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Universität Trier, 07.04.08

Zum Internationalen Roma-Tag am 8. April 2008: Neuerscheinung "Europa und seine 'Zigeuner' - "Gibt es denn grundsätzlich etwas Europäischeres als die Zigeuner?"

Pünktlich zum Internationalen Roma-Tag am 8. April 2008 ziehen Literatur- und Kulturwissenschaftler/innen der Universität Trier gemeinsam mit internationalen Kooperationspartnern eine Zwischenbilanz ihrer Forschungen zu 'Zigeunern' in Europa. In der jüngst erschienenen Publikation Europa und seine 'Zigeuner' werden mehrheitsgesellschaftliche Konstruktionen von 'Zigeunern' im deutschsprachigen Raum als europäischer Prozess der Stigmatisierung und Ausgrenzung untersucht. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Roma des rumänischen Siebenbürgen, deren Semantisierungen mit Konstruktionen im westlichen Teil Europas verglichen werden.

Titelblatt der Neuerscheinung "Europa und seine Zigeuner"

Die Forschungen greifen damit ein höchst aktuelles Thema auf, denn 2007 erfolgte der Beitritt Rumäniens zur EU. Dies trug - wie der rumänische Historiker Franz Remmel in seinem Beitrag herausarbeitet - trotz umfangreicher Maßnahmen nicht zu einer Verbesserung der Lebenslage rumänischer Roma bei, und dies obwohl, so die zum Leitgedanken des Buchs erhobene Maxime Remmels, 'Zigeuner' neben und nach den Juden eigentlich die ersten (oft allerdings unfreiwilligen) 'Paneuropäer' gewesen seien.


Der Sammelband geht auf eine Tagung zurück, die das Trierer Forschungsprojekt "Fremde im eigenen Land" des Sonderforschungsbereichs 600 "Fremdheit und Armut" unter der Leitung von Prof. Herbert Uerlings im Juni 2007 zusammen mit dem Germanistiklehrstuhl von Prof. Dr. Maria Sass der Lucian-Blaga-Universität, Sibiu, im rumänischen Sibiu/Herrmannstadt veranstaltet hat. Acht Beiträge, die literarische Texte unterschiedlichster Gattungen und Provenienz untersuchen (Romane, Lyrik, Fortsetzungsromane aus Zeitungen, Schlager, expositorische Texte, Kinder- und Jugendliteratur), schlagen eine Brücke vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Die Trierer Germanistin Stefani Kugler etwa zeigt die zweihundertjährige Kontinuität des Phänomens der 'Zigeunerromantik' auf, die sich sowohl in der Hochliteratur des frühen 19. Jahrhunderts findet wie auch in Schlagern der 1960er Jahre (1967, Alexandra: Zigeunerjunge). Während solche romantischen Idealisierungen mehr der mehrheitsgesellschaftlichen Selbstvergegenwärtigung dienen als einer Annäherung an 'Zigeuner', ist dies bei der Untersuchung der historischen Sammlung siebenbürgischer 'Zigeuner'-Märchen, -Sagen und -Liedern durch die rumänische Literaturprofessorin Maria Sass nicht der Fall. Hier zeigt sich vielmehr, dass Literatur zur Fortschreibung bestehender Ausgrenzungen einerseits beitrug, andererseits jedoch bereits seit dem 19. Jahrhundert solche Exklusionsprozesse auch kritisierte. Gleichwohl lassen sich im Überblick, wie Herbert Uerlings es in seinem synthetisierenden Beitrag herausarbeitet, drei Formen der Stigmatisierung von 'Zigeunern' unterscheiden: religiöse, soziographische und ethnisch-biologistische bzw. ethnisch-kulturalistische.

Das Buch ist als Sonderheft der Reihe "Germanistische Beiträge" im Universitätsverlag Sibiu/Hermannstadt erschienen.

Kontakt und Information
Prof. Dr. Herbert Uerlings
Sonderforschungsbereich 600
Projektleiter C5
E-Mail: uerlings@uni-trier.de

oder

Dr. Iulia Patrut
Wiss. Mitarbeiterin
Projekt C5
Tel.: 0651/201-3287
E-Mail:patrut@uni-trier.de


Heidi Neyses M. A., Universität Trier
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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