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Universitätsklinikum Heidelberg, 21.03.02

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Universitätsklinikum Heidelberg, 21.03.02

Biozement richtet gebrochene Wirbel wieder auf

Schmerzen und Bettlägerigkeit bleiben Patienten mit Knochenschwund erspart


Patienten mit gebrochenen Wirbelkörpern kann durch ein Verfahren am Universitätsklinikum Heidelberg geholfen werden: Um den Wirbel wieder aufzurichten, wird mit Hilfe einer Kanüle ein spezieller Bio-Zement eingespritzt. Das schonende Verfahren befreit rasch von Schmerzen und erspart den meist älteren Patienten die Bettlägerigkeit und schwere Komplikationen.

In der Bundesrepublik leiden etwa 6 Millionen Menschen an Knochenschwund (Osteoporose); betroffen sind vor allem Frauen über 50 Jahre. Nicht zuletzt die nachlassende Produktion der Geschlechtshormone bewirkt, dass der Knochen stetig an Substanz verliert. Eine der häufigsten Komplikationen ist der Einbruch von Wirbeln, der außerordentlich schmerzhaft sein kann. Als Therapie kam bis vor einigen Jahren nur die stabilisierende Operation mit anschließender Bettruhe in Frage.


Die minimal invasive Methode der Kyphoplastie (Wirbelaufrichtung) wurde in den USA entwickelt und wird an einigen Zentren in Deutschland, u.a. am Universitätsklinikum Heidelberg, angewendet. Dort ist nun ein weiterer Fortschritt erzielt worden. Zur Stabilisierung des gebrochenen Wirbelkörpers wird ein neuer Bio-Zement verwendet, der entscheidende Vorteile hat: Er wird bei normaler Körpertemperatur fest, so dass die verbliebenen gesunden Knochenzellen nicht zerstört, sondern sogar zum Wachstum angeregt werden. "Bislang wurde dafür der Kunststoff Methylmetacrylat verwendet. Beim Anhärten wird er bis zu 80 Grad Celsius heiß und schädigt dadurch lebendes Knochengewebe", sagt Privatdozent Hans-Christian Kasperk, Oberarzt an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. In Heidelberg konnten seit 2001 insgesamt 18 Patienten mit der neuen Methode erfolgreich behandelt werden; wobei die Ergebnisse mit diesem neuen Verfahren im Rahmen einer Studie am Universitätsklinikum nun auch im Verlauf systematisch untersucht werden.

Die interdisziplinäre Vorbereitung des Eingriffs in Heidelberg ist ebenfalls neu: Gemeinsam beraten Internist (Dr. Dr. Hans-Christian Kasperk), Radiologe (Prof. Dr. Gerd Nöldge) und Unfallchirurgen (Prof. Dr. Peter-Jürgen Meeder und Dr. Joachim Hillmeier), wie bei jedem Patienten individuell vorgegangen wird. Auch die Nachbetreuung erfolgt im Team. Der Eingriff unter Röntgenkontrolle dauert nur 30 bis 40 Minuten: Der Patient liegt in Vollnarkose auf dem Bauch. Durch zwei kleine Stiche rechts und links des betroffenen Wirbels wird eine Kanüle vorgeschoben. Dadurch wird ein Ballon eingeführt, der mit einer Flüssigkeit aufgeblasen wird und den Wirbel zunächst aufrichtet. Der Ballon wird wieder entfernt; dann wird der stabilisierende Bio-Zement eingespritzt. Auch Patienten, die an Wirbelbrüchen durch Knochenmetastasen leiden, können unter bestimmten Voraussetzungen mit der Kyphoplastie behandelt werden.


Dr. Annette Tuffs, Universitätsklinikum Heidelberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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