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Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 15.06.06

Stirbt das Kanadische Nationalsymbol wegen eines europäischen Gewürzkrautes aus?

Die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) sondert giftige Substanzen ab, die Pilze im Boden schädigen. Dadurch können die jungen Baumkeimlinge nicht anwachsen und etablierte Baumarten werden so verdrängt.
Foto: André Künzelmann/ UFZ

Zuckerahorn, Roter Ahorn und Weißesche wurden bei den Versuchen der Forscher deutlich weniger mit Bodenpilzen besiedelt.
Die Besiedelung von Baumwurzeln durch Bodenpilze, so genannte Mycorrhiza, ist aber ein wichtiger Schritt für die Etablierung junger Bäume, da diese Pilze den Bäumen wesentlich helfen, Nährstoffe aus dem Boden aufzunehmen.
Vergleiche mit anderen Baumarten zeigten, dass die Knoblauchsrauke offenbar nur Harthölzer beeinflusst.

Die Studie entstand in Zusammenarbeit der US-Universitäten Havard, Montana und Purdue, der kanadischen Universität Guelph sowie des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle. Am UFZ beschäftigen sich Botaniker seit mehreren Jahren mit Lebensgemeinschaften aus verschiedenen Pflanzen und Tieren, so genannten Biozönosen.

"Wir hatten eigentlich die Knoblauchsrauke unter die Lupe genommen, weil wir Insektenbefall an ihr untersuchen wollten, um biologische Schädlingsbekämpfer zu entwickeln", erzählt Dr. Daniel Prati vom UFZ. "Umso mehr waren wir überrascht, dabei auf einen neuen Mechanismus zu stoßen, der ein wichtiger Baustein in den komplizierten Verdrängungsprozessen der Natur sein könnte."

Die unscheinbare Knoblauchsrauke wurde um 1860 als Gewürzpflanze aus Europa nach Nordamerika eingeführt. Mittlerweile gilt sie dort als eine Art, die sich stark vermehrt und ausbreitet. So genannte Neophyten - sinngemäß "neue Pflanzen" - können bestehende Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen. Der Schaden, den Neophyten allein in der Landwirtschaft der USA anrichten, wird auf über 27 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt. Das Auswildern fremder Arten ist deshalb in Deutschland inzwischen genehmigungspflichtig.

Die Knoblauchsrauke ist ursprünglich eine Pflanze der Laubwälder - kommt aber ebenfalls an Wegrainen und in Stadtgebieten vor. Die unscheinbare Pflanze wird bis zu einem Meter hoch. Ihren deutschen Namen hat sie durch den intensiven Knoblauchgeschmack erhalten. Alliaria petiolata wird sowohl als Gewürz als auch zur Heilung von Bronchitis und Ekzemen verwendet, da sie ein Senföl-Glykosid enthält.

Die wechselseitigen Abhängigkeiten von Pflanzen und Bodenpilzen waren auch eines der Themen, mit denen sich Biologen auf der internationalen Konferenz PopBio 2006 beschäftigten.

Die Tagung fand vom 24. bis 27. Mai 2006 in Halle (Saale) statt und wurde von der Gesellschaft für Ökologie, der Martin-Luther-Universität Halle sowie dem UFZ organisiert.

Tilo Arnhold, Leipzig, Mai 2006

Weitere fachliche Informationen über:
Dr. Daniel Prati,
Department Biozönoseforschung am Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ), Telefon: 0345-558-5305
http://www.ufz.de/index.php?en=903
oder

Dr. Stefan Klotz,
Leiter der Biozönoseforschung am Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ), Telefon: 0345-558-5301
sowie:

Doris Böhme/ Tilo Arnhold,
UFZ-Pressestelle, Telefon: 0341-235-2278
presse@ufz.de

Weitere Informationen:


Dr. Margarete Wein, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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