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Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, 25.10.05

Auf der Suche nach dem Weltfrieden - Otto-von-Guericke-Vorlesung in Magdeburg

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, der Evangelische Hochschulbeirat Magdeburg sowie die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt e.V. laden am Dienstag, dem 01. November 2005, um 19:30 Uhr gemeinsam zur 19. Otto-von-Guericke-Vorlesung ein. Im Einsteinjahr spricht Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. em. Günter Altner, Heidelberg, zum Thema "Auf der Suche nach dem Weltfrieden - Albert Einstein und Albert Schweitzer im Gespräch". Die Veranstaltung findet im Hörsaal 5, Gebäude 16, auf dem Campus am Universitätsplatz, statt. Der Eintritt ist frei. Die interessierte Öffentlichkeit ist zu dem Vortrag herzlich eingeladen.


Albert Einstein und Albert Schweitzer, Wegbereiter und Wegbegleiter in das atomare Zeitalter, haben mit ihren Denkansätzen weit vorausgeblickt. Sie helfen uns auch heute in der Situation der Überlebenskrise weiter. Einstein hat zeit seines Lebens für eine friedensorientierte Weltkultur gestritten: Ohne Friedensverantwortung kein humaner wissenschaftlich-technischer Fortschritt. Schweitzer hingegen befreite den europäischen Humanismus aus seiner anthropozentrischen Engführung, indem er zu einer Ethik der Ehrfurcht vor allem Leben anleitete: Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.

Beide Denker nehmen den heute viel diskutierten Ansatz einer nachhaltigen Weltkultur voraus, dies unter Einbeziehung sozialer, ökologischer und friedenspolitischer Aspekte. Aber sie tun das auch in einem tieferliegenden systematischen Sinne. Das materialistische Weltbild der klassischen Physik trägt nicht mehr. Quantenphysik und moderne Biologie fordern uns auf, uns von den mechanistischen Denkstrukturen der Vergangenheit zu emanzipieren und in offenen Systemen zu denken. (vgl. das Potsdamer Manifest führender Wissenschaftler anlässlich des Einsteinjahres vom 14.10.2005)

Aus den Denkansätzen von Albert Einstein und Albert Schweitzer ergeben sich dringliche Fragen: Was heißt es, das offene Systemdenken in der immer weiter aufreißenden Konfliktzone zwischen Natur- und Menschengeschichte zu praktizieren? Müssen unsere Hochschulen nicht viel intensiver als bisher das inter- und transdisziplinäre Denken üben, um die aktuellen ökosozialen Wechselwirkungen auf der Erde angemessen beschreiben zu können? Ist die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses nicht konsequenter als bisher auf die Lösung transdisziplinärer Überlebensfragen zu konzentrieren? Spezialwissen muss interdisziplinär eingebettet werden. Ethik gehört zu den Grundvoraussetzungen des wissenschaftlichen Denkens. Ist es angemessen, sie immer nur im Nachhinein als "kleine Anwendungsethik" im Prozess der Technologiefolgenbewertung zu praktizieren?

Auf diese Fragen wird der Theologe und Biologe Günter Altner in seinem Vortrag eingehen. An den Universitäten in Wuppertal und Göttingen hat der gebürtige Breslauer evangelische Theologie studiert. 1964 promovierte er zum Dr. theol. An sein Theologiestudium schloss Günter Altner ein Studium der Biologie an den Universitäten Mainz und Gießen an und promovierte 1968 zum Dr. rer. nat. Als Studienleiter für Grenzfragen im Bereich Theologie/Naturwissenschaften war er an der Evangelischen Akademie Mühlheim/Ruhr tätig. Daran schloss sich eine Professur für Humanbiologie an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd an. An der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft in Heidelberg arbeitete er als Wissenschaftlicher Referent. 1977 war Günter Altner Mitbegründer des Instituts für angewandte Ökologie e.V. in Freiburg. Bis zu seinem Ruhestand hatte er die Professur für evangelische Theologie mit Schwerpunkt Systematische Theologie/Sozialethik an der Universität Koblenz-Landau inne. Günter Altner war Mitglied der Enquete-Kommission "Zukünftige Kernenergiepolitik" des Deutschen Bundestages und des Ethik-Beirates beim Bundesministerium für Gesundheit.

Die Otto-von-Guericke-Vorlesungen werden seit 1995 von der NORD/LB Mitteldeutsche Landesbank gefördert und führen regelmäßig renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen an die Magdeburger Universität. Mit diesen öffentlichen Vorträgen ehrt die Otto-von-Guericke-Universität ihren Namenspatron und präsentiert der interessierten Öffentlichkeit international anerkannte Persönlichkeiten der Wissenschaft, die ihre hervorragenden Forschungsergebnisse populärwissenschaftlich vermitteln können.


Waltraud Riess, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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