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Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim, 14.12.05

Suchtbehandlung spart Kosten: 1st BMBF-Addiction Research Network Symposium in Mannheim

Das "German Addiction Research Network (GARN)" wird seit 2001 vom Bundesminister für Bildung und Forschung (BMBF) mit ca. 18 Mio. ¤ gefördert. In rund 25 Forschungsprojekten werden Themen von der Grundlagenforschung und Epidemiologie, bis hin zur Therapieforschung bearbeitet. Ein erstes Symposium behandelte das Thema Gesundheitsökonomie und brachte das international besetzte Gut-achtergremium mit den Projektleitern und Mitarbeitern und geladenen Experten Anfang Dezember in Mannheim zusammen.

Dass Alkohol-, Nikotin- und Drogenabhängigkeit enorme volkswirtschaftliche Schäden verursacht, gehört zum Allgemeinwissen. Wenn es jedoch darum geht, diese Schäden exakt zu beziffern und mögliche Einsparpotentiale durch fachgerechte Behandlung der Betroffenen zu benennen, bestehen große Wissenslücken. Diese Lücken behindern ganz erheblich eine medizinisch angemessene und kostenwirksame Versorgung der Betroffenen.

Bei dem Expertensymposium des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI), bei dem sich namhafte deutsche, europäische und US-Suchtforscher über gesundheitsökonomische Erkenntnisse im Suchtbereich und über Stand und Perspektive entsprechender Forschung austauschten, wurde deutlich, dass mittlerweile im vom BMBF seit dem Jahre 2001 geförderten deutschen Suchtforschungsverbund mehrere Kostenstudien durchgeführt werden, die -bei einer dauerhaften Förderung solcher Studien- hoffen lassen, die größten Wissenslücken zu schließen und den gesundheitsökonomischen Forschungsvorsprung der angloamerikanischen Länder aufzuholen.


So zeigen bisherige Ergebnisse aus dem Prof. Karl Mann (Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim) geleiteten baden-württembergischen Suchtforschungsverbund, dass die medizinische Versorgung eines Alkoholabhängigen die bundesdeutschen Krankenkassen ca. doppelt bis dreifach höher belastet als für die medizinische Versorgung eines durchschnittlichen Versicherten ausgegeben werden muss. Gelingt es jedoch die Abhängigkeitssymptomatik eines Betroffenen zu verringern, sinken die Versorgungskosten auf ein deutlich niedrigeres Niveau. Mit anderen Worten: die Therapie von Alkoholabhängigen rechnet sich - ein Nachweis, der in US-amerikanischen Studien schon in den siebziger und achtziger Jahren gelang.
In diesem Zusammenhang wird in weiterführenden, gegenwärtig. noch laufenden Untersuchungen analysiert inwieweit der Einsatz von sog. Anticraving-Substanzen, d.h. der medikamentösen Rückfallprophylaxe, Kostenersparnisse gegenüber herkömmlichen Behandlungen bringt.

Ähnliches ist von Raucherentwöhnungsmaßnahmen in der hausärztlichen Praxis zu erwarten, deren Kosteneffektivität in einer Kooperationsstudie von Prof. Brenner von der Universität Heidelberg und Priv.-Doz. Dr. Hans Joachim Salize aus dem ZI untersucht wurde. Hier gelang der Nachweis, dass mit relativ niedrigen Investitionen, etwa indem man Nichtraucherwilligen die Kosten von Nikotinersatzpräparaten (Medikamente, Nikotinpflaster, Kaugummi etc.) rückerstattet, auf kosteneffektive Weise eine vergleichsweise hohe Nichtraucherquote erreicht werden kann.

Das Expertensymposium hat gezeigt, dass beim gegenwärtigen Sparzwang, Studien, die die Kostenwirksamkeit von neuen Therapien aufzeigen, aus dem Repertoire der Suchtforschung nicht mehr wegzudenken sind. Die bundesdeutsche Suchtforschung stellt sich dieser Herausforderung stellt und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen.

Kontakt:
Dr. med. Marina Martini, M.Sc.
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim J 5, 68159 Mannheim
Fon: 0621/1703-1301, -1302
Fax: 0621/1703-1305
E-Mail: martini@zi-mannheim.de
Homepage: http://www.zi-mannheim.de

Weitere Informationen:


Dr. med Marina Martini, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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