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Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, 03.11.05

Welche Bedeutung hat Evaluation für die Schulentwicklung?

Im privatwirtschaftlichen Sektor sind Verfahren zur Überprüfung von betrieblichen Abläufen und Produktionsprozessen seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit. Mittlerweile hat die Frage nach Qualität und Qualitätskontrolle auch das Schulsystem bis hinunter auf die Ebene der einzelnen Schule erreicht. Auch in Bayern soll die externe Evaluation von Schulen künftig ausgedehnt werden. Seit 2002 hat der Lehrstuhl Schulpädagogik (Prof. Dr. Wolfgang Schönig) an drei Volksschulen umfangreiche Evaluationsprojekte mit einem eigenen Konzept betreut. Im Rahmen einer Tagung sollen am 11. und 12. November alle daran Beteiligten - Schulleitungen, Schulräte, Lehrkräfte sowie die Evaluationsteams - zusammenkommen, um über die Wirksamkeit des Prozesses mit Experten zu diskutieren und interessierte Eltern und Lehrer an den Erkenntnissen teilhaben zu lassen.

Die Tagung beginnt am 11. November um 16 Uhr in der Aula der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU), Kollegiengebäude D, Ostenstraße 26-28. Für ein Grußwort wird um 16.30 Uhr der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider erwartet.

Eine Besonderheit des am Lehrstuhl für Schulpädagogik entwickelten Evaluationskonzeptes besteht in der Einbeziehung schulferner Expertise. "Lehrkräfte sehen nur das an ihrer Schule, was sie zu sehen gelernt haben. So verläuft schulische Praxis in immer neuen Zirkeln der Verfestigung", sagt Professor Wolfgang Schönig. Deshalb benötige man Experten, die Schule mit fremdem Blick sehen könnten, wie etwa Personen aus Wirtschaft, Kultur oder sozialen Organisationen. Im Fall der Christoph-von-Schmidt-Hauptschule Dinkelsbühl, eine der drei evaluierten Schulen, beobachteten unter anderem eine Gemeindereferentin, ein Förster, ein Psychotherapeut, ein Kunsthistoriker und ein Bauunternehmer anhand eines Leitfadens den Schulalltag. Berücksichtigt wurden beispielsweise der Unterricht selbst, Umgangsformen im Kollegium, das Lehrer-Schüler-Verhältnis oder das Verhalten der Schüler im Schulgebäude und auf dem Pausenhof. Ergänzend wurden Eltern, Schüler, Lehrer und Kooperationspartnern der Schule schriftlich und mündlich befragt. Bereits seit Mitte der 90er-Jahre wurde an der Hauptschule Dinkelsbühl eine bewusste Öffnung nach außen betrieben, sowohl durch Kooperationen mit regionalen Firmen als auch mit einer Befragung der Eltern zu Möglichkeiten der Verbesserung. "Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass durch die Öffnung die Identifikation und das Engagement von Schülern, Eltern und Lehrern für ihre Schule gestiegen ist", sagt Schönig.

Schulreform im Sinne nachhaltiger Qualitätskonzepte für Schulen könne nur gelingen, wenn sie vor Ort begonnen und von den Lehrkräften wesentlich getragen werde. "Die Frage muss deshalb lauten: Wie muss Verwaltung aussehen, damit pädagogische Aufgaben optimal erfüllt werden können? Und nicht: Wie muss Schule organisiert sein, damit sie optimal in die Staatsverwaltung eingepasst werden kann?" In diesem Sinne werde durch eine Evaluation nicht nur der Schule ein Feedback gegeben, es zeige sich auch, wie Wissenschaft und Verwaltung von der Schule wahrgenommen würden.

Weitere Informationen zur Tagung und den Evaluationsprojekten gibt es am Lehrstuhl für Schulpädagogik (0 84 21/93-1401, wolfgang.schoenig@ku-eichstaett.de).


Dipl.-Journ. Constantin Schulte, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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