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Universitätsklinikum Essen, 16.04.08

Tödlicher Organmangel

Ein neues Leben - Dank Herz- und Lungentransplantation

Eine Transplantation ist die oft letzte Chance für Menschen mit weit fortgeschrittenen Herz- und Lungenerkrankungen. Aber nicht jeder von ihnen bekommt die Möglichkeit, mit einem gespendeten Organ ein "zweites Leben" zu beginnen. Denn die Wartezeiten bis zur Transplantation werden immer länger. Rund 20 Prozent der Patienten versterben, während sie auf ein Spender-Organ warten. Über 70 Prozent der Transplantate werden nur noch über die "Hochdringlichkeitsliste" vergeben - also an Patienten, die bereits stark geschwächt sind. Dies wiederum erschwert den Eingriff und verringert die Überlebenschancen. "Wir könnten viel mehr Menschen helfen, wenn wir genügend Spenderorgane hätten", appelliert Privatdozent Dr. Markus Kamler, leitender Oberarzt der Essener Klinik für Thorax- und Kardiovaskuläre Chirurgie, an die Spendebereitschaft der Bevölkerung.


Transplantierte leben immer länger und mit höherer Lebensqualität
Dank des medizinischen Fortschritts liegt die so genannte Einjahresüberlebensrate der Lungen-Transplantierten mittlerweile international bei rund 70 Prozent, nach fünf Jahren leben noch ungefähr 50 Prozent. "Von unseren Patienten leben nach fünf Jahren sogar noch knapp 70 Prozent", gibt der Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskuläre Chirurgie Prof. Heinz Jakob an. In den Anfängen der Lungentransplantationen, den 80er-Jahren, standen die Chirurgen zunächst vor großen Problemen, da die fremden Organe starke Abstoßungsreaktionen hervorriefen und die Patienten schnell verstarben. Der Einsatz entsprechender Medikamente - so genannter Immunsuppressiva - verhindern heute bei immer mehr Patienten die Abstoßung des Transplantats. Außerdem trägt ein breites intensivmedizinisches Wissen über u.a. Herzkreislauf- und Lungenfunktion, Beatmungsformen und gefährlichen Infektionen nicht nur zum Überleben, sondern auch zur guten Lebensqualität der Transplantierten bei.

Wartzeiten über ein Jahr
Die Essener Klinik für Thorax- und Kardiovaskuläre Chirurgie hat deutschlandweit nach Hannover die zweitlängste Warteliste. In 2007 warteten hier 74 Patienten auf ein Herz und sogar 128 auf eine Lunge. Herztransplantationen gab es im gleichen Zeitraum zwölf, Lungentransplantationen 30. Aktuell warten in Essen 35 Menschen auf ein neues Herz und 83 auf eine Lunge. "In NRW sind wir mit Abstand das größte Zentrum für Lungentransplantationen. Deutschlandweit gehören wir mit Hannover, Berlin und München zu den vier größten Einrichtungen", so Prof. Heinz Jakob.

Ursachen für Organmangel
In Deutschland dokumentieren nur rund zwölf Prozent der Bevölkerung ihre Bereitschaft zur Organspende in einem entsprechenden Ausweis. Und nur in rund einem Fünftel der Fälle wissen Angehörige, wie der Verstorbene zum Thema Transplantation steht. Ist sein Wille nicht schriftlich dokumentiert, entscheidet die Familie, ob die Organe frei gegeben werden sollen. In anderen Ländern, so beispielsweise in Österreich, ist die rechtliche Situation genau umgekehrt: So muss der einzelne ausdrücklich angeben, wenn er seine Organe nach seinem Tod nicht spenden möchte. Erfolge zeigt die engagierte Aufklärungsarbeit der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), wodurch u.a. der Trend zur Organspende in NRW in letzter Zeit wesentlich verbessert werden konnte. Ein weiterer wichtiger Grund für die "Organmisere" liegt in der mangelnden Bereitschaft vieler Kliniken, potentielle Spender zu melden. So kommen mehr als 50 Prozent der Krankenhäuser ihrer gesetzlichen Verpflichtung nicht nach, mögliche Organspender zu melden.

Nähere Informationen:
Privatdozent Dr. Markus Kamler, leitender Oberarzt der Klinik für Thorax- und Kardiovaskuläre Chirurgie, Westdeutsches Herzzentrum Essen, Universitätsklinikum Essen, Tel.: 0201 / 723 - 4911; markus.kamler@uk-essen.de


Kristina Gronwald, Universitätsklinikum Essen
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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