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CHE Centrum für Hochschulentwicklung, 13.02.07

"Das Glas ist ein Viertel voll"

Es ist ein Fakt, dass 30 Prozent mehr Abiturienten in den nächsten Jahren die Schulen verlassen werden. Vertreter aus Politik und Hochschulen diskutierten auf dem CHE-Symposium " Studierendenhoch ? Hochschulkollaps?" am 12. und 13. Februar in Berlin Handlungsansätze, damit aus ihnen auch Studienabsolventen werden können. Bund, Länder und Hochschulen müssen jetzt handeln.

Pressekonferenz mit (von links nach rechts): Detlef Müller-Böling, Georg Milbradt, E. Jürgen Zöllner und Margret Wintermantel. (Foto: D. Ausserhofer)

Die steigende Zahl von Studienberechtigten in den nächsten 15 Jahren ist eine einmalige Chance für Deutschland, darüber waren sich Vertreter aus Politik und Hochschulen einig. Drei Wege, diese Herausforderung für das Hochschulsystem zu meistern, wurden auf dem CHE-Symposium " Studierendenhoch ? Hochschulkollaps?" am 12. und 13. Februar in Berlin diskutiert: "Deutschlandweite Mobilität - go east", "Flexibilität des Hochschulsystems - go flexible" und "Studieren weltweit - go abroad". Prof. Dr. Helga Meyer, im CHE Leiterin für das Projekt Demographischer Wandel und Hochschulsystem, stellt klar, "wir müssen mit guten Ideen diese Chance nutzen und das Schülerhoch in ein Studierendenhoch wandeln. Dann bekommen wir die hochqualifizierten Studienabsolventen, die Deutschland in Zukunft so dringend braucht."


Sachsens Ministerpräsident Milbradt wies auf die ausgebauten Hochschulen der ostdeutschen Bundesländer hin, die in naher Zukunft Kapazitäten frei haben werden, weil dort jetzt schon der demographische Wandel greift. "Die volkswirtschaftliche Vernunft gebietet es, die gerade erst in den letzten Jahren gut ausgestatteten Studienplätze zu nutzen. Jedoch darf keine Arbeitsteilung zwischen Ost und West entstehen, hier die Lehr- und dort die Forschungsuniversitäten. Zudem müssen die 'Exportländer' finanziell Verantwortung übernehmen", so Milbradt. 3,3 Milliarden Euro könnten bis 2020 nach einer Rechnung des CHE gespart werden, wenn es gelingt, die Studienkapazitäten im Osten zu nutzen. Das Studierendenhoch kostet dann statt 7,2 Milliarden Euro nur noch 3,9 Milliarden Euro.

HRK-Präsidentin Margret Wintermantel erinnerte daran, dass den Hochschulen schon für die Umstellung auf die gestuften Studiengänge zusätzliche Mittel in Aussicht gestellt worden waren, die sie bisher nicht erhalten hätten. Die Hochschulen stünden schon jetzt unter einem enormen Reformdruck und verfügten gleichzeitig nur über knappe Haushaltsmittel. Die Hochschulen würden vernünftige Lösungen für den Ansturm durch die doppelten Abiturjahrgänge mittragen, ihnen bleibe aber nur ein enger Spielraum.

E. Jürgen Zöllner, Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Berlin und Vorsitzender der KMK forderte einen Hochschulpakt II, der konkret auch ein ausgewogenes Fächerspektrum mit berücksichtigen müsse. Der bestehende Hochschulpakt sei ein wichtiger Schritt. Allen Wissenschaftsministern der Länder sei jedoch klar, dass auch nach 2010 zusätzliche finanzielle Mittel nötig sein werden. "Wir brauchen ein atmendes Hochschulsystem, nachfrageorientiert finanziert. Es muss auf verändernde Studiennachfrage flexibel reagieren können."

Für mehr Flexibilität nicht nur nach Außen, sondern auch nach Innen sprach sich Baden-Württembergs Minister Prof. Dr. Peter Frankenberg aus. "Die Lehre muss ein neues Image bekommen. Lehrverpflichtung ist keine Strafarbeit."

Auch Studienkapazitäten im Ausland können genutzt werden. Aldrik in `t Hout vom niederländischen Ministerium für Bildung, betonte in seinem Vortrag, Deutschland sei ebenso wie die Niederlande darauf angewiesen, dass seine gut ausgebildeten Akademiker über internationale Erfahrungen verfügten. Eine finanzielle Unterstützung der Studierenden bei einem Auslandsaufenthalt sei deshalb in zweierlei Hinsicht vorteilhaft. Anreize für die Studierenden müssten die "Exportländer" geben. Michael Thielen, Staatssekretär im BMBF, kündigte einen Kabinettsbeschluss an, der es Studierenden ermöglichen soll, ab dem ersten Semester ihr Bafög mitzunehmen, wenn sie innerhalb der EU oder in der Schweiz studieren.

In seinem Schlusswort betonte CHE-Leiter Müller-Böling: "Das Glas ist ein Viertel voll. Die bisherigen Lösungen sind ein Anfang. Auf diesem Symposium sind weitere gute Ideen entwickelt worden, wie auch kurzfristig der Herausforderung begegnet werden kann, vor der das deutsche Hochschulsystem steht. Das ist auch nötig, denn die Abiturienten stehen jetzt vor den Toren der Hochschulen. Wir sollten sie reinlassen. Schnellstens müssen deshalb den Überlegungen nun Taten folgen."

Weitere Informationen: http://www.che.de

Kontakt:
Prof. Dr. Helga Meyer
Projektleiterin "Demographischer Wandel und Hochschulsystem"
Tel.: (05241) 21179-58
E-Mail: Helga.Meyer@CHE-Consult.de

Weitere Informationen:


Britta Hoffmann-Kobert, CHE Centrum für Hochschulentwicklung
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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