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Biologische Bundesanstalt für Land- und..., 16.01.06

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Biologische Bundesanstalt für Land- und..., 16.01.06

Ein Chamäleon unter den Spinnen

Die Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) ist Europäische Spinne des Jahres 2006

Weibchen der Veränderlichen Krabbenspinne saugt ihre Beute, eine Biene, aus
Foto: Heiko Bellmann

Weibchen der Veränderlichen Krabbenspinne gut getarnt auf gelber Blüte
Foto: Heiko Bellmann

(Berlin)Spinnenexperten aus 27 europäischen Staaten haben erstmals zusammen eine Spinnenart zur "Spinne des Jahres" gekürt, um verstärkt die überaus spannenden Seiten dieser nützlichen Tiere aufzuzeigen. 71 Jurymitglieder entschieden sich für ein in zweifacher Hinsicht karnevaleskes Tier, die Veränderliche Krabbenspinne, Misumena vatia. Ihre beiden Vorderbeinpaare sind kräftig und sehr lang, wodurch sie eher einer Krabbe ähnelt als einer Spinne. Außerdem können die Weibchen ihre Körperfarbe aktiv wechseln und weiß, gelb oder grünlich gefärbt sein, eine perfekte Möglichkeit zur Tarnung.


Die nunmehr siebte Jahresspinne verkündete Dr. Martin Kreuels von der Arachnologischen Gesellschaft (AraGes e.V.) während der Internationalen Grünen Woche in Berlin. In der Halle des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz wusste der Spinnenexperte über die Eigenarten der hübschen Spinne zu berichten, die für ihre Feinde allerdings meist eine tödliche Überraschung darstellt.

Die Veränderliche Krabbenspinne kommt überall in Europa vor und ist schon lange wegen ihrer auffälligen Färbung bekannt. Mehr als 20 verschiedene wissenschaftliche Namen gab man ihr, bis mit modernen Methoden geklärt wurde, dass es sich immer nur um eine Art handelt, die jetzt den wissenschaftlichen Namen Misumena vatia (Clerck 1757) trägt.

Die bis zu 11 Millimeter großen Weibchen der Veränderlichen Krabbenspinne halten sich gerne auf Blüten auf, wo sie auf anfliegende Insekten lauern. Vor allem auf gelben und weißen Blüten sind sie hervorragend getarnt und - wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge - für Feinde und potenzielle Opfer "unsichtbar". Tanzfliegen, Hummeln, Bienen, selbst Hornissen und große Schmetterlinge sind ihr als Opfer nicht zu groß. Mit den kleinen hinteren Beinpaaren hält sie sich fest. Mit den beiden kräftigen, langen vorderen Beinpaaren packt sie ihre Beute blitzschnell, injiziert ihr Gift und saugt sie aus. Um selber nicht etwa von einer Hummel gestochen zu werden, hält sie ihre Beute weit vom Körper entfernt. Oft verbringt ein Tier die meiste Zeit seines Lebens auf einer einzigen Pflanze.

Wie bei Spinnen häufig, sind die Krabbenspinnen-Männchen wesentlich kleiner als die Weibchen (nur 3 - 5 mm). Im Gegensatz zu ihnen können sie ihre Farbe auch nicht ändern. Dass es sich um Vertreter derselben Art handelt, ist daher für den Laien kaum ersichtlich. Die Paarung mit den Weibchen findet im Frühsommer statt. Sie ist für das Männchen eher lebensgefährlich als eine Lust, denn es kann dabei selbst zur Beute werden. Die Paarungswilligen nähern sich daher den Weibchen nur vorsichtig und langsam von hinten und verweilen einige Zeit auf ihrem Hinterleib. Um seine Spermien abzugeben, muss sich der Spinnenmann allerdings auf die Bauchseite des Weibchens begeben, wo sich die Geschlechtsöffnung befindet. Die Eier werden in Kokons versteckt abgelegt und von den Weibchen fürsorglich bewacht. Die geschlüpften jungen Spinnen überwintern in der Streu am Boden.

Die Veränderliche Krabbenspinne mag es warm und sonnig. Wiesen, Moore und Felder, aber auch Gärten, Sonnen beschienene Waldränder und Wege sind ihr Zuhause. In Norddeutschland kommt sie seltener vor als im Süden. Als "Spinne des Jahres 2006" soll sie auch dazu beitragen, ihre Verbreitung genauer zu bestimmen. Die Arachnologische Gesellschaft ist sehr an Funden mit Bildnachweis interessiert und bittet um Mithilfe, damit die bisherigen Verbreitungskarten aktualisiert und vervollständigt werden können. (Kontakt über http://www.arages.de oder Dr. Martin Kreuels Tel.: 02533/933545)

Bilder der Spinne in druckgerechter Auflösung (Klick auf 300 dpi) sind auf den Internetseiten der BBA abrufbar unter:

http://www.bba.de/mitteil/presse/060116.htm

Weitere Informationen:


Dr. Gerlinde Nachtigall, Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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