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Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im..., 08.09.06

Cholinesterasehemmer: IQWiG nimmt Stellungnahmen zu Vorbericht entgegen

Wirkstoffe können Abbau kognitiver Fähigkeiten bei Alzheimer Demenz leicht verzögern

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat am 8. September seinen Vorbericht "Cholinesterasehemmer bei Alzheimer Demenz" veröffentlicht. Damit beginnt eine Frist von vier Wochen, in der interessierte Personen und Institutionen schriftliche Stellungnahmen abgeben können. Unklare Aspekte der eingereichten Stellungnahmen werden dann in einer mündlichen Erörterung diskutiert. Anschließend wird der Bericht überarbeitet und schließlich als Abschlussbericht an den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) weitergeleitet. Der G-BA nutzt die Empfehlungen des IQWiG als Grundlage für seine Entscheidungen.


Der Vorbericht ist der erste Teil eines umfassenden Auftrags des G-BA an das IQWiG, medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapiemöglichkeiten für Menschen mit Demenz zu bewerten. Die Wissenschaftler kommen darin zu dem Ergebnis, dass die drei in Deutschland zugelassenen Wirkstoffe Donepezil, Galantamin und Rivastigmin bei Patienten mit leichter oder mittelschwerer Alzheimer Demenz den Abbau der kognitiven Fähigkeiten leicht verzögern können. Auf einer die Denk- und Merkfähigkeit abbildenden Skala von 1 bis 70 (ADAS-cog) erreichten Patienten, die mindestens vier Monate ein solches Präparat einnahmen, im Durchschnitt einen um drei Punkte besseren Wert als Patienten, die ein Scheinmedikament erhielten. Vier Punkte oder mehr erreichten absolut rund 15% mehr Patienten unter Cholinesterasehemmern als unter Placebo. Zudem gibt es Hinweise, dass die Präparate die Geschwindigkeit verlangsamen, mit der Alzheimer-Patienten die Fähigkeiten verlieren, um die Aktivitäten des täglichen Lebens bewältigen zu können. Nicht belegt ist jedoch ein Nutzen hinsichtlich der krankheitsbezogenen Lebensqualität und der Vermeidung von Aufenthalten in Pflegeheimen. Alle drei Präparate haben überdies in Abhängigkeit von der verabreichten Dosis zum Teil erhebliche Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen. Generell lassen die aktuell verfügbaren und vom IQWiG ausgewerteten Studien nur Aussagen über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten zu.

Cholinesterasehemmer als Mittel bei Alzheimer Demenz werden derzeit national wie international sehr kontrovers diskutiert. Es liegt bereits eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Bewertungen vor, die allerdings zum Teil methodisch sehr unterschiedlich angelegt sind. Vor allem in Großbritannien wird derzeit heftig die Expertise des National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) diskutiert: Eine erste Bewertung im Jahr 2001 war für diese Antidementiva positiv ausgefallen. Bei einer erneuten Prüfung kam NICE jedoch im März 2005 zu einem negativen Befund, demzufolge Cholinesterasehemmer künftig nicht mehr auf Kosten des nationalen Gesundheitsdienstes NHS verschrieben werden sollten. In einer im Mai 2006 publizierten überarbeiteten Fassung wird zumindest der begrenzte Einsatz bei Patienten in einem mittelschweren Stadium der Erkrankung befürwortet.

Der IQWiG-Vorbericht steht nur auf den ersten Blick im Widerspruch zur Bewertung durch das NICE. Das NICE kommt zu seiner Empfehlung, nachdem es Nutzen und Kosten gegeneinander abgewogen hat. Demnach sind die Präparate nicht oder nur eingeschränkt zu empfehlen, weil ihre Wirksamkeit in keinem angemessenem Verhältnis zu ihren Kosten stehe. Das IQWiG bewertet dagegen ausschließlich den patientenrelevanten Nutzen.

Cholinesterasehemmer sind Medikamente, die den Abbau des Nervenbotenstoffs Acetylcholin behindern und so dazu beitragen, dass im Gehirn größere Mengen des Botenstoffs zur Informationsverarbeitung zur Verfügung stehen. Ein weiterer Teilauftrag des IQWiG zum Thema Demenz befasst sich mit dem Wirkstoff Memantin . Auf den Prüfstand kommen auch gingkohaltige Präparate . Zudem bewertet das IQWiG auch nichtmedikamentöse Therapien.

Weitere Informationen:


Dr. Anna-Sabine Ernst, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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