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Universitätsklinikum Heidelberg, 07.06.04

Chronisches Sodbrennen: Was bringt die Unterstützung durch den Operations-Computer?

Teilnehmer für Studie der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg gesucht / "Schlüssellochchirurgie" mit assistierendem Computer auf dem Prüfstand

Die Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg sucht Patientinnen und Patienten, die an chronischem Sodbrennen leiden und sich wegen einer Entzündung ihrer Speiseröhre operieren lassen müssen. Auf dem Prüfstand stehen erstmals zwei Varianten eines chirurgischen Standardverfahrens im Vergleich: Die von einem Computer assistierte und die konventionelle Operation mittels "Schlüssellochchirurgie".

Die Studie soll u.a. die Frage klären, welche Methode Patienten eine größere Lebensqualität bringt. Sie wird von der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg in Zusammenarbeit mit dem Klinischen Studienzentrum Chirurgie (KSC) Heidelberg durchgeführt. Von dem zusätzlichen Einsatz des Computers erwarten Chirurgen eine größere Flexibilität, schonendes Vorgehen und höhere Präzision beim Eingriff und damit möglicherweise auch bessere Behandlungsergebnisse.


Chronisches Aufstoßen kann zu Entzündung und selten auch zu Krebs der Speiseröhre führen

Jeder vierte Bundesbürger leidet gelegentlich unter Sodbrennen; etwa zehn Prozent, vor allem Männer über 50 Jahren, haben ständig Probleme mit dem sauren Aufstoßen. Der Schließmuskel ihres Magens ist nicht mehr dicht: Saurer Magensaft gelangt in die Speiseröhre (Ösophagus) und ruft dort eine Entzündung, die sogenannte "Reflux-Ösophagitis", sowie brennende Schmerzen in der Brust hervor.

Sodbrennen ist eine Volkskrankheit mit den bekannten Risikofaktoren: zu viel, zu fettes und zu süßes Essen, übermäßiger Alkoholkonsum, Rauchen, kein Sport und Übergewicht. Eine genetische Veranlagung kommt manchmal hinzu. Ständiges Sodbrennen beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich; in der chronisch entzündeten Schleimhaut der Speiseröhre kann sich zudem ein bösartiger Tumor entwickeln. Eine Reflux-Ösophagitis sollte deshalb frühzeitig, zuerst medikamentös, behandelt werden. Bleibt diese Therapie allerdings erfolglos und liegen beim Patienten keine Gegebenheiten vor, die eine Operation generell ausschließen, kann und muss der Reflux operativ behandelt werden.

Die Heidelberger Studie vergleicht zwei Varianten eines operativen Verfahrens, das seit vielen Jahren als chirurgische Standardtherapie eingesetzt wird. Die Studienteilnehmer unterziehen sich entweder einer konventionell laparoskopisch ("Schlüssellochchirurgie") durchgeführten oder computer-assistierten "Anti-Reflux-Operation". Dabei wird eine aus der Vorderwand des Magenfundus gebildete Falte locker um das Ende der Speiseröhre geschlungen und an der Vorderwand vernäht. Somit entsteht eine Manschette, welche die defekte Druckbarriere des Magens wieder herstellt und ein Zurücklaufen von Magenflüssigkeit in die Speiseröhre verhindert.

Die Operation wird in beiden Fällen mittels "Schlüsselloch-Chirurgie" vorgenommen, also ohne großen Bauchschnitt. "Wir möchten nicht nur die Effektivität und perioperative Unterschiede, wie Operationsdauer, intraoperativer Blutverlust und Krankenhausverweildauer, beider Operationsverfahren aufzeigen, sondern auch untersuchen, wie sich beide Verfahren auf die Lebensqualität des seit Jahren von Reflux geplagten Patienten auswirken", sagt Oberarzt Privatdozent Dr. Carsten N. Gutt, der die Studie betreut.

Bessere Ergebnisse und mehr Lebensqualität durch Computer-Assistenz?

Seit einigen Jahren wird in Deutschland der Telemanipulator "DaVinci" in verschiedenen Bereichen der Chirurgie eingesetzt, seit über einem Jahr auch an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. "Der Roboter bietet einige Vorteile gegenüber der konventionellen minimal-invasiven Technik" erklärt Prof. Dr. Markus W. Büchler, Geschäftsführender Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. "Die Instrumente des Roboters lassen sich frei bewegen und drehen und sind damit der unflexibleren konventionellen minimal-invasiven Methode der Schlüssellochchirurgie überlegen."

Bei der Computer-assistierten Operation steht der Chirurg nicht mehr am OP-Tisch, sondern sitzt an einer Steuerkonsole und blickt in ein spezielles Sichtvisier, das ihm einen dreidimensionalen Blick in das Operationsfeld im Bauchraum bietet. Gleichzeitig führen seine Hände Steuerinstrumente, welche die Bewegungen des Operateurs auf die instrumentierten Arme des Roboters übertragen. Diese sind, zusammen mit der Kamera, in den Bauchraum des Patienten eingeführt und vollführen dort die chirurgischen Feinarbeiten.

"Mit dem Telemanipulator können wir außerordentlich präzise und schonend arbeiten und haben einen optimalen Einblick in das Operationsfeld", erläutert Privatdozent Dr. Carsten N. Gutt, der auch die Einführung des Telemanipulators "DaVinci" an der Chirurgischen Universitätsklinik betreute. Allerdings bestehen noch keine wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse, ob sich diese Vorteile des computer-assistierten Operierens auch für den Patienten positiv auswirken. Dies soll in dieser Studie untersucht werden.

Ein erfahrenes Team aus wissenschaftlich ausgebildeten und mit der Handhabung des Computers vertrauten Chirurgen, Wissenschaftlern, Studienkrankenschwestern und Dokumentaren bietet Gewähr dafür, dass die Studie internationalen Maßstäben und Qualitätsansprüchen entspricht. Um internationalen Wissenschaftsstandards zu genügen werden die Patienten nicht erfahren mit welcher Methode sie operiert wurden. Die Studienqualität wurde von den Prüfärzten der Ethikkommission begutachtet.

Gesucht werden Patienten, die älter als 18 Jahre sind, länger als sechs Monate an einer "Reflux-Ösophagitis" leiden und sich bereits einer medikamentösen Langzeitbehandlung mit "Protonenpumpenhemmern", welche die Säurebildung im Magen hemmen, unterzogen haben.

Interessierte Patienten und Ärzte wenden sich bitte an:
Klinisches Studienzentrum Chirurgie (KSC)
Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 110
69120 Heidelberg

Tel: 06221- 56- 6983 / 6986
Fax: 06221- 56 -6982
E-Mail: Carsten_Gutt@med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/

Weitere Informationen:


Dr. Annette Tuffs, Universitätsklinikum Heidelberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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