hilft auch dabei, schnell wieder mobil zu werden: Am Tag nach der OP ist es mit der Bettruhe vorbei, es geht zum Laufen auf den Flur, der Patient kann sitzen. Tagelang aufs Essen zu verzichten, ist ebenfalls Vergangenheit: Schonkost gibt es schon am OP-Tag, am Tag darauf normale Kost. Am zweiten Tag nach der Operation geht es in den Garten und über Treppen, der Katheter kann entfernt werden. Ein bis drei Tage darauf gehen die meisten Patienten nach Hause.

Deutschlandweit 500.000 Pflegetage einsparen

"Bei unseren 153 Fast-Track-Patienten mit einem Durchschnittsalter von 66 Jahren lag das Risiko allgemeiner Komplikationen bei drei bis acht Prozent", so Prof. Schwenk. Würde man das Konzept auf alle Darm-Operationen in ganz Deutschland übertragen, so würde man bei 5.000 bis 10.000 Patienten Komplikationen vermeiden, schätzt der Mediziner. Außerdem könnten so ca. 500.000 stationäre Pflegetage eingespart werden. Darüber hinaus eignet sich das Konzept nach Berliner Erfahrungen auch für Oberbaucheingriffe und könnte auch bei urologischen, gynäkologischen und orthopädischen oder unfall-chirurgischen Operationen eingesetzt werden. "Das würde nicht nur die Ergebnisquälität verbessern, sondern auch enorme Kosteneinsparungen bedeuten", so Prof. Schwenk.

Kontakt

Prof. Dr. med. Wolfgang Schwenk, Klinik für Allgemein-, Visceral-, Gefäß-, und Thoraxchirurgie, Charité Campus Mitte, Schumannstraße 20/21, 10117 Berlin, Tel. 030/450-522011, Fax: 030/450-552905, E-Mail: surgery@charite.de


Meike Drießen, Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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