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Universität Ulm, 15.06.99

Apotheker auf Station

Beratender Apotheker auf Station
Innovationspreis für eine Ulmer Studie

Der Einsatz eines beratenden Apothekers auf Station, der ständig vor Ort - also nicht nur auf Anfrage von Ärzten und Pflegepersonal - helfen soll, die pharmakotherapeutische Behandlung zu optimieren, ist in Großbritannien, den Niederlanden und anderen europäischen Ländern, vor allem aber in den USA gängige Praxis, hierzulande dagegen noch ein Novum. Um zu ermitteln, was der Pharmazeut auf Station tatsächlich zur Qualitätssicherung der Pharmakotherapie beitragen kann, haben die Ulmer Kinikumsapotheker Dr. Frank Dörje, Dr. Peter Orosz und Dr. Christa Gonnermann (Ltd. Pharmaziedirektorin), extern betreut durch das Institut für Medizinische Informationsverarbeitung der Universität Tübingen (Prof. Dr. Hans-Konrad Selbmann, Gunnar Blumenstock, M.A.), von Dezember 1995 bis August 1996 in der Ulmer Universitätsklinik eine Studie durchgeführt, in der sie fallspezifische Beratungstätigkeiten (Mikrointerventionen) und allgemeine Therapieempfehlungen (Makrointerventionen) eines während dieser Zeit auf der allgemeinchirurgischen und der internistischen Intensivstation eingesetzten Pharmazeuten erfaßten. Dabei differenzierten sie nach Arzneimittelgruppen, pharmazeutischen Interventionskategorien, resultierenden Therapieempfehlungen und deren Akzeptanz, sowie Umsetzung und Wirksamkeit und befragten darüber hinaus Ärzte und Pflegepersonal vor und nach der Projektphase über ihre Erwartungen bzw. Erfahrungen mit dem neuen Teamkollegen.

Die Bilanz ist positiv. 387 klinisch-pharmazeutische Einzelfallberatungen hat der Stationsapotheker für die internistischen Intensivmediziner geleistet, 180 für die Chirurgen. Drei Viertel der Beratungen mündeten in konkrete Therapieempfehlungen, die auf der medizinischen Intensivstation fast ausnahmslos (98%), auf der allgemeinchirurgischen zu 86% umgesetzt wurden. Für den Einsatz von Humanalbumin und für die enterale Ernährungstherapie haben sich Pharmazeuten, Ärzte und Pflegepersonal im Konsens auf verbindliche Richtlinien verständigt, diese schriftlich formuliert und in die Routine eingeführt. Allgemein berichten die Beteiligten von einer Verbesserung der internen Kommunikation. Auch die Qualität der pharmakotherapeutischen Behandlung hat sich nach ihrer Auffassung verbessert.

Zudem hat der Apotheker auf Station der Klinik Geld gespart: 136.000 Mark preiswerter ist die nach den neu gefaßten Therapieleitlinien durchgeführte Pharmakotherapie geworden, verglichen mit den laufenden Kosten zu Projektbeginn. Das ist mehr als doppelt so viel, wie für den Einsatz des Pharmazeuten aufzubringen war. Nicht selten konnte die Verabreichung kostspieliger Pharmaka entfallen, Einsparungen ließen sich durch Tausch gegen therapeutisch ebenbürtige preiswertere Medikamente oder durch Dosisanpassung erzielen.

Auch für die Ulmer Klinikapotheker hatte die Studie (der Abschlußbericht »Evaluierung der Beiträge eines Pharmazeuten auf Station zur Qualitätssicherung der Pharmakotherapie« wurde in der Reihe »Klinische Pharmazie« des Asgard-Verlags Sankt Augustin veröffentlicht) angenehme finanzielle Nebenwirkungen: sie erhielten anläßlich der Jahrestagung des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) am 23. April 1999 in Mannheim zusammen mit einer Berliner Arbeitsgruppe den mit insgesamt 20.000,- Mark dotierten GLAXO-WELLCOME-Preis für innovative Leistungen in der Krankenhaus-Pharmazie 1998/1999.


Peter Pietschmann, Universität Ulm
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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