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Robert Koch-Institut, 19.04.00

Allergische Krankheiten nehmen in Deutschland weiter zu

Die ersten warmen Frühlingstage - für Allergiker leider nicht unbedingt ein Grund zur Freude. Für viele beginnt jetzt die Zeit der entzündeten roten Augen, der Niesanfälle und tropfenden Nasen. Asthmatiker, die allergisch auf Pollen reagieren, müssen vor allem nachts und in den frühen Morgenstunden mit Hustenanfällen und Atemnot rechnen.
Fast 10 Millionen Bundesbürger im Alter von 18 bis 80 Jahren haben oder hatten schon ein-mal einen allergischen Schnupfen (Heuschnupfen). Von Bronchialasthma sind rd. 6 % (ca. 3,5 Millionen) aller erwachsenen Männer und Frauen betroffen. Die Häufigkeit von Nah-rungsmittelallergien beträgt ebenfalls rd. 6 % und an Neurodermitis waren oder sind etwa 3 % aller 18- bis 80-Jährigen erkrankt. Die genannten allergischen Krankheiten sind in den alten Bundesländern weiter verbreitet als in den neuen Bundesländern. Einen allergischen Schnupfen haben oder hatten z.B. rd. 17 % der westdeutschen aber nur 11 % der ostdeutschen Bevölkerung. Dies ergaben die Auswertungen des Bundes-Gesundheitssur-veys 1998, einer vom Robert Koch-Institut durchgeführten repräsentativen Befragung und Unter-suchung von 7124 erwachsenen Bundesbürgern. Die Auswertungen zeigen weiterhin, dass viele Menschen im Laufe ihres Lebens auch ein allergisches Kon-takt-ekzem entwickeln, Frauen sind hiervon deutlich häufiger betroffen als Männer (21 % der Frauen und 8% der Männer). Eine Zusammenfassung aller in der Studie erfragten Aller-gien lässt erkennen, dass jeder zweite bis dritte Bundesbürger irgendwann schon einmal eine allergische Erkrankung hatte.
Ausgelöst werden Allergien meist durch Stoffe aus der natürlichen Umwelt. Bei allergischem Schnupfen und beim Asthma bronchiale handelt es sich oft um eine überschießende Reaktion der körpereigenen Abwehr auf Gräser-, Baum- oder Kräuterpollen, auf Katzen- oder Hunde-haare, Hausstaubmilben oder Schimmelpilze. Kontaktallergien können z.B. durch Wasch- und Desinfektionsmittel, Kosmetika oder Nickel ausgelöst werden.
"Warum allergische Krankheiten in Ostdeutschland seltener auftreten als in Westdeutschland, ist bisher noch nicht geklärt", teilte Dr. Bärbel-Maria Bellach, Leiterin der Abteilung Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung des Robert Koch-Instituts mit. Diskutiert werden bei Asthma und Heuschnupfen unter anderem der geringere Autoverkehr in der früheren DDR, die seltenere Haltung von Haustie-ren, häufigere Infektionen in der frühen Kindheit durch den Kontakt mit anderen Kindern in der Kinderkrippe sowie die unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten. Ein Indiz dafür, dass sich mit der zunehmenden Angleichung der Umwelt- und Lebensbedingungen auch die Aller-gieraten allmählich angleichen, könnten die in Ost- und Westdeutschland unterschiedlichen Steigerungsraten z.B. beim allergischen Schnupfen darstellen. Insgesamt ist von 1990/92 bis 1998 die Häufigkeit des allergischen Schnupfens um rd. 70 % angestiegen. Differenziert nach Ost und West ergeben sich folgende Steigerungsraten: bei westdeutschen Männern ca. 45 % und bei ostdeutschen Männer ca. 80 %, bei westdeutschen Frauen ca. 100 % und bei ostdeut-schen Frauen ca. 120 %.
+++ Ende RKI +++


Dr. Ulrich Marcus, Robert Koch-Institut
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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