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Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes..., 26.10.07

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Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes..., 26.10.07

Damit die Rücken-OP ein Erfolg wird: Psychosoziale Faktoren beachten und beeinflussen

Screening-Fragebogen hilft das Misserfolgs-Risiko abschätzen

Viele der ca. 230.000 Rückenoperationen, die jährlich in Deutschland vorgenommen werden, sind gar nicht unbedingt notwendig: Studien haben ergeben, dass konservative Therapien in vielen Fällen genauso gute Ergebnisse erzielen. Die Entscheidung für oder wider den Eingriff will daher sorgfältig getroffen werden, denn misslingt eine Rückenoperation, kann sie eine chronische Schmerzkrankheit auslösen, unter der der Patient noch Jahre später zu leiden hat. Der Erfolg oder Misserfolg einer Rückenoperation hängt von verschiedenen Faktoren ab, von denen einige in den psychosozialen Rahmenbedingungen des Patienten liegen. Neben der Dauer der Schmerzen vor dem Eingriff und der Ausbreitung der Symptomatik können emotionale und Verhaltensfaktoren den Operationserfolg mindern. Dazu gehören Depressivität, problematische Krankheitsüberzeugungen wie so genannte Fear Avoidance Beliefs, d.h. die Überzeugung, dass Belastung und Bewegung den Schmerz verstärken, und eine negative Behandlungserwartung. Schmerzspezialisten um Prof. Dr. Michael Pfingsten (Schmerzambulanz Universität Göttingen) rieten deshalb in Berlin dazu, solche Faktoren standardisiert und regelhaft vor einer Behandlung zu erheben, um die Erfolgsaussicht einer Operation im Vorfeld besser abschätzen und gegebenenfalls davon absehen zu können. Sie rieten zu Screening-Verfahren, die mittels kurzer Fragebögen in der Praxis einfach und kostengünstig durchführbar sind.


Psychosoziale Risikofaktoren in Leitlinien berücksichtigt

"Diese Empfehlungen fanden auch Eingang in die Leitlinie der Arbeitsgemeinschaften der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) 'Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen'", berichtete Dr. Regine Klinger von der Hochschulambulanz für Verhaltenstherapie der Universität Hamburg. Die psychosozialen und funktionalen Risikofaktoren erhöhen das Chronifizierungsrisiko für Schmerzen deutlich. Sie können bereits im Frühstadium des Rückenschmerzes identifiziert und mit Hilfe von Verfahren der Psychologischen Schmerzpsychotherapie auch behandelt werden.

Operation allein reicht nicht Die Verhaltenstherapeutinnen

Dr. Sandra Schramm und Dr. Regine Klinger (Psychotherapeutische Hochschulambulanz der Universität Hamburg) stellten beim Schmerzkongress eine Methode vor, um Patienten nach einer OP dazu zu motivieren, ihre Alltagsaktivitäten bald wiederaufzunehmen und damit das Risiko einer Schmerzchronifizierung zu lindern. Die Methode wurde in der poststationären und rehabilitativen Rückenschmerzbehandlung bereits erprobt und könnte auch im Vorfeld von Bandscheibenoperationen angewendet werden: In einer psychologischen Kurzintervention arbeiten die Therapeuten mit dem Patienten dessen Ziele heraus, etwa größere Beweglichkeit. Auch Faktoren, die ihn an der Erreichung dieser Ziele hindern, werden analysiert. In der Phantasie spielt der Patient die Szenarien durch, die er nach seiner Operation möglicherweise erlebt. Außerdem erhält er genaue Informationen, wie es ihm nach dem Eingriff gehen könnte, mit welchen Schmerzen er rechnen muss und was sie bedeuten. "Die Patienten sollen nicht unwissend in die Operation gehen, sondern gut vorbereitet sein und zum Beispiel wissen, dass Wundschmerzen normal sind und sie trotzdem wieder beginnen können, sich in ihrem Alltag zu bewegen", erklärte Sandra Schramm. "Ziel ist es, Unsicherheiten und Ängste abzubauen, aber auch die eigene Barrieren zu überwinden." Die Kurzintervention dauert höchstens eine Stunde und hilft, das Verhalten und die Motivation der Patienten zu verbessern. Patienten mit chronischem Rückenschmerz, die daran teilgenommen hatten, brachten nach der Behandlung signifikant bessere körperliche Leistungen etwa beim Heben und schätzten ihre Funktionskapazität besser ein als Patienten ohne Intervention.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Michael Pfingsten, Schmerzambulanz, Zentrum Anaesthesiologie, Rettungs- und Intensivmedizin, Universitätsmedizin Göttingen, Tel. 0551/39-8816, E-Mail: michael.pfingsten@med.uni-goettingen.de

Dr. Sandra Schramm, Dr. Regine Klinger, Universität Hamburg, Fachbereich Psychologie, Psychotherapeutische Hochschulambulanz, Verhaltenstherapie, Tel. 040/42838-5374, E-Mail: sandra.schramm@uni-hamburg.de, rklinger@uni-hamburg.de


Meike Drießen, Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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