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Medizinische Hochschule Hannover, 29.08.06

Unfallforscher aus aller Welt treffen sich zum zweiten Mal in Hannover

Landeshauptstadt soll Zentrum des internationalen Austauschs für Wissenschaftler werden

Wie untersuchen Forscher in anderen Ländern Verkehrsunfälle und welche Schlüsse ziehen sie? Antworten auf diese Fragen soll die zweite internationale Konferenz "Expert Symposium on Accident Research (ESAR)" geben, die am Freitag, 1. September 2006, und Sonnabend, 2. September 2006, in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) stattfindet. Rund 100 Unfallforscher aus etwa 20 Ländern und fünf Kontinenten kommen nach Hannover, um über den aktuellen Stand der Verkehrssicherheit zu diskutieren. Dabei sprechen sie auch über Maßnahmen, um die Verletzungsschwere bei Verkehrsunfällen weiter zu senken und Unfälle ganz zu vermeiden. "Die bislang für Deutschland günstige Entwicklung der Verkehrssicherheit mit einer niedrigen Zahl an Getöteten und Schwerverletzten muss auch in andere Länder der Welt gebracht werden", betont der Organisator des Symposiums, Professor Dipl.-Ing. Dietmar Otte, Leiter des Unfallforscherteams an der MHH. Eine WHO-Studie aus dem Jahr 2004 belegt, dass in Ländern mit mangelnder Infrastruktur und schlecht ausgebauten Straßen mit der Zunahme des Straßenverkehrs die Anzahl der Getöteten und Schwerverletzten stetig ansteigt.


Zu Beginn des Kongresses werden Ergebnisse der hannoverschen Forschung vorgestellt, zum Beispiel zum Thema tödliche Verkehrsunfälle in Niedersachsen durch überhöhte Geschwindigkeit, der Wirksamkeit von Helmen und Schutzkleidung bei Verkehrsunfällen oder mangelnder Akzeptanz von Sicherheitsgurten bei PKW-Insassen.

"Bislang gab es kaum Kongresse, auf denen statistisch orientierte Studien international präsentiert wurden", sagt Professor Otte. Ziel sei es deshalb, den Erfahrungsaustausch zum Thema Unfallanalysen zu erleichtern sowie die Methoden und Ergebnisse der Studien aus den einzelnen Ländern zu diskutieren. Den Kongress eröffnen die Präsidenten der MHH, Professor Dr. Dieter Bitter-Suermann, und der Präsident der Bundesanstalt für Straßenwesen, Professor Dr. Joachim Kunz, gemeinsam mit Vertretern der Automobilindustrie. "Damit heben wir die Bedeutung der Unfallforschung für Bund, Land und Industrie hervor", erklärt Professor Otte. Neben den einzelnen Vorträgen stehen zwei Grundsatzreferate auf dem Programm: Der Gastredner und US-Unfallforscher Carl Nash spricht über die Möglichkeiten, Informationen aus dem Unfallgeschehen in den USA für die Steigerung der Verkehrssicherheit zu gewinnen. Der Staatssekretär des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Jörg Hennerkes, informiert darüber, wie wichtig statistische Erhebungen für die Sicherheit im deutschen Straßenverkehr sind.

Seit mehr als 30 Jahren gibt es die Verkehrsunfallforschung der MHH. Finanziert von der Bundesanstalt für Straßenwesen hat sie mit ihrer Arbeitsweise - ein wissenschaftliches Team aus Technikern und Medizinern fährt mit speziellen Einsatzfahrzeugen zum Unfallort - immer wieder wertvolle Grundlagen geschaffen, um Unfallabläufe und das Entstehen von Verletzungen festzuhalten. Seit sieben Jahren kooperiert sie eng mit der Deutschen Automobilindustrie im Rahmen des GIDAS-Projektes (German In-Depth-Accident Study). Darin werden jährlich etwa 2.000 Verkehrsunfälle aus Hannover mit den Ergebnissen eines zweiten Teams der Technischen Universität Dresden in einer Datenbank zusammengeführt.

Weitere Informationen gibt Ihnen vorab gerne Professor Dipl.-Ing. Dietmar Otte, Arbeitsbereich Verkehrsunfallforschung der MHH, Telefon (0511) 532-6410 (Sekretariat) oder (0511) 532-5000 (Kongressbüro während des Symposiums). Kurzinterviews mit Professor Otte sind nach Absprache möglich, möglichst nicht am Kongresstag.


Stefan Zorn, Medizinische Hochschule Hannover
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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