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Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen..., 16.11.06

Die positive Vielfalt des Alters und die Probleme der ärztlichen Versorgung

Berlin, 16.11.2006 -
Ältere Menschen sind heutzutage sowohl körperlich als auch geistig fitter als früher, erklärte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), Prof. Cornel Sieber aus Nürnberg, heute vor der Presse. Erstmals hält die DGG ihren Jahreskongress, der noch bis zum 18. November dauert, gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie (ÖGGG) ab. Denn die Probleme der alternden Gesellschaften seien länderübergreifend und die deutschsprachige Geriatrie könne sich auch international sehen lassen, sagte ÖGGG-Präsident Prof. Franz Böhmer aus Wien.

Einerseits werden die Menschen nicht nur älter, sondern sie leben auch länger ohne größere gesundheitliche Einschränkungen. Ältere und alte Menschen seien nicht nur ein Gewinn für die Gesellschaft aufgrund ihrer vielfälitigen Erfahrungen, sondern wegen ihrer größeren Mobilität und Agilität auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Auf der anderen Seite sei unbestreitbar, das mehrfach kranke ältere Patienten Geld kosten könnten und dass das Gesundheits- und Sozialwesen mehr auf deren Bedürfnisse eingehen müsse, so die Experten in Berlin.

Als viel zu unbekannt bezeichnete Sieber die Tatsache, dass alleine in Deutschland rund 1,6 Millionen Menschen unterernährt sind. Während bis zum 65. Lebensjahr Übergewicht ein großes Gesundheitsproblem darstellt, weisen rund 15 Prozent der zu Hause lebenden Senioren eine Mangelernährung auf. Diese führe zu überflüssigen Krankheiten und Unfällen. Bei den alten Menschen, die akut ins Krankenhaus kommen, leidet sogar fast die Hälfte an Mangelernährung, in Langzeitpflege-Einrichtungen sei die Zahl noch höher. Sehr viele ältere Menschen dürften eben keine Diät machen, sondern müssten zunehmen!

Richtige Ernährung, vor allem mit Antioxidantien, wie sie die mediterane Diät bildet (Gemüse, Obst, Fisch, Olivenöl) sei - neben geistiger Aktivität und sozialen Kontakten - auch eine der wenigen Möglichkeiten, einer Demenz im Alter nicht immer, aber in in manchen Fällen vorzubeugen, erklärte Sieber. Eine Impfung gegen die Alzheimersche Krankheit hingegen werde zwar erforscht, es werde aber noch Jahre dauern, bis sie zur Verfügung steht.

Auch einem Schlaganfall kann man oft vorbeugen, betonte Prof. Roland Hardt (Mainz). Dazu gehöre zum Beispiel die konsequente Behandlung des Bluthochdrucks. Bei sehr betagten Menschen gehe es dabei weniger um eine weitere Lebensverlängerung als vielmehr darum, die verbleibende Zeit bei guter Lebensqualität zu verbringen. Dies lohne sich wegen der Vermeidung langfristiger Pflegebedürftigkeit auch auch aus Kostengründen.

Arzneimittel hätten einerseits viel zur längeren Lebenserwartung und zur besseren Lebensqualtät im Alter beigetragen, erklärte Professor Wolfgang von Renteln-Kruse aus Hamburg bei der Tagung in Berlin. Andererseits betrafen viele der "Arzneimittel-Desaster" der vergangenen Jahre leider gerade auch ältere Patienten. In der medikamentösen Versorgung alter Menschen gebe es sowohl die Unter- als auch die Überversorgung. Zudem würden Medikamente verschrieben, die für diese Gruppe wenig oder gar nicht geeignet seien. Es gehe darum, die Therapie zum Beispiel besser dem Stoffwechsel des älteren Organismus anzupassen. Und bereits in klinischen Arzneimittelprüfungen würden ältere Patienten zu wenig berücksichtigt.

Die Geriatrie-Tagung dauert noch bis zum 18. November.
Ausführliche Pressetexte finden sich unter:
http://www.mwm-vermittlung.de/Geriatrie2006.html
Der nächste gemeinsame Jahreskongress der DGG und der ÖGGG wird im nächsten Jahr in Wien stattfinden.

Weitere Informationen:


Dipl.Pol. Justin Westhoff, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachges
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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