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Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 28.08.07

Universitätsklinikum Halle nun anerkanntes Mukoviszidosezentrum für Kinder, Jugendliche & Erwachsene

Das Universitätsklinikum Halle (Saale) mit den Universitätskliniken für Kinder- und Jugendmedizin sowie Innere Medizin ist als Mukoviszidosezentrum für Kinder, Jugendliche und Erwachsene anerkannt worden. Die Strukturkommission Deutscher Mukoviszidosezentren und -ambulanzen im Mukoviszidose e.V. zertifizierte das Zentrum als erstes in der Region. Derzeit werden am Universitätsklinikum Halle etwa 40 Kinder und 60 Erwachsene aus Sachsen-Anhalt und dem nördlichen Thüringen mit dieser genetisch bedingten, seltenen Stoffwechselerkrankung behandelt und stellt damit eines der größten Zentren in Ostdeutschland dar.

Oberärztin Dr. Bettina Wollschläger und Oberarzt Nick Merkel betreuen die Mukoviszidose-Ambulanzen der Universitätsklinik Halle (Saale)


Die Mukoviszidose-Ambulanzen der Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin (Oberarzt Nick Merkel) und der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin (Behandlung Erwachsener durch Oberärztin Dr. Bettina Wollschläger) arbeiten eng zusammen und gewährleisten damit die engmaschige, effektive Betreuung der Patienten über das Kindesalter hinaus. Sie entsprechen damit der gestiegenen Lebenserwartung der Mukoviszidose-Patienten in den vergangenen Jahren. Außerdem kooperieren sie auf dem Gebiet der Forschung. Eine enge Zusammenarbeit wird mit den Mukoviszidose-Experten des Universitätsklinikums Magdeburg angestrebt. Langfristig soll eine Verbundbildung zum "Mukoviszidosezentrum Sachsen-Anhalt" folgen.


Mukoviszidose - auch Zystische Fibrose genannt - ist eine erbliche Erkrankung, die nicht heilbar ist. In Lunge, Bauchspeicheldrüse, Darm und den Schweißdrüsen werden zähflüssige Sekrete gebildet, die nur erschwert vom Körper abtransportiert werden können. In den betroffenen Organen kommt es dadurch zu den unterschiedlichsten Funktionsstörungen.

Meist ist die Lunge am schwersten von den Auswirkungen der Erkrankung betroffen. Durch moderne Therapien kann zwar die Erkrankung nicht geheilt, aber in ihrem Verlauf gemildert werden. Frühzeitige und intensive Therapien sind dazu notwendig. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 300 Kinder mit dieser Erkrankung geboren. Bundesweit werden 8000 Patienten behandelt. Mukoviszidose ist damit die häufigste, erblich bedingte Stoffwechselerkrankung. Etwa fünf Prozent der Bevölkerung sind gesunde Merkmalsträger. Sie können die Krankheit - meist ohne ihr Wissen - vererben.

Auch heute noch werden Mukoviszidose-Patienten im Erwachsenenalter oftmals nur durch Kinderärzte betreut. Anders in Halle: Die Internistin Dr. Bettina Wollschläger kümmert sich um die Besonderheiten und Fragestellungen dieser Erkrankung bei Patienten ab dem 18. Lebensjahr. Neben Möglichkeiten zur Therapieintensivierung bei meist chronischer Pseudomonasinfektion der Lunge werden zu den regelmäßigen Konsultationen Themen wie Berufs- und Familienplanung, Probleme aus dem HNO-Bereich und im Bereich von Leber- und Verdauungsorganen mit den Patienten besprochen. Eine besondere Herausforderung stellen die Planung operativer Eingriffe bei diesen Patienten und die Betreuung Schwangerer mit Mukoviszidose dar. "Oftmals ist bedingt durch die umfassende Erkrankung eine hoch spezialisierte Behandlung und interdisziplinäre Betreuung an einem Haus der Maximalversorgung wie dem Universitätsklinikum Halle notwendig", berichtet die Ärztin. Ziel des Mukoviszidose e.V. ist es, die Behandlung der Patienten bundesweit an solchen Zentren zu konzentrieren.

Im Vordergrund der Behandlung Erwachsener stehen Probleme, die sich aus der fortschreitenden Multiorganerkrankung mit Schwerpunkt Lunge ergeben. Trotz regelmäßiger Antibiotikatherapien ist ein fortschreitender Lungenfunktionsverlust meist nicht aufzuhalten, so dass nach Ausschöpfung aller konservativen Therapiemöglichkeiten Fragen einer Lungentransplantation mit den Patienten diskutiert werden müssen. In enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Transplantationszentren werden derzeit vier lungentransplantierte Patienten in Halle betreut.

Oberarzt Merkel und Oberärztin Wollschläger planen die Erforschung der Erkrankung am Universitätsklinikum Halle (Saale) voranzutreiben. Ein Themenschwerpunkt liegt dabei auf dem Gebiet der Früherkennung von Lungen-Infektionen. Dafür sollen Atemgasuntersuchungen von Mukoviszidosepatienten mittels eines kürzlich erworbenen Atemgaskondensat-Messgerätes durchgeführt werden. Außerdem steht die Erforschung der Funktionsweise bestimmter Zellen des Immunsystems, welche für die Entstehung von Entzündungen verantwortlich sind, im Visier der Ärzte. In Kooperation mit dem Institut für Hygiene, Dr. Dieter Worlitzsch, finden Untersuchungen bestimmter Bakterien (Anaerobier), welche schwere Lungenentzündungen hervorrufen können, statt.

Nähere Informationen beim Autor:
Jens Müller
Pressesprecher
Universitätsklinikum Halle (Saale)
Medizinische Fakultät der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Ernst-Grube-Str. 40
06097 Halle (Saale)

Tel: (0345) 557-1032
Fax: (0345) 557-5749
E-Mail: jens.mueller@medizin.uni-halle.de


Dmitrij Wilms, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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