Wissen schaf(f)t Vertrauen: GSF - Forschungszentrum und Münchener Rück Stiftung luden zum Dialog

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion (v.l.n.r.): Prof. Dr. H.-Erich Wichmann, GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, Rüdiger Matthes, Bundesamt für Strahlenschutz, Prof. Dr. Ortwin Renn, Universität Stuttgart, Dr. Hannelore Löwel, GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, Prof. Dr. Peter Höppe, Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, Dr. Günther Kerscher, Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz.
Foto: Baumgart
Feinstaub als Gesundheitsrisiko ernst nehmen - vom Wissen zum Handeln
München zählt zu den Städten mit der höchsten Verkehrsbelastung in Deutschland. "Vor allem die feinen und ultrafeinen Partikel aus Diesel betriebenen Fahrzeugen, aber auch die Stickoxide stellen ein eindeutiges gesundheitliches Risiko für die Münchner Bevölkerung dar", so fasste Prof. Dr. H.-Erich Wichmann vom GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit das verkehrsbedingte Risiko in aller Deutlichkeit zusammen. "Die Umweltpolitik muss in Zukunft noch stärkere Prioritäten setzen, um diesem Risiko wirksam zu begegnen" so Wichmanns Forderung an die Adresse der Politik. Hier würde laut Wichmann vor allem die konsequente Einführung des Partikelfilters für Diesel betriebene Fahrzeuge greifen.
Wachsam gegenüber Vogelgrippe und Influenza - aber kein Grund zur Panik
Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation muss die Gefahr einer Vogelgrippe-Pandemie durchaus als hoch eingestuft werden. "Zwar ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch epidemiologisch nicht gegeben", so Dr. Günther Kerscher, Abteilungsleiter im bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. Dennoch besteht ein zunehmend hohes Risiko, da sich das Virus rasch ausbreitet und biologisch zunehmend an immer mehr Tierarten anpasst. "Entsprechend treffen alle zuständigen Behörden und Stellen in Deutschland derzeit entsprechend intensive Vorsorgemaßnahmen gemäß dem bestehenden nationalen Pandemieplan", konnte Kerscher versichern.
Im Gegensatz zu der vielfach überhöhten Risikoeinschätzung der Vogelgrippegefahr werden die Risiken der saisonalen Influenza häufig unterschätzt - möglicherweise, weil das Krankheitsbild als gut bekannt gilt. "Aber diese schwere Erkrankung, von der wir sicher in zwei bis drei Wochen wieder die ersten Fälle gemeldet bekommen, erforderte allein im vergangenen Jahr etwa 15.000 Todesopfer und muss daher sehr ernst genommen werden", so Kerscher und forderte zur Grippeimpfung auf.
Handys und Sendemasten - Grenzwerte ausreichend für Gesundheitsschutz
80 Prozent der deutschen Bevölkerung über 14 Jahren sind heute in Besitz eines Mobiltelefons. Demgegenüber stehen etwa 30 Prozent, die in Hinblick auf die elektromagnetischen Felder des Mobilfunk besorgt sind. Dabei empfinden die Menschen die Sendemasten als bedrohlicher als Handys - nicht wissend, dass gerade die Exposition durch Basisstationen meist weniger als ein Zehntausendstel der Grenzwerte ausmacht. Es gibt derzeit keinerlei wissenschaftliche Beweise, dass die Benutzung von Handys oder das Wohnen im Umfeld einer Sendeanlage Krankheiten auslöst. "Die Unsicherheiten und Ängste in der Bevölkerung liegen nach unserer Erfahrung in erster Linie in einem zu schlechten Informationsstand begründet", so Rüdiger Matthes vom Bundesamt für Strahlenschutz. Bessere gesundheitsbezogene Information und Kommunikation zum Beispiel bei der Auswahl von Standorten für Sendeanlagen kann sicher helfen, bestehende Unsicherheiten abzubauen.
Eltern können viel tun - Bewegung und gesunde Ernährung am Wichtigsten
Eltern überschätzen manche Umweltrisiken für ihre Kinder sehr - und unterschätzen auf der anderen Seite die Risiken, die Wissenschaftler für Kinder als groß erachten. Dies hat eine detaillierte Befragung unter mehr als 8000 Eltern in Bayern ergeben. Strahlung durch Atomkraft und Mobilfunksender, Zeckenbisse und Schwermetalle aus Autoabgasen, hier gingen die Einschätzungen am weitesten auseinander. "Dabei wissen wir heute, dass die Veränderungen von Ernährung und Lebensstil der letzten Jahrzehnte zu einer Adipositas-Epidemie führen, an deren Folgen um mehrere Zehnerpotenzen versterben werden als zum Beispiel an BSE", so Prof. Dr. Peter Höppe von der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, der die Befragung im Auftrag des Bayerischen Umweltministeriums wissenschaftlich ausgewertet hatte.
Macht Singledasein in der Großstadt krank?
Welchen Einfluss auch soziale Risiken wie Alleinsein oder Arbeitslosigkeit auf die Gesundheit haben können, untersuchen seit einiger Zeit GSF-Epidemiologen am KORA-Studienzentrum in Augsburg. "Entgegen verbreiteter Befürchtungen können wir bislang kein generell erhöhtes Gesundheitsrisiko für das Dasein als Single in der Großstadt feststellen", so Dr. Hannelore Löwel, Leiterin des Studienzentrums. Für die Zukunft könnte aber ein neuer Faktor von Bedeutung werden: Frauen bekommen immer seltener und wenn, in immer höherem Alter, Kinder. Inwieweit sich dies auf den Gesundheitszustand der zukünftigen weiblichen Singles auswirken wird, bleibt zu beobachten. "Aber wir müssten uns alle viel mehr für unsere Gesundheit interessieren und Vorsorge treffen", forderte Löwel. Denn damit kann jeder Einzelne ganz entscheidenden Einfluss auf eine Reihe von Gesundheitsrisiken wie Herz-Kreislauf- Erkrankungen oder Diabetes nehmen.
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Neuherberg, 1. November 2005


