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Akademie für Technikfolgenabschätzung in..., 12.08.03

Bürger haben Spaß und die Kommunen sparen dabei

Mit neuen Sanitärtechnologien soll Baden in Flüssen wieder möglich werden

Sommer satt! Kein Springbrunnen, Schwimmbad oder Baggersee, der nicht von erhitzten Plantschern belagert würde. Angesichts der momentan mediterranen Verhältnisse in Germanien stellt sich die Frage, warum man eigentlich nicht in unseren Flüssen baden soll. Nicht etwa giftige Einleitungen der Industrie sind daran schuld, sondern der hohe Gehalt an potenziellen Krankheitserregern. "Der im wörtlichen Sinn anrüchige Cocktail aus Bakterien, Viren und tierischen Einzellern stammt aus den Kanalisationen unserer Kommunen", präzisiert Dr. Helmut Lehn, Wasserexperte an der Stuttgarter Akademie für Technikfolgenabschätzung (TA-Akademie). "Unsere bisherige klassische Klärtechnik ist nicht auf die Zurückhaltung dieser Organismen ausgelegt. Deshalb sind Fäkalkeime im Ablauf von Kläranlagen ganz normal." Lehn hat in einem Projekt an der TA-Akademie Ideen entwickelt, wie diesem unguten Zustand abgeholfen werden kann und erklärt auch, warum dies nötig ist:

Während langer Trockenperioden bestehen unsere Flüsse zu einem höheren Anteil aus geklärtem Abwasser als in feuchteren Jahreszeiten. Auch die gelegentlich herabprasselnden Sommergewitter verbessern die Situation nicht - im Gegenteil: Da bei heftigen Gewittern die Kläranlagen schnell an die Grenzen ihrer Aufnahmekapazität gelangen, muss ein Teil der unappetitlichen Mischung aus Ab- und Regenwasser aus den Kanalisationen direkt - also unter Umgehung der Kläranlagen - in die Flüsse abgelassen werden. Nach solchen Ereignissen kann sich der Gehalt an Fäkalkeimen in den Flüssen kurzzeitig um das 10-fache und mehr erhöhen.

"Wir könnten von der Industrie lernen, die schon lange ihre verschiedenen Abwasserarten einer getrennten Behandlung unterzieht", erklärt Lehn. Regenwasser von den Dächern gehört nicht ins Kanalsystem, die vergleichsweise gering belasteten Abwässer aus Waschmaschine, Dusche und Bad kön-nen mit einfachen Methoden gereinigt werden. Die Toilettenabwässer können in Biogasanlagen behandelt werden, und dabei entsteht noch zusätzliche Energie. Anstatt der Trennung vor Ort ist es auch möglich, die Abwässer aus Küche, Bad und Toilette gemeinsam aus den Häusern abzuführen und an-schließend mittels Membranfiltration zu trennen und verschiedenen Verwertungsmöglichkeiten zuzuführen. "Es existieren bereits eine Reihe von alterna-tiven Entwicklungen zur klassischen Abwassertechnik" berichtet Lehn. "Angesichts der Klimaveränderung muss man in Zukunft häufiger mit Extremen beim Wetter rechnen. Deshalb ist es jetzt wichtig, alternative und zukunftsfä-hige Technologien zur Abwasserbehandlung in Pilotprojekten weiterzuentwickeln und zu perfektionieren", fordert der Fachmann. Neben der Rückgewinnung von Energie aus dem Abwasser könnten die Flüsse auch von Fäkalkeimen frei gehalten werden. Dies eröffnet mancher Gemeinde die Chance, Kosten zu sparen. Ein Bad im Fluss würde dann zu einer attraktiven Alternative für das Freibad. So könnte nach dem Lachs auch der Mensch ohne Risiko wieder in den Rhein zurückkehren.

Ansprechpartner:
Dr. Helmut Lehn Tel. 0711/9063-132
E-Mail: helmut.lehn@ta-akademie.de

oder Pressestelle: Dr. Birgit Spaeth Tel: 0711/9063/226
E-Mail: birgit.spaeth@ta-akademie.de


Dr. Birgit Spaeth, Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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