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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 21.06.01

Bonner Mediziner mit neuer Therapie bei schwersten Depressionen

Deutschlandweit erstmalig behandelt die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurochirurgie der Universität Bonn Depressionen mit der Vagusnerv-Stimulation. Die Methode hat bereits in ersten klinischen Studien ihre Wirksamkeit bewiesen. Die Bonner Mediziner sind optimistisch, damit auch Depressiven helfen zu können, bei denen die herkömmlichen Therapien nicht anschlagen.

Schrittmacher für die Seele: der taschenuhrgroße Vagusnerv-Stimulator. Bilder zu dieser Pressemitteilung finden Sie unter http://www.verwaltung.uni-bonn.de/presse/Bildgalerie/vns/vns.htm

Innere Leere, Freudlosigkeit, Selbstmordgedanken - wer an einer schweren Depression leidet, verzweifelt mitunter am Leben. Jeder fünfte Deutsche macht mindestens einmal im Laufe seines Lebens eine solche psychische Erkrankung durch. In den meisten Fällen kann durch Psychotherapie oder Medikamente eine völlige Genesung erreicht werden. Bei bis zu 20 % der Betroffenen jedoch bestehen die Beschwerden monate- oder jahrelang fort. Deutschlandweit erstmalig behandelt die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurochirurgie der Universität Bonn Depressionen mit der Vagusnerv-Stimulation. Die Methode hat bereits in ersten klinischen Studien ihre Wirksamkeit bewiesen. Die Bonner Mediziner sind optimistisch, damit auch Depressiven helfen zu können, bei denen die herkömmlichen Therapien nicht anschlagen.


Der Vagusnerv ist einer der 12 Hirnnerven und bildet gemeinsam mit dem Sympathicus das sogenannte "vegetative" Nervensytem, das unter anderem auch Blutdruck und Herzfrequenz steuert. Der Nerv hat am Hals einen Durchmesser von ca. 2-3 mm. Bei der neuen Behandlungsform wird der Vagusnerv in regelmäßigen Abständen über feine Elektroden immer wieder elektrisch gereizt. Dazu implantieren die Bonner Mediziner dem Patienten im Brustbereich einen etwa taschenuhrgroßen Schrittmacher unter die Haut, von dem eine feine Leitung zum Vagusnerv im Halsbereich führt. Die Impulse werden über den Nerv ins Gehirn geleitet und beeinflussen dort die Aktivität von Hirnarealen, die an der Entstehung von Depressionen beteiligt sind. Die Methode gilt als risikoarm und gut verträglich. Gelegentlich während der Stimulationspulse auftretende Nebenwirkungen wie Heiserkeit, Kribbeln in Rachen oder Hals oder eine leichte Veränderung der Stimmhöhe sind nur mild ausgeprägt und insgesamt so geringfügig, dass die Behandlung bisher immer problemlos fortgeführt werden konnte.

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Die Vagusnervstimulation (VNS) ist bereits eine anerkannte Behandlungsmethode bei manchen Formen der Epilepsie, die auch am Nervenzentrum der Universität Bonn seit mehreren Jahren erfolgreich zum Einsatz kommt. Als Nebenbefund beobachteten verschiedene Gruppen von Wissenschaftlern schon bei den ersten Anwendungen einen positiven Effekt auf die Stimmung depressiver Epilepsie-Patienten. Man vermutete daher, dass VNS grundsätzlich antidepressiv wirkt und auch bei depressiven Störungen, die nicht im Rahmen einer Epilepsie auftreten, erfolgreich angewendet werden kann. Erste amerikanische Studien haben diese Vermutung bestätigt. So normalisierte sich bei der VNS-Behandlung die Durchblutung bestimmter Hirnareale, die bei Depressiven in der Regel verändert ist. Ebenso werden durch VNS, ähnlich wie durch herkömmliche Antidepressiva, Botenstoffsysteme des Gehirns, die bei der Entstehung und Aufrechterhaltung einer Depression eine Rolle spielen, beeinflusst. Da sich der Wirkmechanismus von demjenigen bisher bekannter antidepressiver Therapie-Verfahren grundsätzlich unterscheidet, verspricht diese Technik insbesondere Heilungschancen für diejenigen depressiven Patienten, die auf die konventionellen Behandlungsmethoden nicht oder nur unzureichend ansprechen. In Deutschland wird die VNS bislang ausschließlich an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Bonn (Direktor Prof. Dr. Wolfgang Maier) in Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurochirurgie (Direktor Prof. Dr. Johannes Schramm) durchgeführt.

Weitere Informationen: Dr. Astrid Zobel, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Tel: 0228/287-5717, E-Mail: Astrid.Zobel@ukb.uni-bonn.de

Weitere Informationen:


Frank Luerweg, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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