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Universität Ulm, 22.03.00

Bänder-Chirurgie

Chirurgie der Sprunggelenk-Bänder
Bestnoten für Watson-Jones-Operationsverfahren

Ligamentum fibulo talare anterior, Ligamentum fibulocalcaneare? Nie gehört? - Sie stehen drauf. Es handelt sich um die Bänder des Sprunggelenks. Wird ein solches Band beschädigt oder durchtrennt, so verliert das Sprunggelenk drastisch an Stabilität. Die unfallchirurgische Gegenmaßnahme wird als Tenodese bezeichnet. Sie besteht in einer operativen Fixierung der gerissenen Sehne am Knochen. Zur Wahl stehen drei verschiedene Verfahren: die Evans-, die Watson-Jones- und die Chrisman-Snook-Tenodese, mit jeweils unterschiedlichem Verlauf des dabei eingesetzten (aus der Peroneus-brevis-Sehne gewonnenen) Transplantats.


Und mit unterschiedlichen Auswirkungen auf die Beweglichkeit des Sprunggelenks, sagt PD Dr. Dieter Rosenbaum, seit 1. April 1997 Leiter des Funktionsbereichs Bewegungsanalytik der Orthopädischen Klinik der Universität Münster, zuvor Mitarbeiter der Abteilung Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik der Universität Ulm. In einer Studie, die kurz nach ihrer Veröffentlichung mit dem Scientific Award der Association for Orthopaedic Research (AFOR, Dotation 10.000 Schweizer Franken) ausgezeichnet wurde, hatten er und sein damaliger Kollege PD Dr. Hans-Joachim Wilke gemeinsam mit Abteilungsleiter Prof. Dr. Lutz Claes und Koautor PD Dr. Horst-Peter Becker vom Ulmer Bundeswehrkrankenhaus erstmals systematisch untersucht, inwieweit experimentell erzeugte Bandverletzungen und Tenodesen die Bewegungscharakteristik des Sprunggelenkskomplexes beeinflussen. Sie bedienten sich dabei eines Goniometer-Meßsystems - eines Meßaufbaus, mittels dessen über die Bestimmung von sechs Winkeln eine dreidimensionale Bewegung im Raum vollständig beschrieben werden kann. Insgesamt sieben Unterschenkelpräparate wurden in einen computergesteuerten Bewegungssimulator eingespannt, der reine Bewegungsmomente in den drei Raumdimensionen erzeugte. Gemessen wurde das Bewegungsspiel im oberen und unteren Sprunggelenk, und zwar am intakten Gelenk, nach Durchtrennung des Ligamentum fibulo talare anterior (LFTA) und des Ligamentum fibulocalcaneare (LFC) sowie nach Evans-, Watson-Jones- und Chrisman-Snook-Tenodese. Die Messungen brachten an den Tag, daß die beim Evans-Verfahren durchgeführte Tenodese in erheblichen Bewegungseinschränkungen resultiert. Wesentlich günstiger schnitt die Chrisman-Snook-, am besten die Watson-Jones-Variante ab.

Die Präsentation dieser Erkenntnisse unter dem Titel »Die dreidimensionale Bewegungscharakterisitk des Talocrural- und Subtalargelenkes nach Rupturen und Rekonstruktionen des lateralen Bandapparates - biomechanische Untersuchungen an humanen Unterschenkelpräparaten« hat weltweit unter den Spezialisten, die bis dahin in der Bewertung der verschiedenen Operationsverfahren uneins gewesen waren, Aufsehen erregt und führte mittlerweile dazu, daß im Ulmer Bundeswehrkrankenhaus einheitlich auf die Watson-Jones-Technik umgestellt wurde.


Peter Pietschmann, Universität Ulm
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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