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Universitätsklinikum Heidelberg, 13.06.05

Anzucht infektiöser Hepatitis C-Viren im Labor gelungen

Wissenschaftler aus Japan, Heidelberg und Bethesda publizieren heute in "Nature Medicine" / Antikörper hemmen Virus-Vermehrung in der Zellkultur

Professor Dr. Ralf Bartenschlager, Direktor der Abteilung Molekulare Virologie des Universitätsklinikums Heidelberg.
Foto: Medienzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg.

Achtung Sperrfrist beachten! 13. Juni 2005, 21 Uhr

Einer Gruppe von Wissenschaftlern aus Tokyo, Heidelberg und Bethesda ist es erstmals gelungen, mit Hilfe eines neuen Zellsystems, Hepatitis C Viren (HCV) im Labor zu vermehren. Ihre bahnbrechenden Forschungsarbeiten werden heute in der online Ausgabe von "Nature Medicine" veröffentlicht. Damit wurde die Voraussetzung dafür geschaffen, Medikamente und Impfstoffe gegen das Virus zu entwickeln, das eine schleichende, oft tödlich endende Entzündung der Leber (Hepatitis) hervorruft.


"Dies ist ein Meilenstein in der Erforschung von Hepatitis C und im Kampf gegen die stille Seuche", erklärt Professor Dr. Ralf Bartenschlager, Direktor der Abteilung Molekulare Virologie des Universitätsklinikums Heidelberg, der gemeinsam mit den Virusforschern Dr. Thomas Pietschmann, Professor Dr. Hans-Georg Kräusslich, und Anja Habermann vom Universitätsklinikum Heidelberg und der japanischen Forschergruppe um Dr. Takaji Wakita die Ergebnisse publiziert hat.

Weltweit sind 170 Millionen Menschen mit dem Hepatitis C-Virus infiziert

Die Infektion mit HCV ist weltweit eine der häufigsten Ursachen der chronischen Hepatitis, der Leberzirrhose und des Leberzellkrebs. In Westeuropa sind ca. 1-2 Prozent der Allgemeinbevölkerung chronisch mit dem Virus infiziert; weltweit sind es ca. 170 Millionen Menschen. Bei etwa 75 Prozent der Infizierten entwickelt sich ein chronisches Leberleiden. Leberversagen als Folge einer chronischen Hepatitis C ist der häufigste Anlass für eine Lebertransplantation.

Neue Infektionen durch Bluttransfusionen sind nach der Einführung von Virustests zwar seltener geworden. Dennoch muss für die nächsten 10 bis 20 Jahre mit einer weiteren Zunahme von Patienten mit den Spätfolgen der chronischen Hepatitis C gerechnet werden, falls keine neuen Therapiemöglichkeiten entwickelt werden.

Die Wissenschaftler in Heidelberg, Tokio und Bethesda haben ein Zellsystem entwickelt, in dem der vollständige Lebenszyklus des HCV - also vom Eindringen in die Zelle über die Vermehrung innerhalb der Zelle bis zum Verlassen der infizierten Zelle - im Labor vollzogen werden kann.

Schimpansen mit Virus aus der Zellkultur infiziert

Bislang war es zwar möglich gewesen, Teile der Erbsubstanz des Virus zu vermehren, es war jedoch nicht möglich, das vollständige Virus im Labor zu züchten. In einer speziellen Kultur von Leberkrebszellen (Huh7-Zellen) konnte nun das Virus, das aus einem Patienten mit einer fulminanten Hepatitis isoliert worden war, vollständig angezüchtet werden.

"Wir konnten darüber hinaus zeigen, dass Antikörper gegen das zelluläre Oberflächenprotein CD81 sowie Antikörper, die aus dem Blut von Infizierten stammen, die Vermehrung des Virus zumindest teilweise hemmen", berichtet Professor Bartenschlager. Außerdem gelang den Wissenschaftlern der Nachweis, dass Schimpansen mit dem in der Zellkultur vermehrten HCV infiziert werden können. Damit konnte die Authentizität der in Zellkulturen gezüchteten Viren bewiesen werden.

Bei Rückfragen:
Professor Dr. Ralf Bartenschlager:
Telefon: 06221 / 56 4225 (Sekretariat)
E-Mail: kramer_katja@med.uni-heidelberg.de

Mehr Information im Internet:
http://www.molecular-virology.uni-hd.de/

Literatur:
Pietschmann W, Bartenschlager R, Kräusslich HG, Habermann A:
Production of infectious hepatitis C virus in tissue culture from a cloned viral genome. Nature Medicine, July 2005, Vol 11 No 7.

(Die Literatur kann unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Weitere Informationen:


Dr. Annette Tuffs, Universitätsklinikum Heidelberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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