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Medizinische Hochschule Hannover, 07.08.03

Bei abgetrennten Gliedmaßen kann eine Replantation helfen

Chirurgen operieren mit OP-Mikroskop und kleinen Instrumenten feinste Blutgefäße

Chirurgen verbinden heute Blutgefäße, die einen Millimeter durchmessen.

Professor Vogt am OP-Mikroskop

Replantation - darunter verstehen Mediziner das Wiederannähen eines abgetrennten Körperteils. Das Ziel dabei: die Funktion soll ganz oder teilweise wiederhergestellt werden. Ein solcher Eingriff erfolgt über mehrere Schritte: Zunächst fügen Chirurgen die Knochen zusammen, dann die Beugesehnen, Arterien und Nervenhüllen und am Schluss Venen und Strecksehnen. Das ist heute möglich dank der Mikrochirurgie: Mit einem OP-Mikroskop und mittels besonders kleiner Instrumente können Ärzte Blutgefäße wieder verbinden, die lediglich einen Millimeter durchmessen.


Die meisten Amputationen geschehen durch Unfälle am Arbeitsplatz, in der Freizeit oder bei einem Verkehrsunfall. In den vergangenen Jahren sind zwar schwere Arbeitsunfälle kontinuierlich zurückgegangen (nach Aussage der Berufsgenossenschaften verringerte sich die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle von mehr als 1,5 Millionen im Jahr 1980 auf 985.000 im Jahr 2002). Freizeitunfälle nehmen jedoch immer mehr zu, meist bei jüngeren Menschen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Der Verlust eines Körperteils kann zu Arbeitsunfähigkeit und sozialem Abstieg führen. Außerdem belastet die ästhetische Entstellung die Patienten psychisch. Eine Replantation hat deshalb nicht nur für das Berufsleben, sondern auch für die Lebensqualität der Betroffenen eine große Bedeutung.

Nicht bei jeder Amputation ist das Wiederannähen möglich. Am günstigsten für den Operateur sind glatte Amputationen (zum Beispiel entstanden durch die Verletzung mit einer Schneidemaschine), da die Verletzungszone klein und der Haut-Weichteilmantel meist erhalten ist. Kommt es zu Zerfetzungen und Knochensplitterungen, ist die Verletzungszone größer und die Replantation wird schwieriger. Noch problematischer sind Zerreissungen oder Zerquetschungen, weil dabei der Stumpf schwer verletzt sein kann oder das Amputat zerstört wird. Hier stoßen die Chirurgen an ihre Grenzen.

Tipp: Was tun, wenn es zu einer Amputation gekommen ist?
Sofort nach einem Unfall gilt: das abgetrennte Körperteil in sterile Kompressen wickeln und in einen sauberen Plastikbeutel stecken. Den Beutel verschließen und in einen zweiten Beutel mit Eiswürfeln und Wasser legen. Nach Möglichkeit sollte das Amputat nicht direkt neben den Eiswürfeln liegen - plus 4 Grad Celsius beträgt die optimale Temperatur. Und auf keinen Fall sollte das Amputat mit Flüssigkeiten in Kontakt kommen oder gereinigt werden. Damit die Replantation gelingt, muss die Zeitspanne zwischen der Verletzung und der Replantation kurz sein: Sie darf bei gut gekühlten Amputaten ohne Muskulatur (Finger) maximal bis zu 24 Stunden betragen, bei Amputaten mit Muskulatur (Arm) bis zu acht Stunden.

In der Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie im Klinikum Hannover Oststadt wurde vor 25 Jahren erstmals ein Finger wieder angenäht. Seit dieser Zeit sind hier weit mehr als 1.000 solcher Replantationen durchgeführt worden - der größte Teil unter der Leitung von Professor Dr. Alfred Berger. Das Spektrum reicht von Ohren, Nasen über Hände bis zu Füßen. Im Jahr 2001 wechselte die Abteilung von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) an das Klinikum, der neue Leiter, Professor Dr. Peter M. Vogt, gehört weiterhin zum Lehrkörper der Hochschule. Pro Jahr werden in der Klinik rund 15 Replantationen vorgenommen.

In der Klinikambulanz stellen sich monatlich etwa 100 Patienten vor, die nicht lebensbedrohlich verletzt sind. Hier überwiegen die Handverletzungen mit mehr als 80 Prozent aller Fälle. Meist sind es Schnittverletzungen, gefolgt von Prellungen, Brüchen und Bissverletzungen. Neben der Replantation gibt es weitere Schwerpunkte der Klinik: die rekonstruktive Chirurgie, Tumor-, Brust- und Handchirurgie, Ästhetische Chirurgie, die Laserchirurgie und im Schwerverbranntenzentrum die Verbrennungsmedizin. Auf vielen dieser Gebiete arbeitet die Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie mit Abteilungen der MHH zusammen: der Unfallchirurgie, der Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, der Strahlentherapie, der Viszeralchirurgie, der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und der Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde.

Weitere Informationen gibt gern Professor Dr. Peter M. Vogt, Telefon: (0511) 906-3750, E-Mail: phw.oststadt@klinikum-hannover.de

Im Internet: http://www.klinikum-hannover.de/osk/phw.htm


Dr. Arnd Schweitzer, Medizinische Hochschule Hannover
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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