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Freie Universität Berlin, 14.03.06

Alzheimerforscher Gerd Multhaup erhält Copper Award 2005

Prof. Dr. Gerd Multhaup vom Institut für Chemie der Freien Universität Berlin erhält für seine Kupfer-Studien zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit den mit 25.000 Euro dotierten Copper Award 2005. Der Preis wird jährlich von der Internationalen Kupfer-Gesellschaft (ICA), dem Europäischen Kupfer-Institut (ECI) und dem Deutschen Kupferinstitut (DKI) verliehen.

Die Statistik ist alarmierend: Aufgrund der demographischen Entwicklung wird damit gerechnet, dass die Zahl der Alzheimer-Patienten sich weltweit alle 20 Jahre verdoppelt. Das bedeutet, alle sieben Sekunden tritt eine Neuerkrankung auf. In Deutschland sind heute bereits etwa 800.000 Menschen betroffen. Die Merkmale der Erkrankung sind unaufhaltsamer Gedächtnisverlust, geistige Verwirrung und schließlich vollständige Pflegebedürftigkeit.

Von der Entdeckung des Schlüsselproteins der Alzheimer-Krankheit, des Amyloid-Vorläuferproteins als Metallprotein im Jahr 1994 durch die Forschergruppe von Gerd Multhaup, bis zu der Erkenntnis, dass die Krankheit mit einem Kupfermangel einhergeht, bedurfte es umfangreicher experimenteller Arbeiten. Im Jahr 2003 haben Gerd Multhaup und Thomas Bayer mit der "Alzheimer-Maus" - einem typischen Tiermodell für die Alzheimer-Krankheit - gezeigt, dass diese Tiere geringere Kupferspiegel als gesunde Kontrolltiere aufweisen. Die Forscher haben zudem herausgefunden, dass ein bestimmtes Entgiftungs-Enzym, das das essentielle Element Kupfer als Kofaktor benötigt, in den Tieren weniger aktiv ist.


Multhaup und sein Team haben den erkrankten Tieren Trinkwasser verabreicht, das mit Kupfersalz angereichert war. Das Ergebnis: Der Kupferspiegel im Gehirn der Alzheimer-Mäuse stieg wieder an und die Lebenserwartung der Tiere normalisierte sich. Das essentielle Kupfer war über die normalen Transportwege ins Gehirn gelangt, und zwar offenbar genau dorthin, wo bei Alzheimer-Patienten das Kupfer fehlt.

Diese Studie mit der "Alzheimer-Maus" wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft in den Jahren 2000 bis 2003 finanziell unterstützt und hat es der Forschergruppe um Gerd Multhaup erlaubt, neue Technologien in der biochemischen Forschung zu etablieren, etwa die hoch empfindliche Methode ICP-MS, bei der Metallionen mit Hilfe der Massenspektroskopie nachgewiesen werden.

Nach den erfolgreich therapierten Mäusen begannen Gerd Multhaup und Thomas Bayer eine klinische Studie, an der inzwischen über 60 Patienten teilgenommen haben. Die Patienten erhalten neben der Standardbehandlung mit Acetylcholinesterase-Hemmern ein Kupfersalz; eine Kontrollgruppe erhält eine unwirksames Medikament, ein Plazebo. Nach einem Jahr werden schließlich beide Gruppen ein weiteres Jahr lang mit Kupfer behandelt.<pi>

"Ob das Kupfer tatsächlich eine wie bei den Mäusen beobachtete gute Wirkung zeigt, müssen wir jetzt noch herausfinden", sagt Gerd Multhaup. Dazu führen die Forscher nicht nur neuropsychologische Tests an den Patienten durch, sondern auch biochemische Analysen von Blut und Gehirnwasser. "Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass es eine Verbindung zwischen der geistigen Leistungsfähigkeit, dem Spiegel an schädlichem A-beta im Gehirnwasser und dem Kupfergehalt gibt. Patienten mit einem höheren Kupfergehalt schneiden in diesen Belangen besser ab", meint der Biochemiker. Um jedoch feststellen zu können, ob die Studie insgesamt positiv verlaufen ist, seien noch zahlreiche Metallbestimmungen mit der ICP-MS-Technik sowie Nachweise des Amyloid-Vorläuferproteins und des schädlichen Amyloids A-beta mit Hilfe von Antikörpern und Enzymtests notwendig.

Die Ergebnisse werden entscheiden, ob mit der Kupfer-Behandlung bald eine kostengünstige Therapie für Alzheimer möglich ist. Dann müsste Kupfer als Nahrungszusatz bioverfügbar sein und möglichst schnell ins Gehirn transportiert werden. Auch daran arbeiten Multhaup und Bayer. Mit Hefezellen testet Gerd Multhaup am Institut für Chemie/Biochemie der Freien Universität Berlin, wie zelluläre Kontrollsysteme für den Kupfertransport überlistet werden können, um die Kupferaufnahme zu verbessern.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Prof. Dr. Gerd Multhaup, Institut für Chemie/Biochemie der Freien Universität Berlin, Tel.: 030 / 838-55533, E-Mail: multhaup@chemie.fu-berlin.de


Ilka Seer, Freie Universität Berlin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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