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Charité-Universitätsmedizin Berlin, 08.07.04

Das Darmhormon PPY ist zur Behandlung von Übergewicht nicht geeignet, weil unwirksam

Im Jahr 2002 erregte das körpereigene Hormon PPY, das im Darm von Tieren und Menschen freigesetzt wird, erhebliche Aufmerksamkeit, da es angeblich den Appetit und das Körpergewicht bei Nagern verringerte.(Nature [2002 ] 418 650-654). Die Substanz wurde in der Folgezeit von verschiedenen Firmen hergestellt. Jetzt sprechen Wissenschaftler aus 15 Forschungseinrichtungen, zu denen auch die Charité gehört, dem Hormon die 2002 behauptete Wirkung als Sättigungsfaktor ab und halten es als potentielles Mittel für eine breite Anwendung zur Behandlung der Fettsucht für ungeeignet.

Die Anstrengungen der Wissenschaft und der Pharmaindustrie, ein wirksames Mittel gegen Übergewicht und Fettsucht (Adipositas) zu finden, sind hoch. Nicht nur, weil die Fettsucht bereits als Volksseuche in weiten Teilen der industrialisierten Welt ein großes Gesundheitsproblem ist mit erheblichen und steigenden finanziellen Belastungen, sondern auch, weil ein wirksames und gut verträgliches Mittel große finanzielle Gewinne für die Produzenten bedeuten würde.

Nach 2002 versuchten andere Wissenschaftler, die ersten aufsehenerregenden Untersuchungen mit dem Darmhormon zu bestätigen. Es gelang nicht. Normalerweise versiegt das Interesse der Wissenschaft in solchen Fällen. Hier indessen kam es zur Kooperation von insgesamt 15 Forschungseinrichtungen aus Pharmaindustrie und Universitäten, wozu auch das "Center für Cardiovascular Research" am "Institut für Pharmakologie und Toxikologie " der Charité gehört. Dessen Mitarbeiterin Dr. Christa Thoene-Reineke konnte am heutigen Donnerstag im renommierten Fachjournal "Nature" zusammen mit den anderen Autoren die Ergebnisse der gemeinsamen Kontrolluntersuchungen publizieren (Nature, 8Th July 2004).
Ratten und Mäuse aus acht unterschiedlichen Stämmen wurden mit dem Darmhormon nach gleichem und erweitertem Schema wie im Jahre 2002 behandelt. In 37 von 39 Tests verringerte sich unter der Behandlung weder der Appetit der Tiere noch ihr Körpergewicht. Außerdem beobachteten die Wissenschaftler, daß die Tiere inaktiver wurden: weniger schnüffelten und sich seltener aufrichteten als unbehandelte, sie zeigten also ein Verhalten, das langfristig zur Einlagerung von Fett führen würde. In zwei Tests mit höherer Hormongabe (per Infusion) kam es zwar zur Verringerung der Nahrungsaufnahme, aber nur vorübergehend und ohne Auswirkungen auf das Körpergewicht. Erweiterte Tests mit hohen Konzentrationen führten sogar zur Erhöhung der Nahrungsaufnahme der Tiere und zur Verzögerung ihrer Darmentleerung. (8.7.04) S.Sch.


Dr. med. Silvia Schattenfroh, Charité-Universitätsmedizin Berlin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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