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Gerda Henkel Stiftung, 29.11.07

Die Kunst der Interpretation. Internationale Tagung zur Italienischen Reproduktionsgraphik 1470-1600

Gian Jacopo Caraglio, Apoll, Kupferstich, um 1526, SMB Kupferstichkabinett
Foto: Volker-H. Schneider

Marc Antonio Raimondi, Betlehimitischer Kindermord, Kupferstich nach einer Zeichnung von Raffael, um 1512, SMB Kupferstichkabinett
Foto: Volker-H. Schneider

Mit der Moderne ist der Begriff des Unikats - der einmaligen künstlerischen Schöpfung - in die Welt gekommen, damit aber zugleich die Vorstellung, dass Kunst reproduzierbar sei, in Verruf geraten. Das Verdikt der Moderne traf insbesondere die Reproduktionsgraphik: die Kunst, Gemälde und Zeichnungen großer Meister im Medium des Kupferstichs, der Radierung und der Lithographie wiederzugeben. Zur endgültigen Diskreditierung druckgraphischer Repro¬duktionskunst führte die Erfindung der Fotografie. Fototechnische Verfahren traten rasch an die Stelle der traditionellen Arbeit von Kupferstechern. Deren Branche hatte bereits das gesamte spätere 19. Jahrhundert in zunehmend scharfer Konkurrenz zur rasant fortschreitenden Entwicklung der Fotografie produziert und wurde schließlich von der neuen Epoche überholt.


Durch diesen epochalen Bruch mit einem seit der Renaissance gültigen ästhetischen Kanon geriet eine der bedeutendsten künstlerischen Erfindungen, die Vervielfältigung hoher Kunst im Medium der Druckgraphik, das gesamte 20. Jahrhundert hindurch in nahezu völlige Vergessenheit. Deren künstlerischer Rang wie auch über Jahrhunderte hinweg überragende Bedeutung ist erst seit kurzer Zeit wieder ein zentrales Thema kunsthistorischer Forschung geworden.

Nicht nur Theorie, Ästhetik und die Verbindung der Reproduktions¬graphik zur Kunstkritik stehen im Mittelpunkt der Tagung. Reproduktionsgraphik ist in hohem Maße auch Rezeptionsgeschichte. Über die Druckgraphik erschließt sich unmittelbar, in welcher Form und Bedeutung welche Kunstwerke eines Künstlers, sei es in der eigenen Epoche oder in späterer Zeit, wahrgenommen wurden.

Im Mittelpunkt des Symposiums im Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin steht die italienische Reproduktionsgraphik der Renaissance. Die gesamte Entwicklung der druckgraphischen Reproduktionskunst hat in Italien - in Mantua, Mailand, Florenz, Rom, Venedig und Bologna - ihren Ursprung. Die umwälzenden Leistungen italienischer Kupferstecher und Verleger des 16. Jahrhunderts schufen die Grundlagen für die folgenden Jahrhunderte.

Das Spektrum der Tagung führt von den Anfängen der Reproduktionsgraphik in der Epoche von Andrea Mantegna bis in die Zeit der Carracci. Technik, Ästhetik, Vertrieb und Rezeptionsgeschichte stehen ebenso zur Diskussion wie Fragen der Kennerschaft.

Programm:
9-12 Uhr: Kurzreferate von Stipendiatinnen und Stipendiaten
des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Graduiertenkollegs "Kunst als Kulturtransfer seit der Renaissance"
10.30 Uhr: Pressegespräch
14-17 Uhr: Expertengespräch vor Originalen, Leitung: Dr. Hans Jakob Meier
18 Uhr Vortrag Prof. Dr. Hans van Miegroet: Phantom Prints

Teilnehmer:
Prof. Dr. Heinrich Schulze Altcappenberg
Dr. Giorgio Marini, Uffizien, Florenz
Prof. Dr. Wolfgang Holler, Dresden
Prof. Dr. Hans van Miegroet, Duke University, North Carolina
Prof. Dr. Norberto Gramaccini, Universität Bern
Dr. Hans Jakob Meier, Berlin, Stipendiat der Gerda Henkel Stiftung
Dr. Lothar Schmitt, Zürich
Susanne Pollack, Florenz, Graduiertenkolleg
Beate Böckem, Basel, Graduiertenkolleg
Gudrun Meyer, Bern, Graduiertenkolleg
Thomas Manetsch, Bern, Graduiertenkolleg
und weitere Gäste des Museums

Kontakt:
Gern können Sie sich im Sekretariat des Kupferstichkabinetts informieren und Ihre Teilnahme bzw. Interviewwünsche anmelden.
Telefon: 030 - 266 20 01, Fax 030 - 266 29 59

Rückfragen an
Dipl. phil. Anne Schäfer-Junker
Pressekontakt Staatliche Museen zu Berlin
E-Mail: a.schaefer-junker@smb.spk-berlin.de

Dr. Sybille Wüstemann
Pressestelle Gerda Henkel Stiftung
E-Mail: wuestemann@gerda-henkel-stiftung.de
Telefon: 0211-93 65 24 0

Weitere Informationen:


Dr. Sybille Wüstemann, Gerda Henkel Stiftung
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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