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Charité-Universitätsmedizin Berlin, 10.03.03

Cholesterinsenkendes Medikament zur Therapie der Multiplen Sklerose?

Die Behandlung der Multiplen Sklerose (MS), der häufigsten entzündlichen neurologischen Erkrankung junger Erwachsener, ist weithin unbefriedigend. Ein großer Teil dieser Erkrankungen verläuft in Schüben als Folge der entzündlichen Herde in Gehirn und Rückenmark. Die Anzahl der Schübe kann durch sogenannte immunmodulatorische Medikamente (Interferone u.a.) bei einem Teil der Patienten verringert bis aufgehoben werden. Jetzt sehen Charité-Forscher in Atorvastatin, einer Substanz aus der Reihe der Statine, ein potentiell wirksames Mittel zur Behandlung von Patienten mit schubförmig verlaufender Multipler Sklerose.


Statine sind Medikamente, die verbreitet bei Herzkreislauferkrankungen eingesetzt werden. Zunächst nahm man an, daß die günstige Wirkung bei diesen Leiden auf der Senkung überhöhter Cholesterinwerte im Blut beruhe. In den letzten Jahren hat sich indessen gezeigt, daß ihre Wirksamkeit hauptsächlich auf ihre entzündungshemmenden Eigenschaften zurückzuführen ist. Und genau diese Qualität läßt sie geeignet erscheinen für die Therapie von Patienten mit MS.

Die MS gilt als Auto-Immunkrankheit: Dabei richten sich körpereigene Abwehrzellen, sog. auto-reaktive T-Zellen, gegen körpereigene Nervenstrukturen und bilden entzündliche Herde im Zentralnervensystem.
Orhan Aktas aus der Arbeitsgruppe um Frau Professor Frauke Zipp vom "Institut für Neuroimmunologie" der Charité hat jetzt nachweisen können, daß die auto-reaktiven T-Zellen sich in Wachstum und Vermehrung durch "Atorvastatin" eindämmen lassen. Im Tier setzen die T-Zellen unter der Behandlung mit dem Statin gleichzeitig weniger entzündungsfördernde und mehr entzündungshemmende Botenstoffe (Zytokine) frei. Dadurch fallen die Entzündungen in Gehirn und Rückenmark geringer aus und die Krankheitssymptome sind leichter.
Bei Mäusen, die an einer der MS vergleichbaren Krankheit litten (der chronisch experimentellen Autoimmunenzephalitis), reduzierte Atorvastatin die Bildung der spezifischen T-Zellen in Abhängigkeit von der Dosierung des Mittels. Entsprechend abgemildert wurde die Heftigkeit der Entzündung. Unter einer Dauertherapie mit Atorvastatin konnten - gegenüber unbehandelten Tieren - die Krankheitsschübe deutlich verringert werden und die Tiere so vor zunehmender Behinderung auf Grund neurologische Ausfälle geschützt werden.

Darüberhinaus konnte die Arbeitsgruppe der Charité zeigen, daß auch menschliche Zellen durch Atorvastatin in ihrem Wachstum behindert werden. Außerdem gelang es, den Mechanismus zu klären, wie das Statin in das T-Zellwachstum eingreift.
Hier biete sich die Möglichkeit zur Prophylaxe, folgert die Arbeitsgruppe und hält Studien mit Statinen zur Behandlung der schubförmig verlaufenden Form der MS für sinnvoll. Erleichtert werde dies dadurch, dass die Wirksubstanz als Tablette zur Verfügung stehe und ihre Verträglichkeit aus ihrem Einsatz bei Herzkreislaufkrankheiten und Fettstoffwechselstörungen gut bekannt sei.
Die Arbeit ist am 10.3.03 im renommierten "Journal of Experimental Medicine" vorab online publiziert worden. (10 3. 2003) Silvia Schattenfroh


Dr. med. Silvia Schattenfroh, Charité-Universitätsmedizin Berlin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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