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Universität des Saarlandes, 25.04.07

ADHS bei Erwachsenen sicher diagnostizieren

ADHS-Förderpreis 2006 für Dr. Marc Schneider, Universitätsklinikum des Saarlandes, für das "Multizentrische Projekt des ADHS-Kompetenznetzwerkes"

ADHS Förderpreis

Zur Förderung innovativer Modellprojekte auf dem Gebiet der ADHS-Versorgung verlieh die UCB GmbH, Kerpen-Sindorf, im Rahmen der Initiative "QIDS - Qualtität in Diagnose und Therapie der ADHS" auf Vorschlag des Expertengremiums den mit 5.000 Euro dotierten ADHS-Förderpreis 2006 an Dr. Marc Schneider, Institut für Gerichtliche Psychologie und Psychiatrie der Universität des Saarlandes, für das "Multizentrische Projekt des ADHS-Kompetenznetzwerkes".

Beim ADHS Kompetenznetzwerk für Erwachsene handelt es sich um einen Zusammenschluss von verschiedenen universitären ADHS-Zentren mit niedergelassenen Kollegen. Die Gründung fand im Jahr 2004 statt. Sprecher des Netzwerkes ist Professor Dr. Michael Rösler, Direktor des Instituts für Gerichtliche Psychologie und Psychiatrie am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg.


Die Teilnehmer des Netzwerkes erarbeiten geeignete Instrumente zur speziellen ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen. Da die vorliegenden psychopathologischen Ratingskalen für ADHS fast ausschließlich aus dem amerikanischen Sprachraum stammen, ist es Ziel des Netzwerks, für die verschiedenen Diagnostikbereiche für den deutschen Sprachraum geeignete Verfahren zu entwickeln, zu adaptieren und zu validieren. Eine derzeit laufende Netzwerkstudie mit 200 Betroffenen hat bereits erste Ergebnisse zur ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen geliefert.

Bisher arbeiten neben dem Neurozentrum des Universitätsklinikums des Saarlandes (Prof. Rösler, Prof. Retz, Dr. Schneider, Prof. v. Gonthard, Dr. Ch. Freitag) die Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitäten Essen, Regensburg, Rostock, Würzburg, Charité Berlin, Freiburg, Basel, Zürich und das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim im ADHS-Netzwerk mit. Hinzu kommt eine Reihe niedergelassener Ärzte (Prof. G-E Trott, Aschaffenburg; Dr. T. Nissen, Saarbrücken; Dr. D. Blocher, Würzburg; Dr. L. Burger, Homburg).

In den Fachambulanzen der Netzwerkteilnehmer werden enorme Patientenzahlen behandelt. Diese Zentren haben wegen ihrer seit Jahren bekannten besonderen Qualifikation eine überregionale Bedeutung. Vielfach erfolgt die Vorstellung in den Netzwerkzentren mit dem ausdrücklichen Wunsch eine geeignete Therapieempfehlung zu formulieren.

Das Netzwerk unterstützt die Entwicklung geeigneter psychotherapeutischer und pharmakologischer Behandlungsmethoden bei ADHS. Die aktuelle Situation in der Bundesrepublik Deutschland ist gekennzeichnet durch das Fehlen zugelassener Medikamente.

Auch gibt es bisher keine ausreichend validierten Psychotherapien für den Erwachsenenbereich. Das Netzwerk unterstützt praktisch und klinisch arbeitende Kollegen. Es werden Kurse und Seminare angeboten, in denen Coaching Strategien vermittelt und die Grundprinzipien pharmakologischer Therapien bei ADHS erläutert werden. Die Netzwerkmitglieder beteiligen sich an pharmakologischen Studien, die der Zulassung geeigneter Medikamente für die Therapie der adulten ADHS dienen.

Im therapeutischen Alltag verordnen die am Netzwerk beteiligten Kliniken und niedergelassenen Psychiater diejenigen Medikamente, die nach den Richtlinien der DGPPN bzw. nach internationalen Empfehlungen als Mittel der ersten Wahl gelten.

Bedeutung von ADHS bei Erwachsenen

ADHS steht für das Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitäts-Syndrom. Hauptmerkmale von ADHS sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Bei den Betroffenen lässt aufgrund einer Störung des Hirnstoffwechsels die Konzentrationsfähigkeit nach. Als Folge davon wiederum verhalten sie sich überaktiv. Es handelt es sich um eine neurobiologische Erkrankung, bei der eine genetische Komponente wahrscheinlich ist. Allerdings leisten auch Umweltbedingungen einen wesentlichen Beitrag bei der Entstehung. Die Behandlung besteht daher aus einer Kombinationstherapie aus Medikamenten (insbesondere Stimulanzien wie z.B. Methylphenitat) und psychotherapeutischen Maßnahmen (z. B. Verhaltenstherapie, Psychoeduktion).

Mit einem Vorkommen von 3 bis 6 % bei Kindern und Jugendlichen stellen Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) eine außerordentlich häufige Erkrankung dar. Hier wird ADHS in ca. 50 % der Fälle von Störungen des Sozialverhaltens begleitet. Aber auch Lernstörungen (bis zu 50%), affektive Störungen (bis 35 %), Angststörungen (bis 25 %) und Ticstörungen bzw. das Tourette-Syndrom (bis 5 %) treten gehäuft zusammen mit ADHS auf.

Dagegen ist es erstaunlich, dass dieses in der Kinder- und Jugendpsychiatrie bestens bekannte Krankheitsbild in der Praxis der Erwachsenenpsychiatrie noch kaum Beachtung findet und die Diagnose einer ADHS im Erwachsenenalter nur sehr selten gestellt wird. Bei einer hohen Prozentzahl der Erwachsenen, die als Kinder oder Jugendliche unter ADHS litten, ist die Krankheit weiter nachweisbar: Bei etwa 30% der Betroffenen besteht das Vollbild der Störung im Erwachsenenalter weiter, bis zu 60% sind zumindest einzelne Symptome noch anzutreffen. Bei erwachsenen Patienten mit ADHS findet sich besonders häufig zusätzlich ein Drogenmißbrauch bzw. Alkoholismus (bis 50%), Persönlichkeitsstörungen (bis 60%), affektive Störungen (bis 35%) und Angststörungen (bis 25%).

Derzeit laufende Netzwerkstudie mit 200 Betroffenen:
Erste Ergebnisse zur ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen

ADHS "pur" ohne weitere somatische oder psychische Störungen ist bei Erwachsenen eher weniger häufig. Immer neue begleitende Leiden werden beschrieben, zuletzt Essstörungen bei Frauen, Restless Legs und Zwangssymptome. Umstritten sind die Überschneidung mit der Borderline Persönlichkeitsstörung und insbesondere die postulierte Assoziation mit den bipolaren Krankheiten.

Die ADHS im Erwachsenenbereich geht mit zahlreichen weiteren gesundheitlichen Risiken und mit sozialen Dysfunktionen einher, die sich nachteilig bemerkbar machen. Nicht zuletzt sind es diese Risiken, die bei der Entscheidung über die Frage der Legitimierung einer ADHS-Therapie eine ausschlaggebende Bedeutung haben.

ADHS Betroffenen haben nicht nur in der schulischen Ausbildung und im Berufsleben Schwierigkeiten, sie haben mehr als nicht Betroffenen eheliche oder partnerschaftliche Probleme. Sie haben in den verschiedenen Lebensbereichen ein erheblich höheres Unfallrisiko. Sie fallen als Fahrzeuglenker vermehrt auf und haben ein erheblich erhöhtes Delinquenzrisiko. Teilweise sind diese Risiken noch nicht hinreichend verstanden. Die Bedeutung und Häufigkeit derartiger Einschränkungen wird vielfach unterschätzt und ist selbst Fachleuten nicht in allen Facetten bekannt.

Das Netzwerk bemüht sich die genannten Problemzonen näher zu untersuchen und die mit der Behandlung von ADHS betrauten Fachleute für diese Problematik zu sensibilisieren. Entscheidend wird dabei die Frage sein, ob mit der Behandlung und Besserung der ADHS auch eine Risikominderung für soziale Adaptationsprobleme erreicht werden kann.

ADHS-Spezialambulanz für Erwachsene

Am Universitätsklinikums des Saarlandes haben die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und das Institut für Gerichtliche Psychologie und Psychiatrie in Homburg eine gemeinsame ADHS-Ambulanz eingerichtet.

In dieser Spezialambulanz für Erwachsene werden eine umfassende Anamneseerhebung, standardisierte Untersuchungsinstrumente, Selbst- und Fremdbeurteilungsskalen, neuropsychologische Testverfahren, bildgebende Verfahren (funktionelle und strukturelle Kernspintomographie) und genetische Untersuchungen zur Diagnostik dieser Erkrankung angeboten.

Kontakt für Rückfragen:

ADHS Netzwerk für Erwachsene
Leiter: Professor Dr. Michael Rösler, Institut für Gerichtliche Psychologie und Psychiatrie am Universitätsklinikum des Saarlandes, 66421 Homburg/Saar,
Tel. (06841) 16-26350, E-Mail: michael.roesler@uks.eu

Geschäftsstelle
Dr. Marc Schneider, Netzwerk Sekretär, Neurozentrum - Gebäude 90/III
Universitätsklinikum des Saarlandes, 66421 Homburg/Saar
Tel. (06841) 16-26353, Fax (06841) 16-26335
E-Mail: Marc.Schneider@uks.eu
Homepage: www.kompetenznetz-adhs.de

Foto:
Die Jurymitglieder PD Dr. Dr. Jan Frölich, Prof. Dr. Michael Rösler und Prof. Dr. Manfred Döpfner überreichten den Preisträgern Dr. Ristow, seiner Mitarbeiterin Angela Hermens sowie Dr. Marc Schneider den ADHS-Förderpreis 2006 der Firma UCB.

Weitere Informationen:


Saar - Uni - Presseteam, Universität des Saarlandes
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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