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Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, 08.08.03

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Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, 08.08.03

Ein Baukasten für die zelluläre Krebsimmuntherapie

Forscher des InnoNet-Projekts präsentieren einen mit Nährmedium gefüllten Beutel. Im Bild (v.l.): Dr. Holger Hänßle (Hautklinik Göttingen), Dr. Ute Pägelow (GBF ), Dr. Kurt Dittmar (GBF), Dr. Henk Garritsen (Städt. Klinikum Braunschweig) (Foto: GBF)

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme einer humanen dendritischen Zelle (Foto: GBF)

Dem Patienten Immunzellen entnehmen, diese verändern, vermehren und ihren Rücktransfer vorbereiten: All diese Schritte sollen Mediziner künftig in sterilen Kunststoffbeuteln vornehmen können. Definierte Behälter-Typen wie Kultivierungsbeutel und Medienbeutel sowie spezielle Verfahren zur sterilen Probenentnahme und Zugabe von Nährstoffen werden dabei zu einem Modul-System kombiniert. Die einzelnen Komponenten sollen austauschbar und modifizierbar sein, so dass sich das ganze System auf verschiedene Krankheiten und auf individuelle Patienten-Profile anpassen lässt.


Erprobt wird das Modell zunächst am Beispiel des schwarzen Hautkrebses. So genannte dendritische Zellen, die im menschlichen Abwehrsystem eine wichtige Rolle bei der Erkennung körperfremder Bestandteile spielen, werden dem Patienten entnommen und modifiziert. Nach dem Rücktransfer in den Patienten sollen sie die Immunabwehr gegen Krebszellen aktivieren und die Tumorzellen im Körper beseitigen. Die Vorteile der Immuntherapie: Sie wirkt im ganzen Körper, belastet den Patienten wenig und die Klinikaufenthalte sind kurz.

Anwendungsfähiges Verfahren

Mit dem Programm InnoNet sollen kleine und mittelständische Unternehmen und Forschungseinrichtungen für eine stärkere Zusammenarbeit gewonnen werden, um Forschungsergebnisse schneller praktisch umzusetzen. Das Projekt zur Zellimmuntherapie bündelt die Interessen der beteiligten Unternehmen und der Forschungseinrichtungen, um gemeinsam ein anwendungsfähiges Verfahren für eine zelluläre Immuntherapie zu entwickeln.

"Inzwischen gibt es eine Reihe von klinischen Studien zur Krebsimmuntherapie", sagt Projektleiter Dr. Hansjörg Hauser von der GBF. "Aber es gelingt selten, das medizinische, wissenschaftliche und technische Know-how zusammenzubringen. Nur so lässt sich aber diese in der Erprobungsphase aufwändige Therapie konsequent, wirtschaftlich und mit den erforderlichen Qualitätsstandards entwickeln." Ein entscheidender Engpass sei auch die Herstellung der Impfstoffe gemäß arzneimittelrechtlicher Regeln unter den Bedingungen der Guten Herstellungspraxis (GMP oder Good Manufacturing Practice).

Mit Immunzellen Krebs bekämpfen

Krebs ist in Deutschland die zweithäufigste Todesursache, nur die Hälfte aller Krebspatienten wird mit den zur Verfügung stehenden Therapien geheilt. "Obwohl die Krebsforschung in den letzten 20 Jahren zu wesentlichen Erkenntnissen über die Entstehung und Entwicklung bösartiger Tumore geführt hat, macht die Krebstherapie nur langsame Fortschritte", erklärt Prof. Dr. med. Bernhard Wörmann, Chefarzt für Hämatologie und Onkologie am Städtischen Klinikum Braunschweig. Standard bei der Behandlung fester Tumore seien Operationen und Bestrahlungen, bei metastasierenden Krebserkrankungen und solchen des blutbildenden Systems die Chemotherapie. Wörmann ist sich mit Kooperationspartnerin Prof. Dr. med. Christine Neumann, Chefärztin der Hautklinik der Universität Göttingen, einig, dass neue Therapien benötigt werden, um Krebserkrankungen wirksam und gleichzeitig wirtschaftlich zu bekämpfen. Ein solcher Ansatz ist die Krebsimmuntherapie.

Die Zellimmuntherapie setzt auf das körpereigene Abwehrsystem, das grundsätzlich die Fähigkeit besitzt, bösartige Tumorzellen zu erkennen und zu beseitigen. Jede Krebszelle ist durch bestimmte Strukturen - die Tumorantigene - charakterisiert. Hat jedoch erst einmal eine Krebserkrankung im Körper gestreut, ist das Immunsystem meist nicht mehr in der Lage, die Tumorzellen vollständig zu entfernen und benötigt Unterstützung. Bei der Zellimmuntherapie wird das körpereigene Abwehrsystem gezielt gegen die vorhandenen Krebszellen stimuliert.

Zentraler Ansatz der Behandlung ist die gezielte Aktivierung des Immunsystems durch die so genannten dendritischen Zellen. Diese Zellen zeigen den Abwehrzellen im Körper, was "gut" und was "böse" ist. Mit Hilfe abgeschwächter und nicht mehr vermehrungsfähiger Viren werden die Tumorantigene im Reagenzglas in patienteneigene dendritische Zellen übertragen. Anschließend werden diese veränderten Zellen dem Patienten zurückgegeben, wo sie eine wirksame Stimulation der Abwehrzellen (tumorspezifische T-Zellen) auslösen, die den Tumor bekämpfen. Zurzeit konzentriert sich die experimentelle Therapie auf den schwarzen Hautkrebs.

Die beteiligten Partner

- Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (Molekulare Biotechnologie, GMP-Technikum)
- Städtisches Klinikum Braunschweig (Hämatologie/Onkologie, Transfusionsmedizin)
- Universität Ulm (Institut für medizinische Mikrobiologie)
- Universität Göttingen (Klinikum, Dermatologie und Venerologie)
- Miltenyi Biotec GmbH, 51429 Bergisch-Gladbach
- GlycoThera GmbH, Braunschweig
- VaDeCo Biotech GmbH und CoKG, Ulm-Lehr
- IBA Biologics GmbH, Braunschweig

Hinweis für die Medien

Bildmaterial zum Thema - elektronenmikroskopische Aufnahmen und ein Foto des Teams - kann unter http://www.gbf.de/presseinformationen/ heruntergeladen werden.

Weitere Informationen:


Dipl.-Biol./Journalist Manfred B, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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