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CHE Centrum für Hochschulentwicklung, 08.11.05

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CHE Centrum für Hochschulentwicklung, 08.11.05

Private und staatliche Hochschulen nähern sich an

Während die staatlichen Hochschulen in den zurückliegenden Jahren dank erweiterter Handlungsspielräume deutlich innovativer geworden sind, orientieren sich die privaten Hochschulen verstärkt an traditionellen universitären Handlungsmustern. Die Unterschiede zwischen privaten und öffentlichen Hochschulen schwinden. Vielmehr bewegen sich beide Sektoren mittlerweile im selben Wettbewerbsfeld um Forschungsfördergelder, Studierende und wissenschaftliche Reputation. Zu diesem Ergebnis kam eine Tagung, welche gemeinsam vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) und der Hertie School of Governance in Berlin durchgeführt wurde, und die heute zu Ende ging. Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Hochschulbereich, der Politik und Wirtschaft debattierten zwei Tage lang die Frage: "Private Hochschulen in Deutschland - Reformmotor oder Randerscheinung?".

Private und öffentliche Hochschulen im Dialog unter Moderation des CHE (v.l.) Hans-Wolfgang Arndt, Rektor der Universität Mannheim, Detlef Müller-Böling, Leiter des CHE, und Michael Zürn, Akademischer Direktor der Hertie School of Governance Berlin
Foto: David Ausserhofer

Vor rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern kamen sich öffentliche und private Hochschulen näher
Foto: David Ausserhofer

Obwohl der Privathochschulbereich in Deutschland mit zahlreichen Neugründungen in den zurückliegenden zehn Jahren einen wahren Boom erlebt hat, ist er verglichen mit dem staatlich finanzierten Sektor eher klein: Nur etwas mehr als zwei Prozent der insgesamt rund 1,8 Millionen Studierenden sind an privaten Hochschulen eingeschrieben. "Was die Größe anbelangt, sind private Hochschulen definitiv Randerscheinungen", so Michael Zürn, Akademischer Direktor der Hertie School of Governance, "doch darin liegt gerade ihre Stärke. Durch ihre Kleinheit sind private Hochschulen beweglicher und besitzen aufgrund der Unabhängigkeit vom Staat auch mehr Handlungsfreiheiten". Die Hertie School of Governance, vor zwei Jahren von der Gemeinnützigen Hertie Stiftung gegründet, bietet selbst einen Master of Public Policy-Studiengang an. Solche Privathochschulen seien auch als "Reformhefe" für den öffentlichen Sektor zu verstehen. In der Tat, betonte auch Heribert Meffert, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung und ehemaliger Rektor der Handelshochschule Leipzig, seien in den 90er Jahren viele der Privathochschulen als Reaktion auf den Stillstand in den staatlichen Hochschulen gegründet worden. Doch inzwischen kämen auch die meisten Privathochschulen nicht mehr ohne öffentliche Gelder aus und darüber hinaus sei das Fächerspektrum der Privathochschulen begrenzt überwiegend auf die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.


Die Vertreter der staatlichen Hochschulen machten deutlich, dass sie die erweiterte Autonomie, welche ihnen die Länderministerien inzwischen gewähren, offensiv nutzen. Dabei setzen sie auf Stärken wie z.B. Fächervielfalt, Forschungsorientierung und eine gewachsene akademische Tradition. Insbesondere die seit Jahrhunderten bestehenden Universitäten, wie z.B. Heidelberg, haben es im Vergleich zu den jungen, noch nicht etablierten Privathochschulen relativ leicht, ihre Profilierung auf einem bereits bestehenden positiven Image und einem eingeführten "Markennamen" aufzubauen. Insgesamt hat sich sowohl in der Lehre als auch in der Forschung der staatlichen Hochschulen viel getan. So sind eine Reihe innovativer Studiengänge entstanden wie z.B. das Masterprogramm "Philosophy and Economics" der Universität Bayreuth. Rainer Hegselmann, Professor für Philosophie, schilderte, wie er aus einer Not(situation) eine Tugend machte, indem er einen Magisterstudiengang, in dem praktisch niemand mehr studierte, durch ein internationales und interdisziplinäres Masterprogramm ersetzte, welches inzwischen hoch nachgefragt ist. Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität Berlin, machte deutlich, dass der Forschungstransfer sich inzwischen nicht nur ausgeweitet hat, sondern auch vielfältige Wege beschreitet. Neben Firmenausgründungen (Spin Offs) und Auftragsforschung gibt es inzwischen auch erste Ansätze zur Gründung gemeinsamer Innovationsunternehmen zwischen Hochschulen und Privatwirtschaft.

Stephan A. Jansen von der Zeppelin University kritisierte dagegen die strukturelle Benachteiligung privater Hochschulen in der Forschung. "Für uns ist es ungleich schwerer an öffentliche Fördergelder heranzukommen", meinte der mit 33 Jahren jüngste Hochschulpräsident Deutschlands. Eine private Hochschule könne mittelfristig nicht nur durch gute Lehrangebote bestehen, sondern müsse auch in der Forschung mithalten können. Für die Akkreditierung seiner Hochschule in fünf Jahren hat sich Jansen das Ziel gesetzt "zumindest so gut zu werden, wie eine kleine staatliche Universität".

Im Ergebnis nähern sich private und staatliche Hochschulen allmählich also an. "In Zukunft wird es nicht mehr so sehr darauf ankommen, welche Hochschule privat oder staatlich ist, sondern welche Qualität sie in Forschung und Lehre bietet. Es entsteht eine Leistungsspirale im Wettbewerb zwischen den privaten und staatlichen, die nach oben führt", fasst Detlef Müller-Böling, Leiter des CHE, die Veranstaltung zusammen.

Für Rückfragen:

Sigrun Nickel, (0172) 5717570, sigrun.nickel@che.de

Ulrich Brömmling, (0177) 7851898, broemmling@hertie-school.org

Weitere Informationen:


Britta Hoffmann-Kobert, CHE Centrum für Hochschulentwicklung
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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