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Universität Bayreuth, 08.01.07

Käsefondue und Nachhaltigkeit: Bayreuth verbindet Ferrara und Zürich

Mit Fragen, wie ethische Prinzipien in wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Praxis konkretisiert werden können, insbesondere warum trotz großen materiellen Wohlstandes in den Industrie-Nationen viele Menschen mit ihrer emotionalen und seelischen Situation unzufrieden sind und warum Armut und Ungerechtigkeit weltweit kaum abgenommen haben, beschäftigt sich die 2006 gegründete "Cheesefondue-Group". Mitinitiator ist der Bayreuther Umweltchemiker und Ökotoxikologe Prof. Hartmut Frank. Durch Vorträge zweier international angesehener Wissenschaftler wird Bayreuth am 11. Januar Kristallisationspunkt der Nachhaltigkeitsdebatte.

Bayreuth (UBT). Ein Schweizer und ein Italiener treffen sich in Bayreuth am 11. Januar 2007. Professoren der Universität haben sie eingeladen. Aus verschiedenen fachlichen Blickwinkeln werden sie der Frage nachgehen, wie Nachhaltigkeit verwirklicht werden kann. Dies betrifft jeden von uns individuell, unsere Stadt, unsere Region, unser Land, letztlich unsere Welt. Und so ist es folgerichtig, dass in Kooperation von Stadt und Universität die Vortragenden auch vom Oberbürgermeister, Dr. Michael Hohl, und vom Universitätspräsidenten, Prof. Helmut Ruppert, willkommen geheißen werden.

Um 10:00 (H13, NW I) hält Prof. Patrizio Bianchi, Wirtschaftswissenschaftler und Rektor der Universität Ferrara, der zweitältesten Europas, seinen Vortrag über "Wissenschaft und Ethik als Bedingung für reales Wirtschaftswachstum". Bei beginnender Rohstoff-Verknappung einerseits und der gleichzeitigen Notwendigkeit von Wachstum zur Schaffung von Arbeitsplätzen andererseits ist die Frage nach Gerechtigkeit im Ausgleich aller Interessen ein zentrales Problem, das auf der Grundlage ethischer Prinzipien gelöst werden muss.
Am gleichen Tag hält Prof. Richard Ernst von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, Chemie-Nobelpreisträger 1991, um 17:00 (H 14, NW I) einen ähnlich orientierten Vortrag mit dem Titel "Ausbruch aus dem Elfenbein-Turm, Industrie-Kontakte und gesellschaftliche Verantwortung", in dem er der Frage nachgeht, wie akademische Bildung und berufliche Praxis aufeinander abgestimmt werden sollten.
Beide Persönlichkeiten kommen auf Initiative von Professoren verschiedener Fachrichtungen (Prof. Hartmut Frank, Umweltchemie und Ökotoxikologie; Wolfgang Schoberth, Evangelische Theologie; Carlo Unverzagt, Bio-Organische Chemie; Arnold Zingerle, Allgemeine Soziologie) nach Bayreuth. Die Vorträge stehen im Zusammenhang mit der Bildung der Cheesefondue-Gruppe, die vor circa einem Jahr entstanden war.
Anfang März 2006 hatten sich Wissenschaftler, Philosophen, Theologen, Künstler, Studenten, und weitere Teilnehmer aus verschiedensten beruflichen und gesellschaftlichen Bereichen, aus Deutschland, Polen, Italien, Norwegen, Brasilien, der Schweiz, Japan und der Ukraine zu einem dreitägigen Workshop in St. Marienthal bei Görlitz zusammengefunden. Dabei ging es um die Fragen, wie ethische Prinzipien in wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Praxis konkretisiert werden können, insbesondere warum trotz großen materiellen Wohlstandes in den Industrie-Nationen viele Menschen mit ihrer emotionalen und seelischen Situation unzufrieden sind und warum Armut und Ungerechtigkeit weltweit kaum abgenommen haben. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass dies unter anderem daran liegen könnte, dass den emotional-seelischen Quellen und Triebkräften in jeder Lebensphase zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, auch in Bildung und Erziehung.
Diese zentralen Themen sollen auf dem kommenden, zweiten Workshop in Bayreuth (24-28 März 2007) behandelt werden; auf dem dritten in Ferrara (23-26 September 2007) sollen sie weiter vertieft und konkrete Antworten gesucht werden. Der Besuch der beiden Wissenschaftler dient auch dem Zweck der Vorbereitung dieser Veranstaltungen.

Weitere Informationen:


Jürgen Abel M. A., Universität Bayreuth
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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