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Universitätsklinikum Tübingen, 09.06.99

Aufmerksamkeitsmechanismen: Wichtiges von Unwichtigem trennen

Am 10.6.99 in Nature: "Feature-based attention influences motion processing gain in macaque visual cortex"

Die Zeitschrift Nature verlangt die Einhaltung einer Sperrfrist bis 9. Juni, 19.00 Uhr. Wir bitten auch im Namen der Autoren um Beachtung! Vielen Dank.

Am 10. Juni wird in der renommierten Wissenschaftszeitschrift "Nature" ein Beitrag des Tübinger Wissenschaftlers Dr. Stefan Treue und seines Mitarbeiters Julio Martinez von der Neurologischen Universitätsklinik Tübingen, Sektion für Visuelle Sensomotorik, zum Thema "Feature-based attention in-fluences motion processing gain in macaque visual cortex" erscheinen.


Bei diesem vom Land Baden-Württemberg und der DFG geförderten Forschungsprojekt aus der neurobiologischen Grundlagenforschung ging es darum, zu verstehen, wie das visuelle System seine Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte konzentriert. Aufmerksamkeit erlaubt es, aus dem Informationsfluß, den die Augen liefern, wichtige Informationen zu selektieren und bevorzugt zu verarbeiten. So sind wir z.B. in der Lage eine bestimmte Person in einer Menschenmenge schneller zu finden, wenn wir wissen, daß die gesuchte Person einen roten Hut trägt und wir daher unsere Aufmerksamkeit auf rote Objekte in unserem Gesichtsfeld konzentrieren können.

Die Autoren haben festgestellt, wie eine solche Selektion von Eigenschaften im Gehirn durchgeführt wird. Dr. Treue: "Gehirnzellen, die eine bestimmte Eigenschaft signalisieren, werden dann besonders aktiv, wenn diese Eigenschaft gerade besonders wichtig ist, also beispielsweise Zellen für rote Objekte, wenn man nach einer Person mit einem roten Hut sucht." Die Zellen verhalten sich dabei so, als ob die selektierten Objekte heller und sichtbarer geworden wären. Aufmerksamkeit wirkt also wie ein Scheinwerfer in der Dämmerung, der uns hilft, das was uns interessiert vom Rest besser abzuheben.

Das Verständnis solcher Hirnprozesse ist die Grundlage, um langfristig Patienten mit Aufmerksamkeitsstörungen und anderen neurologischen Erkrankungen besser helfen zu können. Aber auch in der Industrie gibt es viele Verfahren und Prozesse, bei denen es nötig ist, wichtige von unwichtiger Information zu trennen. Hier liefert die Erforschung von Aufmerksamkeitsmechanismen, wie sie die Evolution in Jahrmillionen entwickelt hat, wichtige Anregungen.

Die beiden Autoren sind Mitglieder einer von der DFG geförderten Tübinger Forschergruppe aus Biologen, Psychologen und Medizinern, die die Verarbeitung räumlicher Informationen erforscht. Ziel dieser Forschergruppe ist ein besseres Verständnis der zugrunde liegenden neurobiologischen Prozesse, aber auch neurologische und technische Entwicklungen.

Ansprechpartner für nähere Informationen:
Universitätsklinikum Tübingen
Neurologische Universitätsklinik, Sektion für Visuelle Sensomotorik
Dr. Stefan Treue
Tel. 0 70 71 / 29-8 76 02, Fax 0 70 71 / 29-57 24
e-mail: treue@uni-tuebingen.de


Dr. Ellen Katz, Universitätsklinikum Tübingen
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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