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Universität Mannheim, 11.01.06

Skipisten, Pleiten und die Bibel

Würdigung der aktuellen Nobelpreisträger für Ökonomie / Vortrag über spieltheoretische Erkenntnisse der Forscher

Bereits zum vierten Mal stellt die Universität Mannheim allgemeinverständlich die Forschungsarbeiten der aktuellen Nobelpreisträger für Ökonomie vor. Gegenwärtig sind dies die Spieltheoretiker Robert J. Aumann und Thomas C. Schelling. Der Universität ist es mit Professor Dr. Benny Moldovanu gelungen, einen der bedeutendsten Spieltheoretiker Deutschlands für die Veranstaltung zu gewinnen. In seinem öffentlichen Vortrag am 26. Januar um 19.30 Uhr unter dem Titel "Skipisten, Pleiten und die Bibel - Ökonomie à la Aumann und Schelling" wird er auf die Forschungsarbeiten der beiden Preisträger eingehen. Moldovanu hat seine Ausbildung bei zwei Nobelpreisträgern absolviert. Die Veranstaltung wird ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung der Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung. Der Eintritt ist frei.


Der Titel des Vortrags lässt erahnen, wie weit breit das Spektrum ist, dem sich die Spieltheorie widmet. Die Forscher beschreiben dabei anhand von konstruierten Beispielen konkrete Phänomene als Spiele und können so Schlüsse für die Realität ziehen. Ein Skifahrer auf einer Piste mit anderen Teilnehmern beispielsweise, hat verschiedene Möglichkeiten, eine optimale Linie zu fahren. Er möchte so schnell wie möglich fahren, dabei aber mit niemandem zusammenstoßen. Um dies optimal umzusetzen, muss er die Manöver der Anderen in seine Strategie mit einbeziehen. Genauso begreifen Volkswirte die Marktwirtschaft als Spiel, indem Marktteilnehmer, also Unternehmen, als Spieler ein optimales Resultat, einen möglichst hohen Gewinn, erzielen wollen.

Moldovanu lehrte bis 2002 an der Universität Mannheim. Seitdem hat er an der Universität Bonn den Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie II inne. Dort hatte er bereits bei dem späteren deutschen Nobelpreisträger Reinhard Selten promoviert. Aber auch beim aktuellen Nobelpreisträger Aumann hat Moldovanu gelernt. Sein Studium absolvierte er an der Universität Jerusalem, an der Aumann seit 1956 forscht und lehrt. Dass sein damaliger Lehrer die weltweit höchste Auszeichnung erhalten würde, hat Moldovanu nicht überrascht. "Wenn ich die Preisträger auswählen dürfte, hätte ich immer auch Aumann genannt", erklärte Moldovanu nach der Verkündung des Nobel-Komitees.

Moldovanus Spezialgebiet ist das Erforschen von Auktionen. Dabei wird ein knappes Gut, etwa ein berühmtes Bild, unter bestimmten Regeln von einer großen Anzahl von Bietern umworben. Nur einer der Bieter aber wird das Bild am Ende erhalten. Moldovanu untersucht nun, wie die Regeln den Ausgang der Auktion beeinflussen, welchen Preis das Bild erzielen und wer es ersteigern wird. Andererseits kann er aber auch bestimmte Strategien entwickeln, mit denen die Bieter ein besseres Ergebnis erzielen können.

Aber auch in anderen wissenschaftliche Disziplinen, der Soziologie, der Politikwissenschaft oder der Evolutionsbiologie, sind spieltheoretische Ansätze mittlerweile weit verbreitet. Gerade hierzu haben die Forschungsarbeiten der beiden Preisträger beigetragen, was auch das Komitee in Stockholm bei der Begründung herausstellte.


Achim Fischer, Universität Mannheim
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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