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Justus-Liebig-Universität Gießen, 22.11.06

"Beziehungsreiche Gewebe - Textilien im Mittelalter"

Im Museum für Angewandte Kunst in Köln findet vom 24. bis zum 26. November 2006 eine internationale Tagung mit dem Titel "Beziehungsreiches Gewebe: Textilien im Mittelalter" statt. Die Tagung ist eine Kooperation der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Universität zu Köln und wird von Prof. Dr. Silke Tammen (Institut für Kunstgeschichte der Justus-Liebig-Universität Gießen) und Dr. des. Kristin Böse (Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln) organisiert.

"Jedes Jetzt, jede einzelne Bewegung auf dieser Erde, ist ein kleiner bunter Faden. Doch wenn man einen Punkt findet, von wo aus man das Ganze überblicken kann, verbinden sich all diese Fäden im Gewebe der Zeit zu einem Bild, gefesselt und blutend in einem Garten." Richard Powers beschreibt in seinem Roman "Der Klang der Zeit" (2004) jenen Moment, in dem Joseph im New Yorker Metropolitan Museum eine der schönsten Tapisserien des späten Mittelalters erlebt: die aggressive Jagd und Gefangennahme des mythischen Einhorns. Powers dient die Herstellungsweise eines Teppichs als Metapher sowohl für das Schicksal als auch für das Erzählen. Dieser alten, das Denken und den Sprachgebrauch bis heute prägenden Kulturtechnik ist die international besetzte Tagung "Beziehungsreiche Gewebe" gewidmet. Sie sucht deren Bedeutung gerade in den mittelalterlichen Gesellschaften zu ergründen, weil man sich in keiner anderen Epoche der Wirkungsästhetik und des narrativen Potentials kunstvoll gefertigter Textilien derart bewusst war.


Die einzelnen Vorträge nähern sich dem textilen Medium aus unterschiedlichen Blickwinkeln. In den Sektionen Intermedialität, Text und Textil, Performativität und Raum, Gewand und Körper wird die Breite der derzeitigen Fragestellungen gespiegelt und die Entwicklung medien- und kulturwissenschaftlich geprägter Perspektiven angeregt. Denn nur selten werden Bildteppiche, Paramente und andere Textilien in ihren symbolischen Kodierungen und in ihrer spezifischen Stofflichkeit und Medialität gewürdigt: Als Gewebe und mobile Träger von Geschichten weisen Stoffe einerseits eine große Nähe zum Text, aber auch zu anderen Bildmedien auf. Zugleich machen sie aber in ihrer mal lichtdurchlässigen, mal schimmernden und plastischen Materialität ein Wahrnehmungsangebot jenseits der von ihnen zur Erscheinung gebrachten Bilder und Zeichen.

Die Bedeutung mittelalterlicher Textilien für kirchliche, höfische und städtische Repräsentationsbedürfnisse sind zwar erkannt worden, und mit der Aufwertung der Kunst aus Frauenklöstern ist auch deren umfangreicher Textilbestand in das Blickfeld der Forschung geraten. Obwohl also das Spezialwissen wächst, finden aber kaum Dialoge zwischen den kulturwissenschaftlichen Disziplinen und zwischen Fachleuten aus Universitäten und Museen statt. Im Museum für Angewandte Kunst in Köln - und damit in unmittelbarer Nähe zu historischen Textilien - sollen die verschiedenen Ansätze in einem "Round Table"-Gespräch mit Textilspezialistinnen und -spezialisten der musealen Sammlungen und den Kollegen anderer geisteswissenschaftlicher Disziplinen kritisch debattiert und die aufgenommenen Fäden weitergesponnen werden.

Die Konzeptorinnen der unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Tagung, Silke Tammen und Kristin Böse, sind Kunsthistorikerinnen mit Forschungsschwerpunkten im Mittelalter. Sie vereint ein Interesse an der spezifischen Medialität und Materialität mittelalterlicher Bilder. Diese Tagung markiert auch den Auftakt von Kooperationen des Instituts für Kunstgeschichte der Justus-Liebig-Universität mit anderen Instituten und Institutionen im Zeichen einer vernetzten und kulturwissenschaftlich offenen Mittelalterkunstgeschichte.

Kontakt:

Prof. Dr. Silke Tammen,
Institut für Kunstgeschichte,
Otto-Behaghel-Straße 10, Haus G, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-28290, Fax: 0641 99-28289
E-Mail: Silke.C.Tammen@kunst.geschichte.uni-giessen.de

Weitere Informationen:


Christel Lauterbach, Justus-Liebig-Universität Gießen
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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