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Universität Bremen, 25.04.06

Tagung: Wie sind Schuld und Schamgefühle mit Machtfragen verbunden?

Internationale Bremer Tagung zu "Ritualisierten Verarbeitungsformen von Fehlverhalten" vom 28. - 30. April 2006

Oedipus tötete unwissentlich seinen Vater; Penthesilea wurde von Achill getötet, tragischerweise ver-liebt er sich in die sterbende Königin der Amazonen. Aias metzelte im Zustand der Raserei Herden-vieh nieder, in dem er seine Gegner sah. Zur Besinnung gekommen, stürzt er sich in sein Schwert. Mythische Figuren wie Oedipus, Aias oder Penthesilea repräsentieren Schuld- und Schamgefühle. Anlässe und Formen haben sich zwar gewandelt, das Gefühl der Scham aber ist immer noch von existenzieller Bedeutung und besitzt eine öffentlich wirksame Symbolik. Mit diesem Thema beschäftigt sich die internationale Tagung "Schuld und Scham. Ritualisierte Verarbeitungsformen von Fehlverhal-ten von Aias bis Abu Ghraib", die vom 28. - 30. April 2006 im Gästehaus der Universität Bremen statt-findet. Die Bremer Tagung unter Leitung von Professor Heinz-Peter Preußer vom Institut für kulturwis-senschaftliche Deutschlandstudien im Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Universi-tät Bremen ist die zweite, die im Rahmen des Projekts "Nationale Identität und europäische Mythen" des Internationalen Arbeitskreises Literatur und Politik in Deutschland stattfindet, das von fünf europä-ischen Universitäten (Bremen, Ferrara, Leiden, Liège, Warwick) entwickelt und getragen wird.

Während Scham-Rituale und -Diskurse dazu dienen, eigenes Fehlverhalten in der Gemeinschaft zu regulieren oder vor dem Selbst zu rechtfertigen, funktionieren umgekehrt Schuldzuschreibungen oder gezielte Beschämungen des anderen als Herrschaftsinstrumente: wie bei der historischen Hexenver-folgung oder etwa in den Bildern der Misshandlungen im Gefängnis von Abu Ghraib. Beschämungs- und Entschuldigungsrituale werden auf der Tagung aus literaturwissenschaftlicher, strafrechtlicher, medienwissenschaftlicher, soziologischer Perspektive und aus zeitgeschichtlicher Sicht diskutiert. Kulturelle, nationale, historische, aber auch Gender-Unterschiede prägen die Rituale, mit denen auf Fehlverhalten reagiert wird: in verbalen Entschuldigungen, öffentlichem und privatem Verhalten, Klei-dercode, Körpersprache. Was für Aias nur durch Selbsttötung zu leisten war, entspricht heute etwa dem medial inszenierten Rückzug aus der politischen Öffentlichkeit. Offensichtlich gibt es nach wie vor ein kollektives Bedürfnis nach solchen stellvertretenden Reinigungsritualen. Die Opferfunktion bleibt sich - gewandelt - gleich.

Der Eröffnungsvortrag beschäftigt sich mit modernen literarischen Beispielen und zeigt auf, wie Ge-walt und Scham jeweils mit Machtfragen verbunden sind. Dazu ist die interessierte Bremer Öffentlich-keit herzlich eingeladen. Die Veranstaltung findet am 28. April im Gästehaus der Universität (Teerhof 58) um 15:30 Uhr statt.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften
Prof. Dr. Heinz-Peter Preußer
Tel.: 0421 218-8246
E-Mail: preusser@uni-bremen.de


Angelika Rockel, Universität Bremen
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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